Eine Krise kommt in der Regel überraschend. Ob sie zum Desaster wird, entscheidet sich vorher. Denn gute Krisenkommunikation ist Vorbereitung, Schnelligkeit und Handwerk. Als Agentur für politische Kommunikation haben wir regelmäßig mit Krisen zu tun. Nicht alle werden öffentlich – auch dafür sorgt professionelle Krisenkommunikation. Hier sind fünf Tipps aus unserer Praxis.
1. Vorbereitung schlägt Improvisation
Krisenkommunikation beginnt nicht, wenn das Telefonklingelt. Wer im Ernstfall souverän reagieren will, braucht klare Strukturen:
- Wer ist erreichbar?
- Wer entscheidet?
- Wer spricht?
- Welche Szenarien sind denkbar?
Ein Krisenleitfaden mit klaren Verantwortlichkeiten und vorbereiteten Textbausteinen spart im Ernstfall wertvolle Stunden. Denn in der Krise ist Schnelligkeit ein zentraler Faktor.
2. Die ersten Stunden entscheiden
Es bleibt keine Zeit für lange Gremiensitzungen, bevor andere die Deutungshoheit übernehmen. Nachrichtenticker sind schnell, Social Media läuft in Echtzeit.
Wer nicht selbst eine plausible Erklärung liefert, bekommt eine serviert – und muss dann dagegen ankämpfen.
> Praxis-Tipp: Lieber eine knappe Sofortreaktion („Wir haben Kenntnis, klären auf, melden uns") als stundenlanges Schweigen.
3. Da sein und Handlungsfähigkeit zeigen
Wer in der Krise abtaucht, wirkt verdächtig. Kommuniziert, auch wenn noch nicht alles geklärt ist:
- Welche Fakten liegen auf dem Tisch?
- Was muss noch herausgefunden werden?
- Wer kümmert sich darum?
Schweigen wirkt wie Kontrollverlust. Der Kapitän muss an Deck sein, nicht in der Kajüte. Ein Politiker in Gummistiefeln beim Hochwasser mag kein Experte sein, aber er zeigt: Ich bin da.
4. Ehrlichkeit vor Schönfärberei
Menschen verzeihen Fehler, wenn sie eine ehrliche Entschuldigung hören. Täuschungsmanöver verzeihen sie nicht.
Wer Fehlverhalten offen kommuniziert, kann Vertrauen zurückgewinnen. Wer lügt oder beschönigt, hat verspielt.
Die Formel für transparente Krisenkommunikation:
- Problem klar benennen
- Verantwortung übernehmen
- Konsequenzen aufzeigen
5. Klare Botschaft, klare Haltung
Keep it simple: Was ist passiert? Was wird jetzt getan?
Wenn die Presse eine Geschichte konstruiert, weil keine geliefert wird, ist die Kontrolle verloren. Füllt das Vakuum mit Fakten, mit Haltung, mit einem Plan.
Das gilt besonders, wenn die Krise auf falschen Anschuldigungen basiert: präzise sagen, was unwahr ist, und es mit Fakten belegen. Je klarer die Kommunikation, desto schwerer wird es für andere, eine eigene Erzählung darüberzulegen.
Ein aktuelles Beispiel
Berlins regierender Bürgermeister wird sich von seinem Tennis-Stromausfall-Desaster vor der Wahl im Herbst wohl kaum mehr erholen. Das hat mit politischer Instinktlosigkeit zu tun – und mit mangelhafter Krisenkommunikation. Der Kapitän muss an Deck sein, nicht in der Kajüte.
Für den Ernstfall gewappnet sein
Krisen lassen sich nicht immer verhindern, ihre Auswirkungen schon. Wir helfen dabei, Krisenszenarien durchzuspielen und Kommunikationsstrukturen aufzubauen, bevor sie gebraucht werden.
