Wo kommt mein Geld an, Aysel Osmanoğlu?

02.10.2026
Folge
43
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Aysel Osmanoğlu
beschreibung

Was passiert mit meinen 100 Euro? Aysel Osmanoğlu, Vorstandssprecherin der GLS Bank, erklärt, wie Geld zum Gestaltungsmittel wird. Ein Gespräch über Geldqualität, Herkunft, Umbrüche ohne Angst und eine Bank, die anders wirtschaftet. Dazu die Frage, was jede einzelne Person heute für eine gute Zukunft tun kann.

Transkript (KI-generiert)

Wer sind die Guten in der Wirtschaft?

Thomas Mühlnickel: Aysel Osmanoğlu, schön, dass du da bist.

Aysel Osmanoğlu: Freut mich sehr.

Thomas Mühlnickel: Herzlich willkommen.

Aysel Osmanoğlu: Vielen Dank. Hallo Thomas.

Thomas Mühlnickel: Wir heißen ja, Damit die Guten gewinnen. Wer sind denn für dich die Guten?

Aysel Osmanoğlu: Das ist echt eine schwierige Frage.

Thomas Mühlnickel: Deshalb stelle ich sie mal.

Aysel Osmanoğlu: Als du mich eingeladen hast, habe ich auch gedacht, oh, schon eine schwierige Frage, weil ich als Mensch ja auch nicht immer permanent nur gut bin, sondern auch meine Schattenseiten habe. Und versucht bin aber, immer mein Bestes oder immer im Sinne von dem, was ich glaube, ethisch gut zu sein, das zu erreichen. Und daher würde ich sagen, da wo wir Menschen sind und versuchen immer Mensch zu sein und, auch in der Wirtschaft, wenn wir auf die Wirtschaftsweise gucken, wenn wir in der Wirtschaftsweise den Menschen im Mittelpunkt stellen mit seinen Bedürfnissen, würde ich sagen, ja, das sind dann die Guten.

Thomas Mühlnickel: Dann sind aber ziemlich viele Nichtgute, oder?

Aysel Osmanoğlu: Ich glaube ja, im Sinne von unserem System, wie das designt ist. Also wenn wir unsere Wirtschaftsweise oder die Prinzipien unserer Wirtschaftsweise angucken würden, würde ich sagen, ja, sie sprechen nur einen kleinen Teil in uns als Menschen an. Und das ist sehr reduziert. Das kann man natürlich aus der wirtschaftswissenschaftlichen Perspektive verstehen, dass man bestimmte Modelle braucht, um das erklärbar zu machen. Aber wenn wir in unserer Wirtschaftsweise nur auf Gewinnmaximierung und Nutzenmaximierung ausgerichtet sind, dann würde ich sagen, ja, da befriedigen wir, versuchen unser nur Einzel-Egos zu befriedigen und auch im Unternehmenskontext das Unternehmensego zu befriedigen.

Thomas Mühlnickel: Bin ich denn als, bevor wir jetzt mit dir gleich noch einsteigen, aber das Thema ist gerade sehr interessant.

Aysel Osmanoğlu: Finde ich auch.

Thomas Mühlnickel: Bin ich denn als einzelne Person überhaupt mündig genug, wissend genug oder in der Lage, etwas somit am Wirtschaftssystem zu ändern, dass ich nicht mir nichts, dir nichts aus Versehen dazu beitrage, dass es immer schlimmer wird?

Kaufgeld, Leihgeld, Schenkgeld: was Geldqualität bedeutet

Aysel Osmanoğlu: So weit ist möglich. Ich würde das immer so als Prämisse stellen und sagen, ist das in meiner Möglichkeit und schöpfe ich diese Möglichkeit aus. Wenn wir so auf die GLS Bank schauen, es ist auch so ein Thema der Geldqualitäten, wie wir damit umgehen. Und die übersetzen wir uns auch für uns in Qualitäten. Wenn wir von Kaufgeld sprechen, wenn wir tagtäglich unser Lebensmittel einkaufen und es geht um diese Transaktion an sich, da steckt aber viel mehr dahinter. Wenn ich einen Kauf tätige, ein Lebensmittel kaufe, heißt ja das eigentlich, ich finde das gut, vielen Dank. Ich sehe, dass du es gemacht hast. Das ist so wie anerkennen. Das ist die Qualität vom Kauffeld anerkennen. Beim Kreditvergabe in der Bank geht es um Vertrauen. Das heißt, ich vertraue, dass dieses Anliegen, was dieser Mensch in die Welt bringen möchte, mit diesem Produkt oder mit diesem Projekt erfolgreich wird. Ich vertraue darin und ich vertraue, dass das Geld auch wieder zurückfließt, damit ich das weiter als Kredit vergeben kann. Also Kredit ist Vertrauen, Leihgeld. Und dann gibt es das Schenkgeld. Das könnte man sagen, das ist das höchste der Gefühle. Wenn man Kinder hat, zumindest weiß man, dass es dann sehr erfüllend ist und ganz viel schenkt. Und es ist auch nicht so, habe ich noch nie in meinem Leben erlebt, dass es Eltern gibt, die dann mit 18 eine Rechnung rüberschieben und sagen, das habe ich jetzt alles geleistet, gib bitte zurück. Sondern es ist ja permanent ein Schenken. Und beim Schenken ist es eher die Qualität der Liebe. Und ohne die Gegenleistung zu erwarten und das beflügelt.

Thomas Mühlnickel: Ich stelle mir gerade so Eltern vor, die zum 18. mit Zinseszins berechnet mal ausrechnen, was sie da so überwachsen lassen.

Aysel Osmanoğlu: Ich glaube, das ist umgekehrt, dass man sogar zum Lebensstart nochmal noch mehr dazu gibt, oder?

Thomas Mühlnickel: Ja, ich glaube, das ist üblicher. Glücklicherweise.

Aysel Osmanoğlu: Glücklicherweise. Ich glaube, also in diesen Qualitäten, wenn man sich das vergewissert und sagt, was ist eigentlich mit dieser wie gehe ich damit um, was will ich eigentlich damit ausdrücken in dieser Handlung, dann kann man schon darin etwas bewegen mit diesem Bewusstsein und wenn wir das multiplizieren und alle Menschen in der Welt so handeln würden, ich glaube schon, dass wir da eine Veränderung herbeiführen würden.

Thomas Mühlnickel: Ich habe gerade das Gefühl, du hättest mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ich habe nach dem Abi eine kaufmännische Ausbildung gemacht. Dann habe ich BWL studiert, einen Bachelor.

Aysel Osmanoğlu: Aber das ist der richtige Fuß mit Gewinnmaximierung und so.

Thomas Mühlnickel: Ja, genau, genau. Und dann habe ich noch, ich habe sogar damals am Wöhe diesen deutschen Standardlehrwerk für BWL damals irgendwie als Studie mitarbeiten dürfen. Das war total toll, hat wirklich Spaß gemacht. Und dann habe ich noch Wirtschaftswissenschaften studiert als Master. Und dachte, ich stecke jetzt in diesem Thema relativ tief drin. Entweder habe ich extrem schlecht studiert und ganz vieles nicht gelernt, von dem ich dachte, ich hätte es gelernt. Oder mir ist dieser Begriff nie über den Weg gelaufen. Geldqualität. Mein Eindruck war gerade, ich habe das gerade zum ersten Mal im Leben den Begriff Geldqualität gehört. Heißt Geldqualität zu entscheiden, wofür nutze ich Geld, wofür gebe ich Geld aus und was macht diese Qualität dann aus?

Aysel Osmanoğlu: Das wird dir in dieser Podcast sehr oft begegnen, weil wir das Geld an sich, nicht als Wert nehmen, sondern die Wirkung des Geldes. Also das heißt, ich habe eine Möglichkeit, mit dem Geld Gesellschaft zu gestalten. Und das ist ein soziales Gestaltungsmittel. Ich kann unsere Volkswirtschaft gestalten, ich kann das miteinander gestalten. Und wenn man in diesem Kern kommt, was machen wir mit dem Geld, was ist die Wirkung, dann kommt man nicht drum herum zu sagen, was sind die Qualitäten, an denen wir uns ausrichten wollen. Und das ist eben nicht bei der GLS Bank mit dem Geld noch mehr Geld zu machen, also in diesem Casino-Geld, das ist das vierte wahrscheinlich, womit wir nicht so gut umgehen können und nicht umgehen wollen, dass man am Kapitalmarkt das sinnlos einfach investiert, um mit dem Geld mehr Geld zu machen, ohne sich zu fragen, was ist die Wirkung, in welchen Unternehmen fließt das, in welchen Bereichen. Sondern zu sagen, das ist ein bewusstes Gestaltungsmittel und dann kommt man an diesen Qualitäten und einfach bei sich das zu beobachten, was macht das eigentlich mit mir, das finde ich sehr spannend, weil das sind ja alles Glaubenssätze eigentlich, was wir haben, wenn wir mit Geld oder im Wirtschaftswissenschaften uns überlegt haben.

Thomas Mühlnickel: Lass uns das Beispiel einfach nochmal machen, wo wir beim Thema sind. Ich habe 100 Euro und die Frage ist, wie gebe ich sie aus? Gebe ich 20 Euro fürs Kino aus, 40 Euro für Alkohol, stecke ich 40 Euro in irgendein ETF, stecke ich 20 Euro in einen, ich gebe gerade zu viel Geld aus, weil 100 Euro merke ich schon, gebe ich Geld auf ein Tagesgeldkonto bei der GLS Bank, spende ich etwas an den NABU, das sind quasi die Fragen von Geldqualität, was mache ich mit dem Geld, das mir zur Verfügung steht?

Aysel Osmanoğlu: Immer bei NABU, das ist ja, man kann auch Spende oder schenken, nehmen wir mal an, ist es keine zweckgebundene Spende, sondern du verschenkst das und hinterfragst, also fragst gar nicht, was habt ihr mit dem Geld gemacht, sondern sagst, hey, hier habt ihr die 100 Euro. Ich nehme es dir gleich weg.

Thomas Mühlnickel: Ich gehe nicht ins Kino, habe ich verstanden.

Aysel Osmanoğlu: Du nimmst die 50 Euro.

Thomas Mühlnickel: Das sind die Banker, da kommen die Banker zu dir im Podcast und schon so die ganzen 100 Euro weg.

Aysel Osmanoğlu: Ich gebe dir die 50 Euro, okay. Und dann kann NABU entscheiden in dem Moment, was sie mit dem Geld machen. Sie können auch einen Geburtstag eines Mitarbeitenden feiern, einen Kuchen kaufen. Das sollte dich da mal nicht mehr angehen. Also das ist nicht so, dass du sagst, ich klammer mich dran und dann frage ich, sondern hey, mach damit, ihr werdet was Sinnvolles damit machen, ich schenke es euch. Ich liebe euch. Und mit dem ETF, da sind wir schon im Kapitalmarkt. Ist das ein synthetisch gebildetes Index, woran sich das orientiert? Oder habe ich dahinter tatsächlich Unternehmen, die dahinter stehen, zum Beispiel einen Unternehmensfonds, und denen ich quasi mein Geld gebe, ausleihe, damit sie gutes, wenn wir schon dabei sind, erneuerbare Energien, finanziere oder ökologische Landwirtschaft oder Bildung und Kultur. Also das sind so die Fragen, was passiert eigentlich, wo kommt mein Geld an? Und das einfach sich bewusst zu machen.

Thomas Mühlnickel: Schöne Grüße gehen raus an meinen alten Freund und Kupferstecher, Jörg-Andreas Krüger vom NABU, der auch schon hier im Podcast war und wir uns hier erst kennengelernt haben und seitdem fast unzertrennlich sind.

Aysel Osmanoğlu: Oh wow.

Von Bulgarien an die Spitze der GLS Bank

Thomas Mühlnickel: War das eigentlich für dich in deinem Aufwachsen und deiner Biografie irgendwie vorgezeichnet, dass du mal Vorstände in einer Bank wirst?

Aysel Osmanoğlu: Ich glaube nicht. Aber dass ich mit Geld was zu tun hatte in meiner Biografie, das finde ich schon vielleicht so eine Ahnung. Es ist ja immer spannend, man kann ja seine Biografie immer rückwärts verstehen, was alles passiert. Das ist gar nicht in dem Moment, ich weiß nicht, warum ich jetzt hier sitze, aber irgendwie in fünf Jahren gucke ich hin oder mit einem besten Freund, der wusste es wahrscheinlich auch nicht, er macht mal einen Podcast, das sind ganz nette Menschen und jetzt seid ihr Freunde, wow, das hat den Sinn, so rückwärts geschaut und, ich hatte in meiner Biografie, ich bin ja in Bulgarien aufgewachsen, bis ich zwölf war, wir waren eine türkische Minderheit und, Ich glaube, in so einem kommunistischen System aufzuwachsen, wo augenscheinlich alle gleich sind und auch begrenzte Mittel haben. Und wenn sie ein Mittel haben, für die meisten der Menschen die Produkte gleich aussehen. Also dass man damit umzugehen lernt, was heißt das eigentlich, alles zu haben. Also wir sind ja, wir haben uns gut ernährt und hatten und so weiter. Und dennoch nicht individuell. Dann in der Türkei, als wir in die Türkei ausgewandert sind, hatten wir gar nichts. Also meine Eltern haben das ganze Geld, was sie in der Tasche hatten, ausgegeben für die Miete und für die Kaution und dann war es plötzlich, oh wow, wir haben kein Geld fürs Abendessen und alle so hungrig ins Bett zu gehen. Und am nächsten Tag kam der Nachbar und hat so einen Karton voller Lebensmittel gehabt und hat uns das geschenkt. Also einfach das auch zu erleben, was macht eigentlich Geld und dann als Vorständin weder das eine noch das andere zu negieren und nicht zu sagen, wow, ich habe echt... Ich habe so ein Privileg gerade, dass ich gut verdiene und eine sinnvolle Tätigkeit habe und mir das viel Freude macht, aber auch das andere erlebt zu haben, was bedeutet, wenn du in den Materiellen quasi eingeschränkt wirst. Und dass meine Eltern mich dann in so einer Situation ermutigen, meinen Träumen nachzugehen, ohne mir das Gefühl zu geben, wir haben kein Geld und du kannst das nicht. Wahnsinn. Und dann Vorständin einer Bank zu sein, mit dieser Erfahrung, ich glaube, das hat Sinn, dass ich Vorständin werde, wahrscheinlich nicht vorgezeichnet, aber dass ich das, irgendwie mit Geld umzugehen in einer anderen Qualität und Weise, wie ich es im Studium gelernt habe. Das ist, glaube ich, schon ein bisschen, es gibt schon Sinn, ja.

Thomas Mühlnickel: Und wahrscheinlich auch wirklich einen anderen Blick auf Geld zu haben als jemand, der schon mit den ersten 5 Millionen auf dem Konto großgebrochen worden ist. Stimmt es, dass du mit 18 zum Studium nach Deutschland gekommen bist und noch gar kein Deutsch konntest?

Aysel Osmanoğlu: Ja, es war nicht mal ein Studium. Also ich hatte einen Studiumplatz in der Türkei, und dann habe ich mich entschieden nach Deutschland zu kommen, um die Sprache zu lernen und dann habe ich echt eineinhalb Jahre in Freiburg Deutsch gelernt und in der Zeit auch meinen Studiumplatz in der Türkei einfrieren lassen, damit ich wieder zurückkommen kann. Hat sich aber gezeigt, dass ich mich gut und wohl gefühlt habe und gesagt habe, okay, ich kann, ich habe dann die deutsche Abitur hier nachgeholt und habe angefangen zu studieren. Genau umgekehrt wie bei dir, erstmal Volkswirtschaftslehre, Grundstudium abgeschlossen in Heidelberg und dann habe ich mich entschieden, etwas zu tun. Ich glaube, das war die Intention, viel lebensnah zu sein als volkswirtschaftliche Modelle und die große Zusammenhänge zu verstehen, aber auch nicht so irgendwie doch super handeln zu können, so lebenspraktisch handeln zu können. Und das war dann die Entscheidung, BWL zu studieren. Bin nach Frankfurt umgezogen und habe dann Supply Chain Management und Wirtschaftsinformatik im Hauptstudium mit den Schwerpunkten studiert.

Thomas Mühlnickel: Und als wäre die ganze Geschichte nicht schon schräg genug. Dann hast du, warum sie überraschend ist, vielleicht will ich mal drüber reden, aber du hast dann als Werkstudentin bei der GLS Bank, Ökobank, später GLS Bank zusammenfusioniert, angefangen und hast dich wirklich von der Werkstudentin, Trainee, Stück für Stück vorangearbeitet, bis du irgendwann zur Vorstandssprecherin geworden bist. Das alleine ist ja schon eine sensationelle Geschichte, aber wenn man sie von ganz vorne liest, von Bulgarien über deinen ganzen Weg, bist du dann mit 40 Vorstandsprecher geworden oder Vorständin? Ist dir das eigentlich bewusst, was für eine unmögliche Geschichte das ist, die du hast?

Aysel Osmanoğlu: Nein, ich stecke ja drin. Ich kenne ja das nicht anders. Also wenn man so selber drinsteckt, ich kenne das nicht anders. Das ist so für mich mein normales Leben. Ja, aber wenn du das so sagst, ja.

Thomas Mühlnickel: Ich glaube, das ist für ganz viele Menschen, die…

Aysel Osmanoğlu: Ich merke Thomas gerade, es ist mir super unangenehm, darüber zu sprechen.

Thomas Mühlnickel: Ich lasse dich auch gleich wieder von der Angel. Aber es ist, glaube ich, für ganz viele Menschen ist das auch eine wirklich symbolhafte, vorbildhafte Geschichte, weil es ja auch mittlerweile in Deutschland immer häufiger heißt, allein das Elternhaus entscheidet schon, was aus dir werden kann und das, was du an Schulbildung in der Grundschule bekommst und ob du Leute hast, die dich unterstützen oder nicht. Und das schon sehr viel der Herkunft vorprognostiziert, wie wahrscheinlich es ist, dass du eines Tages mal in einem DAX, Bank, MDAX, was auch immer, Vorstand überhaupt landen kannst. Allein schon die Vorstellung, dass es aktuell in Deutschland immer noch mehr Christians im DAX gibt als Frauen. Auch das ist ja noch mal eine Geschichte dabei.

Aysel Osmanoğlu: Sehr spannend. Das ändert sich immer mit der Zeit. Ich glaube, eine Zeit lang war es mehr Thomas und Andreas, glaube ich. Jetzt sind die Christians. Spannend.

Thomas Mühlnickel: Ich bewerbe mich extra nicht, damit nicht noch ein Thomas dabei ist.

Aysel Osmanoğlu: Schon vorbei? Ja, ich kann das nachvollziehen und dennoch bin ich wieder bei dieser Vereinfachung. Ich glaube, dieser Privileg, was wir in Deutschland haben, das kann man nicht laut und öfters genug sagen, dass diese Hürden, natürlich bis dahin muss man kommen, aber wenn du studieren möchtest, es ist nicht die Hürde des Finanziellen enorm da, wie in UK oder USA. Das muss man sich auch mal klar machen. Und ja, gleichwohl merkt man das auch. Ich merke das jetzt bei meiner Tochter. Wir sind beide Akademiker, mein Mann ist Physiker, super unterstützend auch inhaltlich. Und ich habe neulich zu meinem Mann gesagt, meine Eltern haben mir bei den Schulsachen nie geholfen. Das konnten sie einfach nicht. Also schon in der Türkei gar nicht und seine Eltern auch nicht. Und alleine schon, dass sie diesen Privileg haben, dass wir AkademikerInnen sind und sie auch dadurch Unterstützung bekommt. Das ist schon ein Riesenunterschied, ja. Und die Wahrheit gibt es auch. Das möchte ich, das wirst du glaube ich sehr oft merken, dass ich diese schwarz und weiß sehr schwer tue auch mit dem guten und schlechten merkst du so, also das ist ich glaube unser Leben ist schon komplex und wir als Menschen fühlen uns sicher, wenn wir versuchen das einfach zu machen, geht es mir auch so, wenn ich ein riesen Projekt vor mir habe, dann denke ich, was ist der nächste Schritt, wie kann ich jetzt ein Stück weiter kommen und was ist die nächste Entscheidung und so robbt man sich quasi und macht das große kleiner, damit es handhabbar ist, das verstehe ich. Aber dass wir sagen, ja, es ist komplex und es sind nicht nur die Eltern, es ist auch das Umfeld, es sind die Freundinnen und Freunden. Ich habe in Freiburg ganz viele tolle Menschen erlebt, die mich bei der Sprache so unterstützt haben, bei der Bewerbung in den Unis so unterstützt haben. Das war unglaublich. In meinem Arbeitsfeld habe ich so viele Menschen erlebt, die mich unterstützt haben, die mir die Möglichkeit gegeben haben. Und ich finde, das ist schon richtig großer Schatz, wenn man das ganzheitlich betrachten würde und nicht nur durch diese Erzählung schon die Möglichkeit zurücknimmt, dass es vielleicht oder das Horizont zu erweitern.

Thomas Mühlnickel: Es geht so viel, wenn man sich miteinander unterstützt und eben keine Hürden baut. Ich habe es erlebt, ich durfte in Nürnberg dieses Jahr die Oberbürgermeisterwahl mit begleiten und dass Nasser Ahmed, Kind von Migranten, angetreten, die sind zu Fuß nach Deutschland gekommen und haben mal gesagt, wenn du dich anstrengst, wird das was. Und der hatte eine Nachbarin, die sie dann Tante nannten, die diese Familie irgendwie um ihre Fittiche genommen hat, sich gekümmert hat, dass sie verstehen, wie es hier so funktioniert und worauf man so achten kann und sollte. Und mit ganz viel Fleiß und Mut hat er es geschafft, dass er jetzt am Ende in der Stadtregierung von Nürnberg sitzt und auch so eine tolle Geschichte geschrieben hat. Ich finde, diese Geschichte muss man noch mehr erzählen, weil es wird zu oft als unmöglich erklärt, aber es ist nicht unmöglich.

Hier kommt Teil 2 mit den Kapiteln 4 bis 6.

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Geboren für Umbrüche

Thomas Mühlnickel: Ich habe von dir den Satz gelesen, ich bin für Umbrüche geboren. Ergibt der sich aus deiner Geschichte oder wo kommt der her?

Aysel Osmanoğlu: Ich glaube, solche vermeintlichen Wahrheiten. Glaube ich, je nachdem, aus welchem Zeitpunkt, aus welchem Stand man auf die Biografie schaut. Also wenn ich mal das wirklich aneinander jetzt reihen würde, würde ich sagen, als türkische Minderheit in Bulgarien geboren, in der Türkei als Minderheit weiter, versucht, Fuß zu fassen, zu leben, ein Leben aufzubauen. Und das sind ja in der Biografie, und dann nach Deutschland zu kommen, in Deutschland bin ich sehr oft auch umgezogen, von Freiburg nach Heidelberg, von Heidelberg nach Frankfurt, zeitweise in Aachen gelebt, dann in Bochum. Also das sind ja immer so kleine Veränderungen und wenn man das schauen würde, hast du ja auch gesagt, es ist jetzt keine Lineare geboren in Deutschland und in Deutschland gestorben. Das sind ja kleine, in der Biografie schon Umbrüche aus dem konventionellen geschaut, wenn man sich so einen linearen Lebenslauf vorstellen würde. Und zu dem Zeitpunkt, glaube ich, hatte ich auch die Aufgabe der Vorständin oder Vorstandssprecherin, das muss ich mal einordnen, wann es genau war. Aber da sind ja immer wieder in der Biografie bestimmte Umbrüche und dass ich damit gut umgehen kann, könnte auch etwas sein, was ich da rein interpretiert habe.

Thomas Mühlnickel: Umbrüche machen ja vielen Leuten Angst. So, oh Gott, sollte ich meinen Job kündigen? Da kommt nie wieder was Besseres. Sollte ich die Stadt wechseln? Oh Gott, oh Gott, da kenne ich ja kein... Ängste haben ja viele Menschen. Dadurch wird man ja auch so ein bisschen veränderungsresistent. Du hast diese Ängste nicht, oder?

Aysel Osmanoğlu: Vielleicht bin ich einfach geübter.

Thomas Mühlnickel: Sehr gute Antwort. Sehr gute Antwort.

Aysel Osmanoğlu: Ängste, ich weiß nicht, ich finde Angst zu groß. Angst zu groß, finde ich. Ich glaube schon, dass man Sorgen, auch während des Studiums mir Sorgen gemacht habe, wenn ich eine Prüfung mal nicht geschafft habe und gesagt hatte, oh wow, gibst du auf und dann doch nicht aufzugeben und dran zu bleiben. Also ich glaube schon, dass ich Sorgen habe, aber dass ich so Angst habe. Ich glaube, das ist etwas, das ich mir gerne anschaue, aber mich davon nicht leiten möchte.

Thomas Mühlnickel: Es gibt ja auch diesen Satz im Rheinischen, Et hätt noch emmer joot jejange. Ich finde, das ist auch gut, wenn man das so immer mit sich herumträgt. Es geht auch weiter und die Welt geht nicht unter. Es kommt auch wieder was Gutes auf, dass man sich auch in Veränderungen reintraut und nicht vor allem immer nur Angst hat.

Aysel Osmanoğlu: Aber sag mal, hast du die Erfahrung gemacht, also wenn ich so überlege, in diesen schwierigen Situationen, wenn ich das Gefühl habe, ich bin auf mich alleine gestellt, könnte etwas sein, wo ich Angst bekomme oder die Sorge größer wird. Und ich habe Gott sei Dank nie erlebt, wenn ich um Hilfe gebeten habe, vielleicht habe ich erlebt, dass ich nicht um Hilfe bitten konnte, aber wenn ich um Hilfe gebeten habe dass keiner mir nein gesagt hat das habe ich nicht erlebt und ich glaube dass wenn wir uns das bewusst machen wenn jemand sagt hey kannst du mir helfen, dass jeder alles in dem Moment lässt um jemandem zu helfen und wenn wir das noch stärker in der Gesellschaft stark machen, ja dann denke ich genau das können wir dann überwinden.

Thomas Mühlnickel: Jetzt bringe ich noch was Philosophisches mit rein und dann kommen wir irgendwie auch weiter gleich zur GLS Bank.

Aysel Osmanoğlu: Das ist aber keine philosophische Frage oder These jetzt, das ist Leben.

Thomas Mühlnickel: Ja, stimmt, du hast recht, du hast recht. Das ganze Leben verändert sich ja ohnehin ständig. Es ist die ganze Zeit im Fluss und wir schreiten halt in der Zeit voran und Dinge um uns herum verändern sich und wir selber ja auch. Und was scheinbar so ein menschlicher Punkt ist bei vielen ist, ich versuche alles um mich herum festzuhalten, während es sich verändert, statt auch einfach Dinge loszulassen, Dinge laufen zu lassen, Dinge in Veränderung zu lassen und dieses Festhalten ist ja auch Energie, das macht es ja total schwierig, vielleicht ist es auch einfacher, sich in einer gewissen Lebenszuversicht auch mit dem Leben treiben zu lassen. Das war jetzt philosophisch, oder?

Aysel Osmanoğlu: Das hast du richtig schön gesagt.

Thomas Mühlnickel: Ich danke dir.

Ich liebe Geld und will trotzdem weniger

Thomas Mühlnickel: Ein, zwei Sachen noch, bevor wir zur GLS Bank kommen. Ich habe einen Widerspruch, den verstehe ich noch nicht. Du sagst, du liebst Geld.

Aysel Osmanoğlu: Ich liebe Geld, ja.

Thomas Mühlnickel: Und als du Vorstandssprecherin wurdest, hast du gesagt, ich will weniger Geld. Ist das nicht ein Widerspruch in sich?

Aysel Osmanoğlu: Also bei der Vorstandssprecherin, ob ich mehr als meine Vorstandskollegen verdiene, geht ja nicht darum, dass ich das Geld liebe oder hasse oder nicht damit umgehe, sondern es geht um die Menge. Und was ich daran liebe ist, und das was ich dir vorhin auch so versucht habe, mal aus meiner Perspektive zu schildern, dass es eine unglaubliche Kraft da drin ist, damit umzugehen. Also nicht zu negieren und zu sagen, ja, das Geld macht das Schlechteste in einem Menschen, bringt hervor oder so. Es kann auch das Beste in einem Menschen hervorbringen. Damit das als so anzuschauen und sagen, hey, jetzt unternehme ich mit diesem Geld etwas und das habe ich in der Hand, das in die Richtung zu lenken oder in die Richtung zu lenken. Und in diesem zu sein, in diesem Möglichkeitsraum zu sein, das liebe ich.

Thomas Mühlnickel: Was war der beste Rat, den du jemals bekommen hast?

Aysel Osmanoğlu: Es gibt etwas ganz Banales von meinem Vater, der mir das später erzählt hat, dass unser Nachbar ihm das erzählt hätte. Hat er mir mal ganz früh gesagt, hat gesagt, du, tu was Gutes und schmeiß es ins Meer. So etwas, also so im übertragenen Sinne. Und irgendwann bringen die Wellen das zurück. Und wenn nicht, dann haben wenigstens die Fische was davon gehabt. Und das fand ich so schön. Da sind wir wieder bei diesem Festhalten. Solange ich etwas tue und Gutes tue und festhalte, dass was zurückkommt und es muss in einer Gegenseitigkeit sein, dann ist das super anstrengend und energieraubend, wie du es gesagt hast. Aber wenn ich davon mich befreie und sage, ich tue was Gutes und ich gebe das in die Welt frei, und irgendwann in dieser Lebensenergie, was du beschrieben hast, in diesem Fluss, kommt es vielleicht zurück und wenn nicht, dann haben wenigstens die Fische was davon gehabt und das fand ich richtig schön. Und das ist echt, ich glaube, das trägt so durch. Aber ich glaube, zu jeder Lebensphase gibt es ja was Unterschiedliches, was bei einem resoniert und was nicht. Und es gab bestimmt ganz viele tolle Ratschläge. Entweder waren zu früh oder zu spät oder gerade on time und deswegen resoniert das oder eben nicht. Und ich glaube, das ist im Moment, würde ich sagen, drauf zu schauen, wie ich mit meiner Intuition in die Führung gehe. Das ist jetzt mein Lernfeld daran. Das habe ich auch so als Tipp bekommen. Wo es um Intuition ging und wie wir intuitiv führen können. Und es hat mich sehr gereizt, da drin in dieser Übung zu bleiben. Habe ich das überhaupt? Also wenn wir in die Wirtschaftsweise schauen, sind wir eigentlich sehr kognitiv, der Kopf entscheidet und die Argumente und so weiter. Und dass wir noch ein bisschen tiefer in das Herz kommen, ist ja sehr selten. Und dann in die Seele zu kommen und zu gucken, wie offen bin ich und was will die Welt von mir, was ist da drin. Und aus dieser Intuition, das haben wir eigentlich als Kind schon sehr angeboren, richtig falsch, ja, nein, dann, wenn man irgendwas nicht so koscher gemacht hat, guckt man auf die Eltern und so. Also diese Intuition haben wir, das verlernen wir dann. Und jetzt da reinzukommen und das in diese Wirtschaftswelt mal auszuprobieren, was macht das eigentlich, das finde ich total spannend jetzt als Rat einfach mal das anzunehmen und sagen, ah, das irritiert mich, ich liebe Irritation. Das heißt ja, jetzt bin ich an irgendwas dran, was ich noch nicht kenne. Ich bin dann super neugierig, was ist es? Und dann da drin zu bleiben in so einer Übung, finde ich total spannend gerade.

Thomas Mühlnickel: Das wird einem ja auch viel abtrainiert.

Aysel Osmanoğlu: Erzähl mal.

Thomas Mühlnickel: In meinem vorherigen Job, aus über zehn Jahren her, kam mal ein Kollege zu mir, da war ich Prokurist und sagte zu mir, Mensch, du gehst ja so gut mit den Leuten um und am Ende funktionieren die Dinge. Nach welchem der verschiedenen Führungsmodelle arbeitest du denn? Und dann zählte der mir irgendwie sieben Führungsmodelle auf, die er aus dem Kopf hatte. Die hatte ich auch alle im Studium irgendwann mal gehört. Dachte aber auch, nach keinem einzigen, ehrlicherweise, weil ich finde so Modell A und jetzt mache ich laissez-faire oder dann bin ich irgendwie dominant oder was auch immer. Das fand ich irgendwie sowieso immer total absurd, dass man das so festschneiden will. Und vielleicht war das Modell damals schon intuitive Führung. I don't know, aber es war tatsächlich der Gedanke von, ich mache das, was ich für richtig halte und nicht das, wo mir hier irgendein BWL-Papst gesagt hat, das ist der Weg, wie man zu führen hat in einem Unternehmen.

Aysel Osmanoğlu: Okay, muss man drauf achten jetzt. Wertschätzend mit diesen Menschen, die diese Modelle entwickelt haben, um uns die Welt einfacher zu erklären. Das finde ich schon mal interessant.

Genossenschaft, Transparenz und klare Grundsätze

Thomas Mühlnickel: Wollen wir zur GLS Bank rübergehen?

Aysel Osmanoğlu: Ja, sind wir eigentlich schon mittendrin.

Thomas Mühlnickel: Eigentlich sind wir mittendrin, aber wir müssen es noch einmal erklären. Ich glaube, der Name GLS Bank, der sagt den meisten etwas. GLS Bank ist über 50 Jahre alt und nennt sich eine sozialökologische Bank.

Aysel Osmanoğlu: Sozialökologisch-ökonomisch.

Thomas Mühlnickel: Guck mal, das habe ich noch nicht mit aufgeschrieben. Aber was macht ihr wirklich anders als meine Sparkasse bei mir vor Ort oder auch die Deutsche Bank?

Aysel Osmanoğlu: Okay, dann, weil du die Sparkasse und die Deutsche Bank erwähnt hast, fange ich an mit der Rechtsform. Die Deutsche Bank ist eine Aktiengesellschaft, die GLS Bank ist eine Genossenschaft. Das heißt, wir haben Genossinnen, Mitglieder, die bei uns Anteile zeichnen und somit auch uns das Eigenkapital zur Verfügung stellen. Das Eigenkapital brauchen wir einerseits, um die Kredite zu vergeben, weil wir Eigenkapital unterlegen, also unsere Kredite mit Eigenkapital unterlegen müssen. Und auf der anderen Seite ist uns sehr wichtig, dass wir diese Vielfalt von Menschen und Mitgliedern haben, damit sie an dieser Arbeit teilhaben können und teilnehmen können. Und wir haben eine Generalversammlung, wo wir alle unsere Mitglieder einladen, dass sie an unseren Berichten teilnehmen können. Wir als Vorstand sind ja berichtspflichtig und der Aufsichtsrat auch und der Aufsichtsrat wird von den Mitgliedern gewählt, damit sie uns einerseits beraten und auf der anderen Seite auch beaufsichtigen können. Wir machen ganz viele Mitgliederveranstaltungen, sodass die Menschen, denen die Bank gehört, dass sie sich einbringen können. Wir haben mittlerweile auch Formate, wo wir ein Anliegen haben, das auch ausformulieren und das einbringen als Input und auch Resonanz einholen, damit wir dann im Sinne unserer Mitglieder auch handeln können. Wir haben Anlage- und Finanzierungsgrundsätze, was wir uns über die Jahre entwickelt haben und vorgenommen haben, dass wir zum Beispiel bestimmte Felder nicht finanzieren, weil es dazu ökologische, soziale Alternative gibt, wo wir denken, da ist das Geld besser angelegt, besser gelingt, als wenn zum Beispiel in fossiler Industrie. Lieber erneuerbare Energien als Fossilindustrie, keine Atomkraft, keine Drogen und so weiter. Das sind die Ausschlusskriterien. Und dann haben wir auch…

Thomas Mühlnickel: Darf ich ganz kurz unterbrechen? Muss ich Angst haben, dass eine andere deutsche Bank Geld in Drogen anlegt? Oder ist das einer eurer Grundsätze? Oder muss ich wirklich Angst haben, dass es ein anderer tut? Wir müssen ja keine Namen nennen.

Aysel Osmanoğlu: Naja, also die Frage ist... was du finanzierst. Also wenn du zum Beispiel Felder, wo Drogen angebaut werden und so weiter, irgendwie in diesem Geschäft mit drin bist und deine Finanzflüsse nicht kennst.

Thomas Mühlnickel: Gottes Willen. Entschuldige, ich wollte dich da nicht unterbrechen, aber das schockiert mich gerade.

Aysel Osmanoğlu: Es ist ja immer eine Frage, in welches Unternehmen und kann ich das überhaupt nachvollziehbar machen, was mit dem Geld ist. Natürlich musst du jetzt wegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung das sowieso in deiner Governance gut im Griff haben, aber ob bestimmte Prostitution, Menschenhandel und so weiter und so fort, also es passiert irgendwo und jemand finanziert das und sich davon zu distanzieren und sagen, das ist etwas, was wir in der Welt nicht unterstützen. Anlage- und Finanzierungsgrundsätze und dann haben wir auch die Grundbedürfnisse des Menschen, wo wir sagen, wir brauchen ein Dach über dem Kopf. Wohnen ist eine unserer Branchen. Wir brauchen Energie, erneuerbare Energien selbstverständlich. Wir brauchen Bildung und Kultur. Wir brauchen was Soziales, also auch im Alter, Leben im Alter. Wir brauchen die nachhaltige Wirtschaft wie nachhaltige Klamotten und wir brauchen selbstverständlich Ernährung. Und das ist die ökologische Ernährung. Also es ist schon sehr darauf gerichtet, dass der Planet für uns gesund bleibt und wir mit dem Planeten auch gesund bleiben und unsere sozialen Beziehungen auch stärken. Das ist unsere Ausrichtung und das sind die Branchen, die wir finanzieren und zu jeder Branche haben wir auch Zielbilder. Natürlich ist es uns klar, dass wir nicht in allem und immer perfekt sind und das gewährleisten können, aber dass wir sagen, wir haben ein Zukunftsbild je Branche, was uns für uns anziehend ist und dafür stehen wir jeden Morgen auf und das ist eine gute Ausrichtung, mutig zu sein, da drin zu handeln. Das ist etwas, was uns auch, glaube ich, einzigartig macht. Wir sind sehr transparent, wir veröffentlichen jeden Kredit, den wir vergeben im gewerblichen Bereich, private nicht, mit dem Unternehmen, mit dem Verwendungszweck und auch mit der Summe, die wir finanziert haben, sodass jedem Mitglied, jedem Kunden transparent ist, was wir mit dem Geld tun. Und mit der Hoffnung auch, dass diese Menschen, weil sie in dieser Bank sind, sagen, ach guck mal, Sonett ist hier Kunde und die GLS Bank hat einen Kredit vergeben, dann kaufe ich die Seife von Sonett oder guck mal, da ist, keine Ahnung, eine Handcreme von einem Unternehmen und die sind Kunden bei der GLS Bank und ich unterstütze das und dann kaufe ich das eben. Ja, also versuchen schon mit großen Ansprüchen an dieser Arbeit dran zu bleiben und diese Transparenz auch zu gewährleisten. Übrigens sind unsere Gehälter als Vorstände auch veröffentlicht. Es ist auch transparent. Das ist immer so die Frage, was verdient ihr denn und so.

Thomas Mühlnickel: Guckt doch nach.

Aysel Osmanoğlu: Guckt doch nach, ist doch transparent.

Thomas Mühlnickel: Das heißt, wenn ich mit meinen berühmten 100 Euro zu euch gehe und sie bei euch in irgendeiner Form anlege, kann ich gut schlafen. Ich weiß, was ihr damit macht und ich weiß, dass es in für uns gemeinsam definierte gute Dinge reingeht und nicht in irgendetwas. Im Unterschied zu dem Emerging Markets ETF, in den ich meine 100 Euro stecke, wo ich es eben nicht so genau weiß, wo am Ende wirklich meine 100 Euro landen. Ist das denn wirtschaftlich halbwegs?

Aysel Osmanoğlu: Beides. Du kannst uns vertrauen, dass wir gute Arbeit machen. Vertrauen durch Transparenz gewährleisten. Du kannst aber auch selber gucken, was wir machen. Das liegt an deiner Hand.

Thomas Mühlnickel: Wir sind ja eigentlich jetzt an der Stelle wieder bei der Anfangsfrage dieses Podcasts. Wer entscheidet denn da, wer die Guten sind?

Aysel Osmanoğlu: Einerseits die Menschen, die uns das Geld zur Verfügung stellen, und auf der anderen Seite, dass wir diese Arbeit ernst nehmen und immer wieder weiterentwickeln und das auch transparent machen. Und ich glaube, in der heutigen Zeit ist das Bestrafen ja schnell, als das Vertrauen aufgebaut ist. Daher werden wir das sofort merken, wenn wir mit unseren Grundsätzen, die wir in die Welt bringen wollen oder leben oder finanzieren, wenn die Kundinnen und Kunden ihre Gelder uns nicht mehr zur Verfügung stellen, dann machen wir was nicht richtig. Also ich glaube, diesen Seismografen zu haben, zu sagen, daran orientieren wir uns und da dran zu sein und diese Räume zu schaffen mit den Mitgliedern, dass wir sagen, ja, das Anliegen haben wir jetzt gerade, wie steht ihr dazu, was sagt ihr dazu und dass wir dann immer wieder das miteinander austarieren und weiterentwickeln. Ich glaube, das ist die gemeinsame Entscheidung.

Thomas Mühlnickel: Es gibt da doch sicherlich immer wieder so Abwägungsprozesse, wo auch für ein Investment oder für ein Unternehmen Gutes und Schlechtes spricht. Also ich finde diese ganze Atomkraftdebatte der letzten Jahre so ein bisschen absurd. Aber auch da gibt es natürlich auch ein Argument zu sagen, lass uns doch an Atomkraft gehen, weil sie schon die Umwelt deutlich massiver, wenn nichts passiert, als andersrum. Oder bestimmte Initiativen, die sagen, wir tun was für Nachhaltigkeit, die aber auch im Hintergrund dann doch wieder ganz andere Interessen haben. Das heißt, ihr müsst euch das schon sehr genau angucken und auch sehr genau abwägen, was ihr tut, oder?

Aysel Osmanoğlu: Mit dir kann ich ja aktiv-passiv sprechen. Auf der Einlagenseite, auf der Passivseite haben wir einen Anlageausschuss, die unser Anlageuniversum auch bestimmen. Das ist ein unabhängiges Expertengremium, wo die Titel reinkommen und sich die Unternehmen angucken und sagen, nehmen wir die auf in unserem Anlageuniversum, ja oder nein, sich das regelmäßig auch anschauen und wenn wir bestimmte Entwicklungen feststellen, dass sie nicht genauso wie es am Anfang uns vorgestellt wurde oder sie dranbleiben oder sich verändern, dann gehen wir in das Engagement und sprechen mit dem Unternehmen und ob sie dranbleiben. Und dann nehmen wir sie, wenn sie sagen, nein, wir haben uns jetzt anders entwickelt, wir nehmen sie aus dem Anlageuniversum raus. Auf der Kreditseite, auf der Aktivseite, wenn wir Kredite haben, wo es vielleicht, eben was du angesprochen hast, ist es vielleicht nicht so eindeutig, aber das Unternehmen sich auf den Weg macht in die Transformation. Haben wir ein Gremium, das heißt inhaltliche Kreditvorabstimmung, bevor es in die ökonomische Kreditabstimmung geht, wird erstmal dieser inhaltliche Part geklärt miteinander. Können wir das Unternehmen jetzt mit dem Vorhaben und mit dem Unternehmensstruktur vielleicht oder mit der Holding und wer ist dahinter, was du auch angesprochen hast, können wir das mitgehen, können wir das finanzieren und was brauchst du dafür? Und dann gibt es eine Abstimmung in diesem Gremium und dann wird das entschieden, mehrheitlich wollen wir das machen oder wollen wir das nicht.

Thomas Mühlnickel: Es hilft also auch reines Lobbying bei der Vorstandsvorsitzenden nicht, dass die dann sagt, okay, klar, machen wir. Wir sind ja nicht bei der FIFA.

Aysel Osmanoğlu: Nein, das kannst du auch aus regulatorischer Sicht gar nicht machen. Wir haben immer so Markt und Marktfolge.

Thomas Mühlnickel: Ein Glück.

Wirtschaften in Verbundenheit und das Gutes-Morgen-Festival

Thomas Mühlnickel: Euer Leitbild heißt Wirtschaften in Verbundenheit. Das klingt so ein bisschen ungewöhnlich für eine Bank. Was steckt dahinter?

Aysel Osmanoğlu: Ja, das Ursprüngliche eigentlich, was uns als Bank macht, würde ich sagen, so wie die Bank auch entstanden ist, mit welchen Bedürfnissen, aus den Bedarfen, aus der Verbundenheit mit den Menschen, dass sie ein Anliegen haben und sagen, ja, wir wollen das in die Welt bringen, und aus diesem gemeinsamen Ringen, wie kann man das auch realisieren, dass man dann das eben finanziert. Und Verbundenheit. Ich denke. Naja, da sind wir wieder mit diesem alleine und ja oder nein. Ich glaube, wenn wir die Wirkung größer machen wollen, dann müssen wir miteinander was zu tun haben. Nur irgendwie durch die reine Geldtransaktion wird das nicht. Also das heißt, wir brauchen, einerseits brauchen wir die Menschen in der Bank, die sich mit diesem Sinn, mit diesem Unternehmen, mit den Menschen in der Bank, sich verbinden, sich verbunden fühlen. Wir brauchen unsere Mitarbeitenden, die sich mit unseren Kundinnen und Kunden verbinden. Und wir brauchen Menschen, die sich untereinander, also B2B-Beziehungen quasi, die sich miteinander auch nochmal verbinden und dadurch viel mehr entstehen kann in der Zusammenarbeit. Und wir brauchen eine Verbundenheit mit dieser Welt, mit der Natur, mit dem, was uns lebenswichtig hier ist, damit wir das auch erhalten bleiben. Ich glaube, das ist echt ein großer Anspruch, aber das bringt es immer so irgendwie auf den Punkt.

Thomas Mühlnickel: Das heißt, ihr seid Teil eines Ökosystems und nicht im klassischen Sinne, wie man eine Bank durchaus verstehen kann, Geld rein, Geld raus und ein bisschen Geld bleibt bei uns am Ende des Tages dafür, dass wir es gemacht haben.

Aysel Osmanoğlu: Ja, das machen wir auch.

Thomas Mühlnickel: Das macht ihr auch, klar. Das ist ja Teil des Geschäftsmodells. Das muss ja. Aber das eher als Teil eines Gesamtsystems und nicht als reines Geschäftsmodell. Sonst könntet ihr eine AG sein, die auch in sonst was investiert, wenn es so darum ginge, dass ihr am Ende mehr Geld habt.

Aysel Osmanoğlu: Ja, und ich finde es so spannend, und das, was wir jetzt, wir hatten unser Gutes-Morgen-Festival dieses Jahr, und weil du Ökosystem gesagt hast, einerseits total schön und wichtig, weil wir uns gegenseitig auch stärken können, weil es ein bestimmter Wertekanon da ist. Und auf der anderen Seite haben wir es mit der Stadt Bochum gemeinsam gemacht und mit den Stadtwerken, sodass diese Öffnung, würde ich sagen, weil Ökosystem ist schon in sich irgendwie geschlossen, aber dass man sagt, hey, das ist nicht irgendetwas, was geschlossen ist, sondern das ist super durchlässig und das ist total, alles ist willkommen, was Interesse an dieser Wirtschaftsweise hat und dass es sich das Schmecken erleben, sehen, anziehen kann. Und daher ist es total wichtig, dass man nicht in einem geschlossenen Ökosystem bleibt, sondern dieses Miteinander, dieses Öffnen total wichtig ist. Und dann bin ich bei Ilya Prigogine, wenn ich das richtig ausgesprochen habe, der mal, ich kann es leider nicht beurteilen.

Thomas Mühlnickel: Ich sage mal, ja.

Aysel Osmanoğlu: Ich glaube es ist ein Physiker, der mal auch Nobelpreisträger, der gesagt hat, in einer Welt, wo das System, das bestehende System im Chaos sich bewegt oder droht im Chaos zu sein, können kleine Insel der Kohärenz das System in einem nächsten Level hieven. Also es ist wichtig, dass wir solche Kohärenzinseln haben, wo es in sich vielleicht stimmig scheint oder etwas in Gang bringen und je größer die sind und je mehr von denen gibt und die sich miteinander verbinden, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit auch, dass das System in einem nächsten Level sich hieven kann. Und das sehen wir permanent, wenn wir das beobachten, eine Finanzkrise. Das Finanzsystem an sich ist kollabiert und hat gesagt, so können wir es nicht weitermachen, Leute. Was haben wir gemacht? Wir haben so richtig viel Geld reingepumpt, um das System im Leben zu erhalten. Aber wenn wir ein System hätten, wo man sagen würde, ach guck mal, das ist doch auch was, das kann sich doch vielleicht weiterentwickeln, hätten wir die Möglichkeit gehabt. Aber die GLS ist leider zu klein.

Thomas Mühlnickel: Um dieses System zu heben.

Aysel Osmanoğlu: Hat die Deutsche Bank dann nicht doch jetzt gewonnen mit der Commerzbank.

Thomas Mühlnickel: Verdammt.

Aysel Osmanoğlu: Nein, aber verstehst du, also ich glaube, je mehr wir von diesen Modellen haben, dass es auch anders gelingen kann, umso größer ist unser Horizont, umso mehr Möglichkeiten haben wir, dann sind wir nicht in diesem einen gefangen. Und das ist, glaube ich, so ein Anliegen zu sagen, mit der Verbundenheit, mit der Sichtbarkeit, mit der Größe, mit der Wirkung, dass wir sagen können, hey, so könnte das System ja auch sein. Hoppala.

Thomas Mühlnickel: Lass uns doch mal kurz über das Festival sprechen. Ja. Also Gutes Morgen ist schon ein super Titel. Ich finde ja.

Aysel Osmanoğlu: Dann guckst du immer, ob es recht treibt.

Thomas Mühlnickel: Ja. In unserem Vorgespräch hatte ich mich schon sehr gefreut, als du mir von dem Festival erzählt hattest. 13.000 Besucher, 130 eurer Firmenkunden haben sich da präsentiert.

Aysel Osmanoğlu: 168. Mit 130 hatten wir gerechnet.

Thomas Mühlnickel: Achso. Dann habe ich die Zahl daher. 168 eurer Firmenkunden haben sich da präsentiert, wie Aussteller quasi. Robert Habeck war da. Sie hat fast alles, was man für ein gutes Festival braucht. Jetzt müssen wir nur mal erklären, dass es nicht Wacken war. Also es ging jetzt nicht darum, dass da drei Tage lang irgendwie Bands auftreten, sondern was für eine Art von Festival war das und warum, außer dass ihr so ein atmendes, lebendes System sein wollt, das habe ich verstanden. Warum macht eine Bank sowas? Das ist ein riesiger Aufwand für euch.

Aysel Osmanoğlu: Ja, also wir haben es auch mit unserer Mitgliederversammlung verbunden. Einmal im Jahr machen wir eine Mitgliederversammlung, habe ich ja schon erwähnt. Und das haben wir verbunden. Wir haben es vor zwei Jahren, als wir 50-Jahr-Feier hatten, zu unserem Jubiläum gewagt und haben gesagt, wow, jetzt machen wir das. Waren super alle aufgeregt. Und als es dann so weit zu Ende war, haben wir gesagt, das muss man wiederholen. Es war so richtig, richtig energiegebend und das trägt und es ist ein unglaublicher Mehrwert. Für unsere Kolleginnen und Kollegen zu erleben, wofür machen wir das, für unsere Mitglieder und Kunden einfach zu erleben, was passiert mit dem Geld, was macht diese Bank. Dann auch aber unsere Firmenkundinnen, die ihre Produkte darlegen, vorstellen können und dafür auch Anerkennung bekommen und jeder möchte gesehen werden und sich zeigen mit seinen Produkten und das finde ich total schön. Und das Schönste ist auch in diesem Festival, dass wir sowohl kulturelle Themen anbieten, als auch politisch gesellschaftlich relevante Themen. Wir hatten auch Bands und wir hatten auch Musik und wir haben auch getanzt und wir hatten unglaublich viele Workshops, wo es um... von irgendwie sich gegenseitig in die Augen gucken, ein gutes Morgen zu sagen, ich wünsche dir ein gutes Morgen oder guten Morgen und dann aber auch ganz viele politische Themen zu bewegen und zu sagen, wie wollen wir in einer Gesellschaft sein, was macht das mit unserer Demokratie, wie können wir die Demokratie stärken. Also ganz viele Themen, die unser Leben ausmachen. Das in einem verdichteten Programm zusammenzustellen und diese Vielfalt und diese positive Zukunftsbilder und auch diese Realität, dass es nicht in der Zukunft liegt, sondern heute schon da ist und dass es Mut macht, so ein Zukunftsmut macht. Das ist, glaube ich, wieso wir es wieder in zwei Jahren machen werden.

Thomas Mühlnickel: Das ist eine super Idee, auch zu zeigen, was tut sich mit unserem Geschäft am Ende Gutes für die Welt, was für Projekte entstehen daraus. Das ist eine super gute Idee.

Aysel Osmanoğlu: Das ist so spannend und das ist natürlich so eine Messe und wir erleben hier in der nachhaltigen Branche, gibt es ganz viele Messen von Intersolar, wo die Solarbranche oder die Energiebranche unter sich ist. Oder die BIOFACH zum Beispiel, wo die Ernährungsbranche unter sich ist und das ist einerseits nur die Branche und dann auch nur noch die Unternehmen unter sich. Und jetzt hatten wir bei dem GLS-Festival oder bei dem Gutes-Morgen-Festival die Möglichkeit, dass die Unternehmen unter sich sich vernetzen können und sagen, ach können, guck mal, wir können ja uns gegenseitig beliefern und kannst du das entlang der Wertschöpfungskette anders versorgen. Auf der anderen Seite, dass unsere Privatkundinnen auch da waren, dass sie auch diese, sonst kannst du bei der Messe nicht so viel einkaufen und hier konntest du wirklich alles probieren und einkaufen und dann auch noch diese Branchenübergreifend. Es ist nicht nur eine Branche unter sich, sondern von Bildung und Kultur, Ernährung und so weiter und Wohnen und Energie. Alles irgendwie in einem Fleck und dann hast du ein gutes Musik, gute Musik und dann hast du natürlich auch ein schönes Wetter, wo du tanzen kannst. Das war richtig schön. Da merkst du, ich kann jetzt ewig darüber sprechen.

Thomas Mühlnickel: Es klingt sehr gut. Eine Frage dazu noch. Hattet ihr da Live-Podcast?

Aysel Osmanoğlu: Ja, hatten wir auch einen Live-Podcast.

Thomas Mühlnickel: Gut zu wissen. Podcast ist immer gut in den Off-Source-Behandlungen.

Aysel Osmanoğlu: Ich verstehe schon den Wink. Danke.

Freiheit, Zusammenhalt und Nachhaltigkeit unter Druck

Thomas Mühlnickel: Magst du mir kurz fünf Sätze vervollständigen? In der Öffentlichkeit beeindruckt mich derzeit. Wir haben Zeit.

Aysel Osmanoğlu: Sehr beeindruckend finde ich Katharina Reiche.

Thomas Mühlnickel: Das ist jetzt sehr abgefahren.

Aysel Osmanoğlu: Ich weiß, das ist super abgefahren.

Thomas Mühlnickel: Aber sie steht ja nicht unbedingt für das, wo ihr rein investiert.

Aysel Osmanoğlu: Ich weiß und das ist das, was mich so beeindruckt. Also so, ich weiß nicht, was sie hat und wie sie das macht, aber sie ist noch da. Ist das nicht beeindruckend? Also ich kann es mir noch nicht erklären.

Thomas Mühlnickel: Jetzt verstehe ich auch, was dich beeindruckt.

Aysel Osmanoğlu: Verstehst du das?

Thomas Mühlnickel: Das ist so, dass mich beeindruckt Lord Voldemort.

Aysel Osmanoğlu: Ja, aber verstehst du diese...

Thomas Mühlnickel: Ich verstehe, was du meinst.

Aysel Osmanoğlu: Das ist so unglaublich. Ich weiß nicht, was ist das?

Thomas Mühlnickel: Es gibt politische...

Aysel Osmanoğlu: Was mich gerade sehr beeindruckt ist auch, ich bin im Wirtschaftsbeirat der Grünen, dass die Grünen tatsächlich versuchen aus der Opposition konstruktiv weiter an den politischen Themen zu arbeiten. Das finde ich, in einem System, wo Partei gegen Partei, führende Opposition und so weiter, das finde ich super spannend, dass sie sagen, hey, aus der Opposition heraus, uns ist Deutschland so wichtig und Europa ist uns so wichtig, dass wir konstruktiv uns einbringen. Das finde ich sehr beeindruckend. Sehr beeindruckend finde ich auch den Bundesverband Nachhaltige Wirtschaft in ihrer Tätigkeit und auch die Stiftung KlimaWirtschaft, die in diesen Zeiten von Nachhaltigkeit überhaupt nicht en vogue ist, unermüdlich weiter an diesen Themen arbeiten und sehr in positiven Weise zeigen, hey, da ist etwas, das müsst ihr auch wissen. Und wir wollen auch groß werden, dass wir auch für eine Wirtschaft stehen, die Teil dieser Realität ist und nicht nur die eine fossile Wirtschaft gibt gerade, sondern es gibt es auch das andere. Und das finde ich sehr beeindruckend.

Thomas Mühlnickel: Über Deutschland denke ich.

Aysel Osmanoğlu: Nach wie vor, wie vor 30 Jahren, Freiheit.

Thomas Mühlnickel: Wir sollten mehr Wert legen auf.

Aysel Osmanoğlu: Auf das wohlwollende Miteinander.

Thomas Mühlnickel: Der nachfolgenden Generation rate ich.

Aysel Osmanoğlu: Ah, mit Ratschlägen sind auch Schläge, weißt du, das.

Thomas Mühlnickel: Tue ich wieder. Manchmal tun sie gut.

Aysel Osmanoğlu: Zukunftsmut.

Thomas Mühlnickel: Morgen wird besser als heute, weil?

Aysel Osmanoğlu: Weil ich heute mit dir einen Podcast hatte und es mich total Energie gibt.

Thomas Mühlnickel: Deshalb wird morgen besser.

Aysel Osmanoğlu: Nein, und es beflügelt mich einfach. Das ist immer die Energie vom vorhin, vom Vortag. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber morgen, wenn man aufsteht, ist etwas noch, was vom Vortag noch wirkt. Und wenn man einen Tag davor ein super Gespräch hatte oder was Tolles erlebt hat, das trägt ja noch am nächsten Tag auch und dass man auch, das ist so mit diesem Heute und Zug, was ich heute anlege, das trägt mich morgen auch und daher finde ich, das hat unmittelbar miteinander zu tun.

Thomas Mühlnickel: Mir geht es auch immer so. Ich mache den Podcast ja nur nebenbei. Es ist ja eigentlich, berate ich ja Leute und mache Kommunikation und so weiter den ganzen Tag, aber ich freue mich immer, wenn ich Produktion von diesem Podcast habe, ist ja im Durchschnitt alle zwei Wochen. Weil ich immer so spannende, tolle Leute kennenlerne und einfach eine Stunde alleine mit denen hier in diesem Studio habe und man einfach über Gott und die Welt und gute Dinge reden kann und jedes Mal gehe ich da hochgradig inspiriert raus.

Aysel Osmanoğlu: Ja und das trägt dich so auch am nächsten Tag, finde ich so total.

Thomas Mühlnickel: Wenn es nach zwei Wochen so langsam wieder abebbt, dann kommt zum Glück der nächste Gast. Schön. Du hast gerade zwei schöne Begriffe genannt. Freiheit und Zukunftsmut. Ist das nicht so ein bisschen deprimierend, wie bestimmte Kreise in Deutschland gerade behaupten, wir seien gar nicht mehr frei hier?

Aysel Osmanoğlu: Ja, ich weiß nicht, ob es deprimierend ist. Ich glaube, das ist schon ein bisschen bedrohlich.

Thomas Mühlnickel: Dinge werden ja einfach kommunikativ ins Gegenteil verkehrt, ob sie stimmen oder nicht. Es wird ja einfach mal behauptet und mit komischen Belegen hinterlegt und viel zu viele Leute glauben diese Stories dann ja auch.

Aysel Osmanoğlu: Ich weiß und was ich merke, dass wir nicht gut vorbereitet auf sowas sind. Ich merke, dass wir diese Funktionsweisen, die Ansprache von Gier, Trennung, Angst, Neid, das ist immer unterschwellig in dieser Kommunikation. Also es geht wirklich in die Trennung. Ich trenne dich von dem Anderen, ich trenne dich von der Welt, ich trenne dich. Und das kennen wir aus unserem Habitus, glaube ich, gar nicht oder aus unserem Menschsein gar nicht so richtig, weil es nicht menschenwürdig ähnlich oder sonst was in unserem Wesen ist. Und daher finde ich, wir sind darauf nicht gut vorbereitet.

Thomas Mühlnickel: Menschen, das ist mein Eindruck, tragen ja beides in sich. Die tragen sowas sehr Liebendes, sehr Soziales, sehr Gruppenzugehöriges in sich. Und leider sehen wir viel zu oft, dass Menschen auch etwas sehr Bestialisches in sich tragen. Etwas sehr Trennendes und Egoistisches.

Aysel Osmanoğlu: Definitiv.

Thomas Mühlnickel: Es ist nicht irgendwie spektakulär, dass der Mensch jetzt so viel Zeit schon auf der Welt verbringt und wir es immer noch nicht kapiert haben, wie wir von dem einen mehr machen können und von dem anderen weniger.

Aysel Osmanoğlu: Mhm. Jetzt frage ich mich, wenn du das sagst, das was du von dem weniger machen möchtest, ist ja eigentlich die Prüfung oder der Entwicklungshelfer, um das andere zu erreichen. Muss ich jetzt, als du es erzählt hast, an Goethe denken, Faust, ich bin stets jener Kraft, die das Böse will und das Gute schafft oder so in die Richtung. Wie du es beschrieben hast, kam das sofort, habe ich gedacht, ja, das ist ja eigentlich, da prüft es uns, ja, bist du heute egoistisch? Und dann sagst du, ja, heute schon, aber ich verstehe das. Ich will mich doch jetzt noch ein Stückchen anders entwickeln und danke für die Prüfung. Ich habe mich bestellt. Schauen wir mal morgen. So klang das gerade bei mir.

Thomas Mühlnickel: Ich danke dir. Folge 42 und der erste Gast, der zu mir sagt, wenn du das sagst, denke ich an Goethe. Das macht meinen Tag für heute und für morgen und den Rest der Woche deutlich besser. Aber dieses Wegsprechen von Freiheit, dieses Wegsprechen von Zusammenhalt hat ja auch dazu geführt, mit alles in einem großen Korridor, dass auch das ganze Thema Nachhaltigkeit und soziales Miteinander, auch von ganzen Teilen, nicht in Deutschland nur, sondern in ganz Europa, USA, Brasilien, vielen Kulturen, ist das so verfemt worden und schlecht geredet worden. Und etwas dämlichem, was Eliten toll finden, aber eigentlich der normale Mensch gar nicht mögen mag. Ist das etwas, was euch auch im Geschäft und in eurer Wirkung beeinflusst? Hat sich für euch dadurch etwas verändert, dass es da so eine ganz komische Gegenbewegung die letzten sechs, sieben Jahre gab?

Aysel Osmanoğlu: Einerseits, dass es uns natürlich auch die Zeiten der Fridays for Future und diese Bewusstsein oder in der Gesellschaft diese Präsenz zu haben, hat natürlich uns sehr geholfen, dass wir überhaupt bekannter wurden, dass die Menschen sich die Frage auch gestellt haben, gibt es eine Alternative zu dem, was ich heute mache und was gibt es was anderes. Das hat uns sehr Kraft gegeben und das fehlt, dieser Bewusstsein. Und ich fand einerseits war so die Frage, ja jetzt sind doch alle nachhaltig, die Banken, wurde ich sehr oft gefragt, wieso braucht sie die GLS Bank noch? Und ich vermisse diese Frage. Ich sehne mich nach dieser Zeit, wo alle nachhaltig waren und die Antwort war auch immer so, es gibt genug zu tun, auch für GLS Bank und alle anderen. Im Moment finanzieren wir auch die Wirtschaft und es ist nicht nur, dass es eine Bank gibt, sondern wir sind in der Vielfalt so. Und das Kapital braucht es, wenn wir auch überlegen, dass in Deutschland 60 bis 70 Prozent der Investitionen Fremdkapital finanziert sind. Das heißt, es braucht dieses Kapital und es ist genug da und es ist auch genug Eigenkapital bei den Banken, um die Transformation zu finanzieren. Und das vermisse ich, also dieser Blick, dass es etwas abgesprochen wird, dass wenn man sozial, ökologisch, nachhaltig wirtschaftet, dass es auch ökonomisch trägt. Also wenn unser Bundeskanzler sagt, Wirtschaft first, Klima second. Verstehe ich seine Blickweise schon, aber es ist sehr vergangenheitsorientiert. Wenn man sich in Europa das anguckt und sagt, welche Felder sind Wachstumsfelder und wo sind wir stark, ohne jetzt sofort mit China und USA zu konkurrieren, zu sagen, aus uns heraus, wo sind wir richtig stark. Wir sind stark in der Medizintechnik, wir sind stark in Forschung und Bildung, wir sind stark in der Kreislaufwirtschaft, wir sind stark in der erneuerbaren Energien, in Klammern genommen noch, wir sind stark in der ökologischen Landwirtschaft, wir sind stark in der Sustainable Finance. Also warum habe ich diese Intention, irgendwas einem anderen Land hinterher zu laufen, statt zu sagen, das sind unsere Stärken auf der europäischen Ebene und das ist der Schlüssel. Lass uns gemeinsam in Europa für eine Wirtschaft einstehen und das sind die Wachstumsfelder und das schafft Arbeitsplätze, sinnvolle Arbeitsplätze und es schafft auch das Kapital in Wirkung zu bringen. Das ist für mich sehr einfach. Vielleicht braucht es Mut aus dieser Regierung, um darüber zu sprechen. Und ich kann auch den Druck verstehen durch die demografische Entwicklung jetzt, dass Haushaltskonsolidierung etwas sehr große Priorität hat. Aber ich kann nicht dem abgewinnen, dass es Sparen jetzt jedem Spaß macht und Zukunftsmut macht. Also ich glaube, schön wäre es, wenn man sagt, ja, wir haben ein Thema, wir haben eine alternde Gesellschaft und wir haben unseren Haushalt, wie es konzipiert ist, dass wir die Einnahmen durch Arbeitslohn haben, also da braucht es die Abgaben von der Lohnsteuer und da braucht es auch die Umsatzsteuer durch den Konsum, das ist unser System gerade. Um das zu gewährleisten, dass die Rente auch bezahlbar ist, überlegen wir das und das und das. Aber gleichzeitig möchten wir natürlich die Arbeitsplätze so schaffen, dass es eine Zukunft hat. Und alles, was wir heute tun, ist ja die Entscheidung für morgen. Und einfach hinzustehen und sagen, wir müssen viel mehr arbeiten, aber wenn die Unternehmen nicht investieren, wie sollen sie denn Arbeit schaffen? Also einfach, welche Rahmenbedingungen stelle ich jetzt heute, damit es zukunftsfähig ist? Und ich glaube, das ist das, was ich mir von einer Politik wünschen würde. Und natürlich kognitiv verstehe ich alles, was sie sagen. Und auch diese Kurzfristigkeit verstehe ich, auch die Wahlen, die jetzt anstehen auf Länderebene. Und auch, dass man sagt, ja, ich bin ja für vier Jahre gewählt und so weiter. Aber das ist nicht meine Erwartung von einer Politik, kurzfristig Sachen zu denken, sondern mir Mut zu machen für eine Zukunft, wo ich bereit bin, in Deutschland zu investieren und hier tatsächlich wirksam zu sein.

Thomas Mühlnickel: Wir zeichnen den Podcast schon im Juli auf und die Wahlen sind schon durch. Nicht, dass jemand nachher dir unterstellt oder die Zeitung nicht gelesen hat. Nicht mitbekommen, dass die Wahlen schon längst waren.

Aysel Osmanoğlu: Okay.

Was jede einzelne Person tun kann und ein Blick ins Jahr 2050

Thomas Mühlnickel: Jetzt hören uns viele Leute zu, die immer wieder uns auch fragen, was kann ich denn als einzelne Person für einen Beitrag leisten? Was kann ich machen, damit es funktioniert, damit die Gesellschaft in die richtige Richtung geht, damit es mit der Artenvielfalt nicht kippt, Klima? Wir können jetzt nicht alle Fragen auf einmal beantworten, aber wenn ich dir diese Frage stelle, was kann eine einzelne Person heute noch tun, um einen Beitrag zu leisten, damit es besser wird, was wäre deine Idee?

Aysel Osmanoğlu: Ja, die Frage ist, was finde ich gut, so als einzelne Person und das, was ich gut finde, mich dafür zu entscheiden. Also, finde ich erneuerbare Energien gut, weil die sauber sind, ja, dann würde ich jetzt den Stromwechsel anstreben, es ist mit einem Klick gemacht. Finde ich die GLS Bank gut, weil sie in bestimmten Branchen das Geld investiert und Kredite vergibt und die eine Genossenschaft ist, dass ich Mitspracherecht habe und die Bank mir auch gehört, dann würde ich sagen, mit einem Klick kann ich auch Kunde werden. Finde ich ökologische Landwirtschaft gut, dann würde ich versuchen, dass Anteil meiner Lebensmittel tatsächlich von der ökologischen Landwirtschaft stammen. Also finde ich gut, dass Menschen in bestimmten Arbeitsbedingungen so arbeiten, dass sie gut gesehen und gut davon leben können, dann achte ich auf die Lieferketten, die ich mir für Klamotten kaufe, die vielleicht gut und nachhaltig und mir auch persönlich gut tun, weil sie nicht von irgendwelchen chemischen Fasern und so weiter, sondern natürliche Fasern haben. Also einfach zu entscheiden, was finde ich gut und wenn ich merke, ha, das finde ich gut, aber da gibt es keine Lösung, dann eine Lösung finden und Unternehmen gründen und das voranbringen. Also ich glaube da, natürlich ist es sehr leicht gesagt, aber es ist auch leicht gemacht zum Teil.

Thomas Mühlnickel: Aber das hat ja auch was von so einer, fast wie eine Achtsamkeitsübung, wie du das gerade erklärt hast. Handel nicht gegen das, was du richtig und gut findest.

Aysel Osmanoğlu: Ja, und dann überleg mal, wie, ja, und überleg mal, wie es dir geht, wenn du nicht ständig dein Körper, dein System, menschliches System dagegen kämpfen musst, weil du gerade eine Herausforderung diesem System gestellt hast. Vielleicht, ja.

Thomas Mühlnickel: Ich habe jetzt gleich noch zwei Fragen an dich.

Aysel Osmanoğlu: Wie machst du das eigentlich?

Thomas Mühlnickel: Was genau?

Aysel Osmanoğlu: Ja, das Gute, was du gut findest, das Gute zu tun.

Thomas Mühlnickel: Also gleich vorneweg geschickt, ich erzähle hier alle zwei Wochen, ich will, dass die Guten gewinnen. Und ich bin ein sehr fehlbarer Mensch auf dem Weg selber dahin. Ja, weil wir haben auch immer noch ein Auto. Wir haben gute Freunde, die sagen, Mensch, wir wohnen doch gemeinsam in Hamburg in einer Großstadt. Ist doch gar nicht mehr nötig. Wir haben zwei Kinder, wir haben kein Auto. Und ihr zu zweit habt immer noch einen teuren Einkaufswagen da stehen. Und ja, wir haben den da stehen und diese Bequemlichkeit, die kriegen wir nicht raus. Und ich habe auch oft diesen Gedanken, wenn wir das Ding anschmeißen, die Zündung anmachen, dass das nicht sonderlich klug ist. Und wir haben letztes Jahr eine Langstreckenreise gemacht, immer dieses Jahr eine Langstreckenreise. Kann man kompensieren, aber trotzdem ist es CO2-Verblasen. Also insofern hänge ich auch immer wieder in diesem Punkt von ich tue es nicht so, wie ich es eigentlich selber von mir verlange und wie ich es gerne auch machen möchte. Aber alleine, dass ich es merke, führt dazu, dass es zumindest immer besser wird. Einerseits, dass ich das Streben für mich auch beibehalte, es besser zu machen und auch zu akzeptieren, dass ich es nicht von heute auf morgen zu 100 Prozent schaffe. Und mein großes Spielfeld, in dem ich sehr viel unterwegs bin, auch ehrlicherweise selber privat auch sehr viel mehr als in Fragen von Klima- und Artenvielfalt, die mich auch beschäftigen, wo ich aber nicht hochgradig aktiv bin, ist die Frage von gesellschaftlichem Zusammenhalt, ist die Frage von dem politischen System hier in Deutschland. Ist jetzt auch gerade so ein ganz komischer Moment, weil die Wahlen im Osten sind jetzt rum, wenn dieser Podcast läuft, wir wissen jetzt gerade beides in der Situation gar nicht, wie es ausgeht. In einer bin ich sehr beschäftigend. Das sind Fragen, die mich wirklich extrem umtreiben und wo ich den ganzen Tag unterwegs bin und wo ich auf LinkedIn wie ein Irrer Sachen poste und schreibe, weil ich irgendwie auch meinen Weg finden will, was ist dafür zu tun. Zwei Fragen habe ich jetzt noch. Ich will aber eins vorher noch gesagt haben. Das ist ein extrem gutes, spannendes, schönes Gespräch heute. Ich würde am liebsten jede Woche jetzt mit dir reden.

Aysel Osmanoğlu: Danke dir.

Thomas Mühlnickel: Ich habe hier sehr viele extrem gute Gespräche, aber heute bin ich in diese Stunde mit dir gerade selber sehr verliebt. Jetzt noch zwei Fragen und dann vertagen wir uns auf irgendwann anders wieder. Was macht dir Mut?

Aysel Osmanoğlu: Wo fange ich an, wo höre ich auf, weiß ich jetzt echt nicht. Menschen zu erleben, die ein Anliegen haben und in das Handeln kommen und das zugänglich machen, darüber erzählen, davon sich begeistern lassen und andere begeistern, den anderen Mut machen, das Miteinander, sich gegenseitig tragen. Und das ist einfach diese Fülle, die es auch in der Welt gibt, das zu sehen, das macht mir richtig viel Freude, viel Mut.

Thomas Mühlnickel: Ich habe dich angelogen. Ich hatte dir erzählt, als wir hier reinkamen, wir seien in einem alten kleinen Kino. In Wahrheit ist es eine Zeitkapsel.

Aysel Osmanoğlu: Oh wow, okay.

Thomas Mühlnickel: Stell dir vor, wir landen jetzt im Jahr 2050 am Brandenburger Tor, machen die Tür da vorne wieder auf. Was für ein Land sehen wir?

Aysel Osmanoğlu: Ich sehe die Qualitäten, das Land an sich unbegrenzt im Sinne von wir sind Europa, aber die Qualitäten von dieser Ernsthaftigkeit, also ich habe, es ist nichts auf die leichte Schulter. Es ist, man nimmt das ernst, was da ist, diese Qualität, der sich einbringen, sehe ich da. Es ist eine unglaubliche Expertise und Qualitäten, die auch aus der Vergangenheit kommen, wie muss ich jetzt nachspüren, wie auch so ein bisschen Perfektionismus, das trägt noch. Ja, auch Ja. Ja, ich sehe so viel der Qualität, ich merke, ich sehe viele Qualitäten, die angelegt sind, die in einer besseren, höheren, guten Qualität sichtbar sind. Und auch die Forschung und Entwicklung eine ganz andere Qualität, aber die ist da von der Vergangenheit angelegt und es ist ausgebaut. Ich sehe, diese literarischen, diese unglaublichen Qualitäten noch in einer anderen Qualität noch sehr präsent. Ich sehe Menschen, die sich in einer sehr guten Weise begegnen und miteinander sind. Und ich sehe eine Vielfalt tatsächlich so im Europäischen und darüber hinaus. Und ich sehe, dass ein Angenommen von dem, was da war und da in dem Umwandeln sehr sogar das Wort akribisch mir jetzt reinkommt.

Thomas Mühlnickel: Das hat noch nie jemand so in die Zukunft geblickt und gesagt, was man sieht. Das ist ein toller Moment. Schade, dass es vorbei ist, aber irgendwann ist es immer so. Vielleicht machen wir eines Tages weiter. Ich danke dir vielmals für das Gespräch. Das hat richtig viel Spaß gemacht. Danke.

Aysel Osmanoğlu: Danke dir, Thomas. Hat mir auch viel Spaß gemacht. Danke.

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