Wie bleibt Politik ehrlich, Simon Schütter?

10.10.2025
Folge
19
Zu Gast
Simon Schütter
beschreibung

Wie gewinnt man politische Debatten, wenn Empörung lauter ist als Argumente? Genau darüber sprechen in unserer heutigen Jubiläumsfolge zwei Menschen, die es wissen müssen: Simon Schütter (Co-Host „macht politik") und ASK Geschäftsführer Thomas Mühlnickel, beide sind Politikberater und Kommunikationsstrategen.

Transkript (KI-generiert)

Wer sind die Guten?

Thomas Mühlnickel: Simon, ich freue mich sehr, dass wir heute so ein Mesh-Up machen. Wir sind heute live quasi bei Machtpolitik und wir sind live bei Damit die Guten gewinnen.

Simon Schütter: Ich freue mich auch total, lieber Thomas. Ich muss vor allem sagen, lieben Dank für die Einladung. Wir sitzen ja in deinem Kino heute.

Thomas Mühlnickel: In meinem Kino. Wir haben ja diese elf Plätze hier unten bei uns im Keller und es ist wirklich große Freude, mal zwei Podcasts zusammen zu schmeißen und einfach auf beiden Kanälen zu erscheinen. Man kann uns auf unserem YouTube-Kanal sehen oder bei euch hören.

Simon Schütter: Oder beides.

Thomas Mühlnickel: Beides auch parallel.

Simon Schütter: Beides bitte parallel. Und überall natürlich immer gerne fünf Sterne und ein schönes Gefällt mir dalassen, wie man das so macht.

Thomas Mühlnickel: Wir bringen auch beide Strukturen aus beiden Podcasts irgendwie heute zusammen. Du weißt ja, bei mir gibt es immer eine Frage am Anfang, die stelle ich dir jetzt heute einfach mal. Wer sind denn für dich die Guten?

Simon Schütter: Wer sind für mich die Guten? Ich versuche es mal mit unserem Podcast zu übersetzen. Wenn ich mal überlegen würde, laden wir die Guten ein? Und das sind einfach die, die sagen, ich möchte mich, das ist vielleicht eine sehr allgemeine Antwort, aber das ist unser Anspruch zu sagen, dass wir diesen Leuten mit Wohlwollen begegnen. Einfach Leute, die sich für dieses Gemeinwesen einbringen. Und dabei verstehen, dass vielleicht auch nicht sie immer recht haben, sondern vielleicht auch die andere Person, aber immer ein Ziel vor Augen haben und sagen, ich will dieses Land oder mein Bundesland oder meine Stadt oder diesen Kontinent oder diese Welt, so groß waren unsere Gäste noch nicht.

Thomas Mühlnickel: Das ganze Universum.

Simon Schütter: Genau. Die wollen es einfach ein Stück weit besser machen. Und was dieses besser ist, darüber können wir ja streiten. Wir sind da bestimmt auch nicht irgendwie bei 100 Prozent Übereinstimmung. Das ist ja völlig fein. Aber diesen Anspruch zu haben und das ist echt unser Anspruch auch bei unseren Gästen und das habe ich jetzt von, was hatten wir da, von linken, grünen bis konservativen CDUlern, glaube ich, schon durch die Bank gemerkt. Das wie ist eine andere Frage, aber ich finde alleine schon zu sagen, dass die Leute sich so einbringen, ich finde das beeindruckend. Vor allem, dass ich es nicht machen würde. Das muss ich echt sagen. Ich bin lieber der, der drüber spricht. So wie hier jetzt mit dir.

Thomas Mühlnickel: Ich finde das bei euch auch ein bisschen herausfordernder als bei mir im Podcast, weil ihr ja wirklich sehr viel Parteipolitik da habt. Da haben wir ja bislang relativ wenig da gehabt. Bei uns sind es eher viele Organisationen, die bei uns unterwegs sind.

Parteipolitik im Podcast

Thomas Mühlnickel: Wie geht ihr denn damit um, mit dieser sehr oftmals parteipolitisch sehr unterschiedlichen Sichtweise auch der Leute?

Simon Schütter: Also ehrlicherweise sage ich natürlich, ich lade natürlich Leute ein, von denen ich erwarte, dass sie auch jenseits der Parteilinie mit mir vernünftig sprechen. Das muss ich irgendwie antizipieren. Also wir haben so eine kleine rote Liste, ich nenne jetzt die Namen nicht, der ist auch nicht so sympathisch, Christian Lindner.

Thomas Mühlnickel: Ach, der ist bei dir auch nicht?

Simon Schütter: Nee, was hat Stefan Schmidt, mit dem ich das moderiere, mal gesagt? Lieber keine Podcast-Folge als eine schlechte Podcast-Folge. So, nein, aber im Ernst, natürlich haben wir da Parteipolitikerinnen und Parteipolitiker, die dann auch teilweise in Parlamenten sind und natürlich, kann ich nicht von der Hand weisen, haut da jeder so einen Teil seines Sprechzettels rein. Aufgabe für mich ist es einfach, diesen Sprechzettel klein zu halten. Das klingt uns, glaube ich, meistens auch ganz gut. Und da kommen wir auch, glaube ich, selten in unangenehmes Fahrwasser. Weil im Endeffekt geht es mir bei dem Podcast darum, was treibt dich an? Warum bist du in die Politik gegangen? Warum bist du da, wo du jetzt stehst? So, und wenn jetzt einer von der CDU beispielsweise ein bisschen mehr für Kohle ist als ich, Alkohol, Energie, natürlich. Oder, weiß nicht, ein Sozialdemokrat ein bisschen staatszentrierter denkt als ich. So ist das erstmal kein Problem für mich, weil darum geht es erstmal nicht. Mir geht es nur darum, dass ich mir das halt nicht eine halbe Stunde lang erzähle. Genau.

Thomas Mühlnickel: Funktioniert denn das, die Leute aus ihren Spuren rauszuholen für euch?

Simon Schütter: Meistens würde ich sagen, ja. Wir sprechen nochmal kurz nach der Folge, nach der Aufnahme, sprechen Stefan Schmidt und ich nochmal kurz zusammen. So, erster Eindruck. Und dann nochmal quasi zwei Tage später. Es ist übrigens nicht immer das gleiche Gefühl, das ist auch interessant. Häufig merke ich auch, dass ich, wenn ich die Folge das erste Mal höre, also ich höre sie für den Schnitt, ich höre jetzt nicht immer wieder meine Podcast-Folge, damit ich meine Stimme höre. Dann merke ich, nehme ich das auch nochmal ganz anders wahr, das finde ich auch interessant. Aber ich würde sagen, meistens klappt das. Wir versuchen ja, ich sage ja immer gerne, wir sind ein liberaler Podcast, weil die Leute mitentscheiden können, wie diese Folge abläuft, weil sie immer so eigene Stationen auf ihrem Lebensweg mitbringen. Und dann sind sie einerseits vorbereitet, andererseits wissen sie nicht, also wir wissen nicht, was sie für Stationen mitbringen, aber sie wissen wiederum nicht, was wir daraufhin für Fragen stellen zu ihren Lebensstationen. Und ich glaube, dadurch kannst du dich schon ein bisschen rauslocken. Aber vielleicht waren auch die guten Folgen einfach, weil die Leute so gut waren und die musste man gar nicht rauslocken und es lag gar nicht an mir. Wer weiß das? Aber ich würde, nein, aber im Ernst, ich würde insgesamt schon sagen, das funktioniert schon, wenn die Leute verstehen, ach, ich will die gar nicht irgendwo hinführen, um jetzt eine Suggestivfrage gleichzustellen, ach so, hast du das, ich hab dich. Ich glaube, wenn die das verstehen, dann funktioniert das.

Thomas Mühlnickel: Und wir haben auch nicht nur drei Minuten. Das ist ja oft die Logik, aus der Leute, die Politik machen, herauskommen, dass sie abends in einem Heute-Journal oder in einem Interview einfach ein paar Minuten nur haben und alle Botschaften, die sie haben, rausballern müssen und das dann eben auch in der typischen Art machen. Und so ein Podcast ist eben einfach deutlich mehr Zeit. Und da kann man auch mal links einen Weg gehen, rechts einen Weg gehen, mal einen Schlenker laufen. Und meistens wird es dadurch auch ein besseres, persönlicheres Gespräch, als wenn man nur so ruminterviewt.

Simon Schütter: Genau, und du sitzt nicht bei Markus Lanz, wo schon einer den Finger schon quasi dir unter die Nase hält, weil er schon die nächste Zeit hat.

Thomas Mühlnickel: Was macht das eigentlich mit dir?

Simon Schütter: Was macht das? Das würde mich mal interessieren. Nee, nee, nee, das kann ich jetzt so nicht stehen lassen. Also was macht das mit dir? Die Frage stelle ich vielleicht ohne Finger. Wobei ich auch sagen muss, es wird mir nachgesagt, dass ich mittlerweile den Lanzfinger auch Zeit mache. Ja, ja. Wir haben im ersten Jahr unseres Podcasts, haben wir mal so einen Zusammenstück gemacht. Wie war eigentlich dieses Jahr? Und da haben wir mal von Stefan Schmidt und mir auf die jeweiligen Eigenarten, die wir in manchen Folgen so einbringen, geschaut. Und bei mir war es tatsächlich mehrfach eine Referenz auf Markus Lanz, dass ich Markus Lanz gerne schaue. Was auch so ist, ich bin großer Markus Lanz-Fan. Lieber Markus, gerne mal zu uns in einen Podcast kommen, du bist herzlich eingeladen. Und bei Stefan ist es, der ein bisschen älter ist als ich, häufig auf sein Alter referiert, irgendwie in gewissen Geschichten, weil er nochmal irgendwie was historisch einordnet. Und dann, also wenn der Gast in meinem Alter ist, kennen wir das dann zum Beispiel gar nicht mehr. Wenn man das so zusammenstellt, ist es immer ganz lustig. Und darum, ja, ich habe eine kleine Liebe für Markus Lanz.

Thomas Mühlnickel: Das ist jetzt hiermit veröffentlicht.

Simon Schütter: Das ist hiermit veröffentlicht, geht raus. Die Einladung damit auch, da muss ich ihm nicht mehr schreiben. Das ist auch schon mal gut. Aber sag du doch mal, was hat dich angetrieben, deinen Podcast zu starten?

Motivation und Wirkung

Thomas Mühlnickel: Ich war genervt.

Simon Schütter: Guter, guter Start.

Thomas Mühlnickel: Ja. Ich mache ja viel politische Beratung, unser komplettes Kundenfeld ist eben wirklich Politik und Gesellschaftspolitik und die letzten zwei Jahre war in fast jedem Meeting, in jedem Gespräch immer so eine Nörgel-Attitüde drin. Alles wird immer schlechter, alles wird immer übler, alles. Aber wenn man mit den Leuten spricht, haben wir nur im Umfeld Leute, die gute Ideen haben, die auch gar nicht aufgeben wollen, sondern auch weiterkommen wollen und das Land entwickeln wollen, die Gesellschaft entwickeln wollen, auch eine Idee haben, wie es wieder besser werden kann, aber die reden alle nicht drüber. Und dann gesagt, wir müssen ja irgendwas machen, wir können ja nicht die ganze Zeit immer nur rumlamentieren wie schlimm alles ist, und dann entstand bei uns hier eine Agentur, wir haben ja das Glück mit diesem Kino, entstand die Idee, komm, lass uns doch einfach einen eigenen Podcast machen, wo wir mal die Leute, die gute Ideen haben und die Leute, die nicht aufgeben wollen, sondern einfach was zu erzählen haben, dass wir die einfach einladen und dem Genörgel etwas Positives entgegensetzen. Und dadurch entstand die Idee für diesen Podcast und wir sind heute in Folge 19. Das läuft auch saugut. Weil wir kriegen auch das Feedback von Leuten, die es hören, die sagen, das hat mir was gebracht, weil ich habe mal eine neue Idee mitgebracht. Oder ich habe nur gemerkt, ich bin hier nicht alleine in der Hoffnung, dass es besser werden kann, sondern ich merke, da sind wir die auch starke Player unterwegs, die da auch dran arbeiten.

Simon Schütter: Und vor allen Dingen, du lädst ja so gesehen Multiplikatoren ein, die wieder auf andere wirken, wie zum Beispiel deine Hörerinnen und Hörer. Und dann sind manchmal ein paar hundert oder tausend positive Rückmeldungen oder erstmal Hörerinnen und Hörer viel wertvoller als irgendwie, was weiß ich, 60.000 Lach-Emojis bei Instagram oder sowas. Das ist ja auch nochmal, du hast ja wirklich, ich spreche da gerne von qualitativer Reichweite, wenn du einfach wirklich, du kannst mit einem Podcast ja wirklich Leute berühren, Leute zum Nachdenken bringen, Leuten Impulse geben, was du halt in dieser schnelllebigen Social Media Welt, wo ich ein kurzes Video mal poste von alles ist schlimm oder hey, so schlimm ist es gar nicht, das vergeht, aber das hat halt einen wirklichen Mehrwert.

Thomas Mühlnickel: Absolut. Wir sehen das in beide Richtungen. Leider, leider, leider muss man es immer sagen, die, die positiv dabei sind, kommentieren relativ wenig oder halten sich oft zurück. Und die, die es richtig schlimm finden, was wir tun, die sind halt laut. Also gucken uns alle zwei, drei Wochen mal die Kommentare an, die wir so auf YouTube kriegen. Die wir dann auch alle wirklich knallhart löschen. Die guten würden wir reinlassen und die lassen wir auch rein. Aber da ist auch so viel hartes Zeug drin, wo Leute versuchen, unsere Gäste niederzumachen oder die ganze Idee des Podcasts niederzumachen, weil sie einfach genau nicht wollen, dass wir über die guten Dinge reden und über positive Entwicklung reden, sondern genau mit dieser Destruktivität dagegen angehen und denen geben wir auf unserem Kanal einfach keine Plattform. Wir bauen das hier nicht auf, um Leute in dieser Negativität uns gegen anlaufen zu lassen. Das machen wir nicht. Deshalb nochmal Shoutout. Wir freuen uns sehr über jeden positiven Kommentar und über jedes Like, weil am Ende hilft das natürlich auch, dass sich auch das Gute an der Stelle durchsetzt.

Eindrücklichste Gäste

Simon Schütter: Hast du eine Folge, die dir bisher am eindrücklichsten im Kopf geblieben ist?

Thomas Mühlnickel: Ja, ganz eindeutig zwei. Natascha Strobl war neulich hier, Politikwissenschaftlerin aus Wien, und wir haben uns über Rechtsextremismus und radikalisierten Konservatismus unterhalten und auch, was mich ja immer sehr mit betrifft, die Probleme auch der konservativ gewordenen Sozialdemokratie. Und das war wirklich ein super spannender Einblick, weil Natascha einfach super tief im Thema steckt und uns auch sehr gut erklären kann, was da gerade auf der ganzen Welt politisch läuft und funktioniert. Und wir müssen es dringend fortsetzen. Wir hatten eine gute Stunde Zeit und eigentlich müssten wir nochmal drei bis vier Stunden hinten ranhängen, weil das zieht einfach her.

Simon Schütter: Kannst du eigentlich eine Allesgesagt-Folge eigentlich machen mit Erna?

Thomas Mühlnickel: Absolut. Mit einem ganz, ganz schwierigen Schlusswort, damit die Folge einfach möglichst gar nicht endet. Und das Zweite war jetzt gerade relativ neu. Julia Duchrow von Amnesty International war hier zu Gast. Und wenn diese Geschichten persönlich werden, wie Menschenrechte verletzt werden und sie auch erzählt, wie viel Zeit und Arbeit Amnesty da reinsteckt und Dinge, die auch einfach öffentlich oft gar nicht gesehen werden, wo es Menschen einfach richtig schlecht geht. Und ich saß hier wirklich so kurz vor Ende des Podcasts mit einem Kloß im Hals und merkte einfach, was relativ selten bei mir ist, das macht gerade wirklich was mit mir. Und Julia hat mich da wirklich in der Story auch bekommen.

Simon Schütter: Was super interessant ist, du hast ja am Anfang gesagt, du wolltest nicht diesen Mecker-Podcast haben, alles ist schlimm, sondern du wolltest Leute mit guten Ideen haben. Du bringst jetzt gerade zwei Beispiele von zwei Leuten, die sich mit Themen beschäftigen, wo echt ganz viel Scheiße ist. Und das ist total interessant, aber es sind ja trotzdem zwei Leute, die irgendwie auch dagegen kämpfen, ne?

Thomas Mühlnickel: Genau.

Simon Schütter: Und das ist halt das Interessante dabei.

Thomas Mühlnickel: Die auch den Ausblick mitbringen, die nicht nur die Analyse bringen von, das ist alles schlecht, sondern auch den Ausblick mitbringen von, und das können wir jetzt machen. Bei Amnesty sind es die Kampagnen oder es sind eben auch die politischen Eingaben oder auch die Lobbyarbeit, die Amnesty auch macht. Und bei Natascha ist es eben auch die Idee von, guck mal, hier ist meine Analyse, das habe ich festgestellt, das habe ich wissenschaftlich ermittelt, wie es funktioniert. Und das sind die Wege dagegen. Weil da bleibt es ja auch in der Politik in Deutschland zur Zeit oft stehen, dass alle sagen, ah, das mit der AfD ist ganz übel und ganz schlimm. Aber wir wissen auch nicht, wie es besser geht. Und ich kann es, das kann ich wirklich nicht mehr hören, wenn in Deutschland, egal von welcher Couleur die Leute kommen, immer nur gesagt wird, wir müssen die AfD politisch stellen. Ja. Dann sag doch bitte wie. Da kommt halt oft dann nicht viel.

Simon Schütter: Nee, da kommt nicht viel. Und es ist, also für mich ist es, es ist so banal in Teilen. Also ich warte nur darauf, dass irgendwann jemand sagt, ich esse kein Butterbrot mehr, weil die AfD, die Leute, die essen auch Butterbrot. Ist jetzt überspitzt gesagt, vielleicht auch ein bisschen platt, weil es irgendwie darum geht, sich so sehr mit denen zu beschäftigen und was die denken und was die sagen. Das ist ja übrigens das Gegenteil von politisch stellen, sondern den politisch hinterher zu laufen, um ihn nicht hinterher zu laufen. Was für eine absolute Absurdität ist.

Thomas Mühlnickel: Absolut. Hattest du einen Gast, der dich voll beeindruckt hat?

Simon Schütter: Ja. Felix Banaszak hatte ich da. Das war in unterschiedlichster Sichtweise wirklich für mich etwas Besonderes. Also ich habe zu dem Zeitpunkt noch in Düsseldorf gewohnt. Er hat sein Wahlkreisbüro in Duisburg. Ich bin quasi einmal zum Nachbarn rübergefahren. Wir saßen bei ihm. Es war ganz, ganz gemütlich. Ich glaube, Freitagnachmittag war ihm auf dem Sofa im Wahlkreisbüro in so einem halben Wintergarten. Er ist danach noch zu einer Demo zu Thyssenkrupp gegangen. Natürlich ganz stimmig. Und da hatte ich total das Gefühl, als wir aufgenommen haben, wir waren so für eine Stunde unter uns. So, da gab es jetzt irgendwie nur uns und der hat auch sehr offen erzählt. Und das fand ich beeindruckend. Ich musste da wirklich mal aufpassen. Da habe ich gemerkt, da musst du aufpassen, dass du quasi Moderator und Interviewer bleibst, weil ich mich so viel in dem Wiedergefunden habe. Also nach dem Motto, vor kurzem gesagt, Arbeiterkind, einer der ersten in der Familie, die studiert haben, dann irgendwie den Weg in die Politik findest du und bist trotzdem irgendwie immer so ein Außenstehender, der dann diese ganzen Codes auch versteht, aber trotzdem irgendwie immer von draußen drauf blickt. Da muss man echt immer aufpassen, sodass man sich nicht zu sehr mit seinem Gast identifiziert. Und das hat er einfach, finde ich, ganz hervorragend beschrieben von dem Thema, er hat ein Kind bekommen. Du nimmst als Politiker keine Elternzeit, weil es das formell nicht gibt. Also er hat sich dann was genommen, aber das funktioniert eigentlich an sich nicht. Dann hat er als erste Station auf seinem Lebensweg beschrieben, die erste seiner ersten vier Lebensjahre, die er bei seinen Großeltern verbracht hat. Und das auch einfach dann ganz klar gesagt. Mutter krank und sowas wie alleinerziehende Väter in den 90ern, das war kein Thema. Also hat er bei seinen Großeltern gelebt. Und beschreibt das dann auch, wie er dann im Bundestag sitzt, die zu dem Zeitpunkt schon verstorben. Wer denkt so, das wäre so toll, wenn die mich da jetzt noch sehen könnten. Und das ist wirklich komplett lebensnah gewesen. Und das fand ich wirklich eindrücklich. Und dann hat er ganz am Ende, nochmal habe ich ihn gefragt, die Frage werde ich dir nachher auch nochmal stellen, wann er das erste Mal quasi öffentlich für eine Sache ein- oder aufgetreten ist. Und da hat er ganz bewusst gesagt, jetzt geht es ja nicht um auf eine Demo zu gehen, auf einen Parteitag zu sprechen, wortwörtlich hat er gesagt, das ist alles easy. Das kriegst du immer hin. Finde ich einen total interessanten Punkt. Da hat er gesagt, aber wirklich, wo habe ich das erste Mal das Leben von einer anderen Person beeinflusst? Und da hat er es wirklich beschrieben, wie eine Schülerin aus seiner ehemaligen Schule abgeschoben werden sollte. Ich habe das Land jetzt gerade nicht mehr im Kopf. Es ist Nepal oder Vietnam gewesen, aber auf jeden Fall hat er wirklich dafür gekämpft, war sogar drüben bei den Behörden und hat dafür gekämpft, dass sie zurückkommt und hat es geschafft. Und das bestreicht, ich glaube, es ist so eine Art politisches Erweckungserlebnis, weil er da gemerkt hat, krass, wenn du dich einsetzt, kannst du wirklich was verändern. Hat auch beschrieben, wie er dann irgendwie am Abend vorher wollten sie die alle am Düsseldorfer Flughafen abholen, der sitzt echt am Balkon in Düsseldorf. Er sagt es auch in der Folge, darum kann ich es ja auch sagen, und sagt, da ist alles abgefahren und er hat einfach den halben Abend geheult. Weil er gemerkt hat, krass, wir haben es irgendwie geschafft. Und es ist immer absurd, weil das war so, am Ende stelle ich diese schnellen Fragen mit schnellen Antworten. Das ist so echt am Ende der Folge. Und alleine darüber hättest du so noch anderthalb Stunden sprechen können. Das fand ich wirklich beeindruckend. Also jemand, der wirklich auch irgendwie von außen auf die Politik guckt, obwohl er voll mittendrin ist. Und ich hoffe für Felix Banaszak, weil er war damals noch nicht Bundesvorsitzender, vier Wochen später ist es, glaube ich, geworden. Also super Timing für uns gewesen. Und ich hoffe, er behält es sich bei. Das wünsche ich ihm.

Thomas Mühlnickel: Das wollte ich gerade fragen. Glaubst du, er würde das Interview jetzt anders mit dir führen, anders geben, jetzt wo er Vorsitzender ist?

Simon Schütter: Ich glaube jetzt noch nicht, also noch nicht, in Anführungsstrichen. Vielleicht ist es in zwei Jahren anders. Kann ich schwierig beurteilen. Ich habe letztens noch, war noch eine Zeitreportage über ihn, wo ich auch Teile aus unserem Interview wiedergefunden habe. Ich glaube aber, dass das ein Thema ist, was ihn jetzt aktuell wahrscheinlich in seiner Öffentlichkeitsarbeit auch beschäftigen wird. Wie viel Persönliches kann ich preisgeben als Spitzenfunktionär? Das ist, glaube ich, ja die zentrale Frage für die alle in Anführungsstrichen da oben. Also wenn ich ganz oben im Berliner Kosmos angekommen bin, ich mache mich ja auch verletzlich. Das ist eine gute Frage. Vielleicht, ich glaube, du motivierst mich gerade, ihn einfach nochmal anzuladen.

Thomas Mühlnickel: Ja, unbedingt, weil man sieht ja immer diese Entwicklung von Leuten. Es wurde ja gerade viel über Kevin Kühnert auch gesprochen, wie er noch als Juso-Bundesvorsitzender war, wie dann die Zeit als General für ihn war, wie es jetzt war, als er im Sommer bei Till Reiners dann nach dem Wandern saß und plötzlich wieder eine ganz andere Ausstrahlung auch hatte. Von Ricarda Lang gibt es das ja auch, die ich ehrlicherweise immer, wenn ich ihr begegnet bin, unfassbar nett fand, auch als Vorsitzende. Wo man aber auch merkt, da hat diese Mühle auch schon was mit ihr gemacht in der Zeit. Und die ist jetzt auch wieder cooler und fröhlicher und lustiger.

Simon Schütter: Und da ist die Frage, was machen wir dagegen? Weil jetzt haben wir drei die Beispiele genannt. Felix Banaszak ist jetzt quasi am Anfang seiner Spitzenfunktion. Aber wir verheizen ja junge Leute. Es kann ja nicht durchgehend sein, dass wir auf allen Spitzenfunktionen, eigentlich können nur Männer Ü55 sein, weil die sind eh abgehärtet und halten sich für den geilen Hecht. Also können nur die solche Positionen einem nehmen, weil die reden halt, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Muss man Friedrich Merz ja lassen. Denen lässt das alles kalt. Und wollen wir das? Das ist echt für mich eine große Frage.

Thomas Mühlnickel: Eigentlich können wir es nicht wollen.

Simon Schütter: Nein, können wir nicht.

Thomas Mühlnickel: Aber mit allem, wie der Politikbetrieb selber läuft, wie Medien funktionieren, wie Social Media funktioniert, treiben wir es ja genau dahin, dass Leute so eine Art Trennung ihrer eigenen Persönlichkeit aufbauen. Von privat bin ich so, wie ich bin und öffentliche Figur bin ich anders. Also mir wurde das oft von Olaf Scholz erzählt, dass der privat sehr viel witziger sei und offener sei, als wenn man ihn dann so öffentlich sieht. Und dann habe ich den auch lange bevor Bundeskanzler war ein paar Mal getroffen und ich kenne den immer nur so vor sich hin giggelnd. Der erzählt dann irgendwie, wie witzig, auch nur er versteht. Ich habe die nie verstanden. Teilweise, weil es einfach zu laut im Hintergrund war, teilweise, weil ich sie einfach wirklich nicht kapiert habe. Oder der giggelt da vor sich hin und findet es total lustig. War es bestimmt auch. Aber so erlebt man den öffentlicher kaum. Also im Bundestagswahlkampf hat er hier und da immer so Anleihen gehabt, gerade bei Onlineformat, ein bisschen was Unterhaltsames sogar gemacht. Aber das würde mir sonst in normalen Interviews niemals einfallen, da Witzchen zu machen und so weiter. Was er dann, wenn keine Kameras dabei sind, durchaus austut. Und so erlebe ich auch viele Politiker, die ich in den letzten Jahren näher kennengelernt habe, dass es da schon eine echte Disparität gibt im Auftreten.

Simon Schütter: Und wenn ich echt auch nochmal unsere Gäste durchgehe, mir fallen direkt drei Beispiele ein. Marie-Agnes Strack-Zimmermann redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, ist es aber nie nach ganz oben gekommen in der FDP. Maja Wallstein, Bundestagsabgeordnete, echt ein klasse Gespräch, die hat ihre Bollerwagen-Tour, tourt dadurch ihren Wahlkreis, den sie jetzt leider nicht gewonnen hat und ist auch, würde ich sagen, maximal ehrlich und offen. Ist aber durch ihre Art und Weise ist sie eine super Bundestagsabgeordnete für einen Wahlkreis, aber die wird auch niemals irgendwie Fraktionsvorsitzender Ministerin sein. Dann fällt mir Robin Mesarosch ein, war jetzt auch vier Jahre im Bundestag, eine immens starke politische Kommunikation. Da springen dann glaube ich auch viele Spitzenpolitiker mal auf, aber wahrscheinlich auch niemand, der dann Minister oder ähnliches wird. Es sei denn, irgendwie der öffentliche Diskurs dreht sich dahin, wie bei Karl Lauterbach jetzt einmal. Aber das ist, glaube ich, der Punkt. Ich glaube, bis zu einer gewissen Grenze kannst du das machen, ist die Wahrnehmung und dann springe ich drüber. Aber dann, und das ist ja das Schlimme eigentlich, dann wäre der Fall ja umso tiefer, weil dann ja die Enttäuschung ist, ach, die Person hat sich so gewandelt. Und das ist schade.

Politische Biografie

Thomas Mühlnickel: Ich habe mir selber vor langer Zeit, bin ich lange her, selber die Frage gestellt, bin ich eigentlich in so einer Rolle, die ich jetzt habe, richtig? Oder wäre es nicht auch etwas, selber Politik zu machen? Und ich habe für mich die Frage genau an so einer Stelle dafür beantwortet, es nicht zu tun, weil ich glaube, ich könnte das nicht. Also ich glaube, ich würde es nicht aushalten, mich selber so unterschiedlich zu zeigen und auch diese Anwürfe, die es da von außen gibt und diese Aggressivität und so weiter, in der Form, wie das oben in der Spitze läuft, glaube ich, das wäre nicht meins. Das hat, bin ich jetzt der den Leuten sagt, was sie tun sollen, aber selber keine Konsequenzen zu fürchten hatte. Super Job.

Simon Schütter: Ja, ich bin da auch. Ich sehe das für mich zu 100 Prozent genauso. Ich muss sagen, ich fand das ganz lustig, das kann ich hier mal erzählen. Ich habe jetzt zehn Jahre in Düsseldorf gewohnt, war bei den Grünen auch aktiv, war jetzt vier Jahre im Kreisvorstand, habe zwischendurch auch im Landtag für den Abgeordneten gearbeitet, bin dann so jemand gewesen, der quasi innerhalb von wenigen Jahren quasi auf einmal sehr viel gemacht hat in der Partei, habe aber für mich immer gesagt, das macht mir Bock. Ich bin, glaube ich, echt ein guter Politikmanager, aber kein guter Politiker. Der Stefan Schmidt, der mit mir einen Podcast macht, ist immer recht böse. Er sagt mir immer, ich wäre ein super Generalsekretär, aber er könnte sich mir nie als Abgeordneten vorstellen. Dafür bin ich zu strategisch und rational. Er will mehr Idealisten haben. Danke, Stefan, dafür. Nee, aber genau. Ich habe auch immer gesagt, niemals Abgeordneter sein. Aber interessant, in der Partei hat es, nicht rumort, aber in Düsseldorf haben immer ganz viele gedacht, ach, der steigt jetzt in die Karriere ein. Der ist jetzt im Kreisvorstand, der hat jetzt im Landtag gearbeitet, der hauptamtlich, der will irgendwann selber Abgeordneter sein. Finde ich auch immer interessant, wie innerparteilich so diese Mühlen und dieses Denken ist. Nee.

Thomas Mühlnickel: Wird mir auch immer wieder unterstellt, spätestens als ich anfing auf LinkedIn sehr viel meinungsstärker zu werden.

Simon Schütter: Positioniert sich jetzt.

Thomas Mühlnickel: Ja, ja, genau. Du bereitest dir etwas vor und da sagte ich, ja, was denn? Also in meiner Welt bereite ich immer nur ein Neugeschäft vor. Wo ich tatsächlich von mehreren Leuten angesprochen habe, wo willst du denn jetzt kandidieren? Das hat sich daraus tatsächlich ergeben, so im Sinne von, jetzt macht der diesen ganzen Beratungskram, der ist so tief drin, der kennt so viele Leute, ein mega Netzwerk und das wird er jetzt demnächst nutzen, demnächst sucht er den Sprung und dann geht's los. Und in Wahrheit poste ich dann nur meine Meinung und bereite gar nichts vor, außer, dass das für ASK hier gut läuft und für uns als Firma gut läuft.

Simon Schütter: Ist doch witzig, diese Idee, er bereitet seinen Sprung vor. Also, ich kann jetzt nicht eins zu eins in euer Geschäft reinblicken, aber du hast ja einen geilen Job. Du bist super nah dran an Politik und diese Logik zu sagen, er geht den nächsten Schritt, um jetzt Landtagsabgeordneter oder Bundestagsabgeordneter zu sein, finde ich interessant. Also, ist es überhaupt der nächste Schritt? Also mit nächster Schritt meine ich, ist es überhaupt der Schritt nach oben, weil du hast ja vielleicht was sehr Erfüllendes im politischen Bereich.

Thomas Mühlnickel: Und das, was immer unterschätzt wird, ich habe BWL und Wirtschaftswissenschaften studiert. Ich bin jetzt nicht der typische Politikwissenschaftsstudent, der sowieso immer diesen Plan hatte oder bei den Jusos hochaktiv war. Das war ich ja auch gar nicht. Ich bin ein sehr passives Mitglied immer gewesen. Und mir gefällt es auch sehr, Geschäftsführer einer Agentur zu sein. Also das macht auch total Spaß, diese Agentur weiterzuentwickeln und da ist sehr viel klassische BWL logischerweise drin. Und deshalb ist es immer diese Dualität des Geschäftsführerjobs und des Top-Level-Beraters, was für mich diesen Job hier bei ASK so super spannend macht und natürlich Podcaster zu sein. Diese Breite macht es nachher aus und ich glaube, ich will dem jetzt gar nicht so nahe treten, weil ich weiß, das sind sehr ehrenvolle und super Jobs, aber ich glaube, wäre ich jetzt Landtagsabgeordneter, würde mir echt viel abgehen und viel fehlen.

Simon Schütter: So, das ist ja auch in Ordnung. Ja, genau. Ich frage unsere Gäste ja häufig nach drei Stationen. Ich würde bei dir nicht drei Stationen wegnehmen, da nehme ich glaube ich zu viel Zeit von unserer Folge ab, aber dann frage ich mal ganz offensiv, weil du schon ein bisschen was von dir preisgegeben hast, quasi von deiner parteipolitischen Entwicklung. Was ist denn aus deiner Sicht die zentrale Station deiner Art politisches Erweckungserlebnis? Wo du sagst, das ist so zentral für das, wo ich jetzt stehe.

Thomas Mühlnickel: Vielleicht müssen wir da tatsächlich mehrere Stationen am Ende draus machen.

Simon Schütter: Okay, alles gut.

Thomas Mühlnickel: Das Erweckungserlebnis, wo ich das allererste Mal Politik wahrgenommen habe. Beim Fall der Mauer war ich sieben oder acht, da habe ich die Politik nicht als Politik wahrgenommen. Das war ein Ereignis und ich habe gemerkt, okay, alle finden das mega, aber das habe ich nicht politisch verstanden. Das erste Mal war, als wir im Deutschunterricht, glaube ich, war es in der neunten oder zehnten Klasse. Unser Lehrer war sehr politisch und hat plötzlich uns alle aufgeteilt. Jeder macht jetzt hier Referate über Politik und ich habe Helmut Schmidt abbekommen. Ich weiß nicht, was aus mir geworden wäre, wenn ich Konrad Adenauer abbekommen hätte. Ich habe Helmut Schmidt abbekommen, das hat mich sehr gefreut und ich habe das wirklich, dieses Helmut Schmidt Referat habe ich fünfmal gehalten in verschiedensten Fächern über sechs Jahre und es gab so ein paar Leute, die es wirklich sechsmal gehört haben, die konnten es am Ende nicht mehr hören, aber ich habe immer eine sehr gute Note dafür bekommen, das habe ich immer wieder das gleiche Referat gehalten. Dann hat dieser Lehrer auch, Herr Malerius, uns damals auch aufgeteilt zur Bundestagswahl 98. Einer hält eine SPD-Rede als Opposition, die Schröder-Rede quasi. Und einer hält die Kohl-Rede als Regierung. Ich habe mir sofort die Schröder-Rede gegriffen. Ich habe eine katastrophal schlechte Rede gehalten von heute betrachtet. Also solche Reden würde ich nie wieder schreiben, wie ich sie damals gehalten habe. Aber es hat mir total Spaß gemacht.

Simon Schütter: Hast du sie noch irgendwo?

Thomas Mühlnickel: Nee, es war auch so ganz schlecht zusammengeklaubt aus dem Internet. Einfach nur so Satzfragmente zusammengeschrieben. Ich hatte auch gar keine Idee, wie das am Ende dann eine gute Geschichte wird, sondern es war einfach so unbeholfen zusammengeklaubter Blödsinn. Ich glaube auch der CDU hat eine bessere Rede in Wahl gehalten, aber weiß keiner mehr heute. Das waren so Punkte, die mich sehr politisiert haben und ich bin, ich kann es sogar genau sagen, ich bin am Abend des TV-Duells zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel 2005 in die SPD eingetreten, weil ich fand Schröder damals gut, heute ist es ein bisschen anders. Ich fand Schröder damals echt cool und ich habe es nicht verstanden, dass es hieß, Schröder war schlechter als Merkel. Ich habe das selber, vielleicht hatte ich schon die totale Brille in Wahrheit auf, ich habe es ganz anders gesehen. Ich war so entsetzt darüber, dass ich mit vollem Werf und einer sehr feurigen E-Mail dann in die SPD eingetreten bin, weil ich total sauer war, dass jetzt alle sagen, Merkel war besser, aber ich fand Schröder viel besser und deshalb bin ich eingetreten. Und dann war es natürlich, dass ich meinen zuerst 2009 Job bei der SPD bekommen habe, ohne jemanden in der SPD zu kennen. Auf einer Stelle in der FAZ habe ich mich beworben als 26-Jähriger und kam dann plötzlich in diese Welt rein und das war schon...

Simon Schütter: Und du bist dafür nach Berlin gezogen, ne?

Thomas Mühlnickel: Dafür aus Heidelberg nach Berlin gezogen. Das war eigentlich vorher dieses ganzen prominenten Menschen, das habe ich alles vorher nie gesehen. Und dann sitzt er da auf dem Vorstandsflur und dann läuft irgendwie Franz Müntefering vorbei, damals Vorsitzender und wo ist die Schatzmeisterin?

Simon Schütter: Der ist übrigens überraschend klein.

Thomas Mühlnickel: Sehr klein, ja. Die meisten sind sehr groß oder sehr klein. In der Mitte gibt es wenig. Und das war eine sehr prägende Zeit, vier Jahre lang und als ich dann vor acht Jahren das Angebot bekam, hier bei ASK Geschäftsführer zu werden, was ja auch sehr SPD-nah alles hier ist. Das war der finale Dreh, auch in diese Richtung, dass ich mal in die Beratung gehen würde und Kampagnen machen. Das habe ich mir vor 10, vor 20 Jahren alles nicht ausdenken können und ich liebe das total. Das macht total Spaß.

Simon Schütter: Jetzt haben wir, glaube ich, doch drei Stationen zusammen.

Thomas Mühlnickel: Ja, ja, ja. Das ist halt ein langer Weg, bis man da ist. Das passiert doch nicht von heute auf morgen.

Simon Schütter: Nee, aber ich finde die Unterscheidung interessant. Also man setzt sich ja irgendwie mit dem Alltag auseinander, weil irgendwie ist der Alltag immer politisch. Aber wann nimmst du es als politisch wahr? Wann nimmst du es als parteipolitisch wahr? Also wie nimmst du eigentlich die Welt wahr? Das finde ich auch total interessant. Ich kann übrigens über mich sagen, wäre alles ein bisschen anders gelaufen, wäre ich jetzt, glaube ich, vielleicht wäre ich jetzt nicht mehr Mitglied, aber wäre ich Mitglied bei der CDU geworden, weil ich komme einfach aus dieses klassische, ich komme aus einer Kleinstadt, Mittelstadt im Ruhrgebiet. Dorsten, Kreis Recklinghausen. Ah ja, so. Und dann...

Thomas Mühlnickel: Hat da nicht Frank Rosin sein Restaurant?

Simon Schütter: Frank Rosin, Björn Freitag. Ja, der DJ Mark O. kommt, glaube ich, auch von uns. Also gut. DJ Mokwai produziert gerade in Dorsten, aber das, darum soll es nicht gehen. Ich komme daher, also Nabel der Welt. So, nee, aber dann kommt der, Simon ist in der zehnten Klasse, hat eigentlich von nix eine Ahnung. Hat aber irgendwie Bock auf Politik. So, keine Politik in deinem Umfeld. Was machst du denn hier? Und dann habe ich echt immer lange überlegt, habe mich mit Politik beschäftigt, habe irgendwie gedacht, bei uns in der Kleinstadt der CDU-Bürgermeister ist auch immer gut. So, und dann hat man dann auch diese Jugendorganisationen angeguckt, Junge Grüne gab es nicht, Junge Liberale auch nicht. Die Jusos fand ich irgendwie komisch. Ich kann es dir rückblickend nicht sagen, also es lag halt wirklich völlig unpolitisch, sondern eher so die Typen, die da waren. Ganz, ganz platt. Okay, es ist mal zur Jungen Union. Und ich habe es am Ende nicht gemacht. Mich würde manchmal interessieren, was wäre dann gewesen? Weil ich bis heute glaube, dass, glaube ich, so dieses erste politische, parteipolitische Erweckungserlebnis, wenn du irgendwo drin bist in einer Organisation, bist du auch in der Organisation, wenn du eigentlich vielleicht, da programmatisch gar nicht mehr so drin ist. Weil das ist eine soziale Dynamik. Du kommst irgendwie einen Schritt weiter, du entwickelst Freundschaften. Das kann natürlich auch bei der Karriere helfen. Und ich bin rückblickend sehr dankbar, dass ich es nicht gemacht habe.

Thomas Mühlnickel: Es können ja auch Zufälle sein, die da wirklich ein Leben am Ende prägen. Weil ich glaube, auch wenn der Freundeskreis in die Jungen Union ist, dann ist das nicht unwahrscheinlich, dass man mal mitgeht und vielleicht auch dann verhaftet wird und dabei bleibt. Und ich merke das bei unseren Gästen ganz oft, dass die mir oft erzählen, dass sie als Kinder oder Jugendliche eher meistens so ein Erweckungserlebnis hatten. Von da habe ich protestiert. Also Christoph Bautz, der kennt mich die Gründe da. Der hat irgendwie mit zwölf schon mal angefangen zu demonstrieren und fand das geil. Und seitdem demonstriert er sein ganzes Leben durch. Oder auch der NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger, der mir sowas auch erzählt, dass er schon sich ganz früh für Umweltdinge eingesetzt hat, weil es ihn interessiert hat und dann bleibt er sein Leben lang dabei. So muss man sich ehrlicherweise auch mal so funktioniert. Oftmals politisches Engagement auch. Wenn es vielleicht bei uns anders gelaufen wären, wären wir vielleicht beide CDU-Karriereisten geworden, keine Ahnung.

Simon Schütter: Vielleicht ist das so. Genau, stattdessen bin ich dann auch gut in die Umwelt-AG gegangen. Hab dann wirklich ganz klassisch, wir haben echt Wälder entmüllt. So, aber auch da wieder, und jetzt kommt wieder das Vorurteil des kleinen Ruhrgebietlers, die Grünen waren für mich nie ein Ding, weil das waren für die, wie hat meine Mutter das auch immer gesagt, das sind die mit Birkenstocks und selbst gestrickten Pullis.

Thomas Mühlnickel: Die Müsli-Fresser, genau sowas. Ja, ja.

Simon Schütter: Den Begriff hat sie nicht, aber das ist so, das ist so. Und ein, zwei von den Grünen, die ich dann da gesehen habe, hat dann irgendwie auch gut gepasst. Warum war das für mich lange kein Thema mehr? Und dann, das passt jetzt persönlich vielleicht auch gerade aktuell in diese Zeit. Und dann habe ich, es war 2016, Phönix geguckt. Als Student noch.

Thomas Mühlnickel: Ich strebe.

Simon Schütter: Ich strebe. Und dann war da ein grüner Landesminister, der hatte so eine Phönix-Debattierrunde, ich weiß gar nicht, mit einem CSUler, der damals Staatssekretär in irgendeinem Bundesministerium war, haben die diskutiert. Und dann habe ich das, ich kannte diesen Landesminister gar nicht. Und dann stand da bei diesem Landesminister Robert Habeck und er möchte Spitzenkandidat der Grünen bei der Bundestagswahl 2017 werden. Und wirklich, das muss ich mir mal vorstellen, ich habe jahrelang gesagt, ich gehe nicht zu den Grünen, das ist ein komischer Haufen. Und dann gucke ich mir eine halbe Stunde Robert Habeck an und meine Augen sind so groß, vielleicht das, was du damals noch Gerhard Schröder hattest. Und da dachte ich, wow, das ist Politik, wie ich es verstehe. Und ich glaube, eine Woche später bin ich dann Mitglied bei den Grünen damals geworden.

Thomas Mühlnickel: Habeck hat dich zu den Grünen gebracht.

Simon Schütter: Habeck hat mich zu den Grünen gebracht.

Thomas Mühlnickel: Ich meine, er ist ja auch ein charismatischer, kluger Mensch, der auch einfach mal anders war. Der war auch nicht so wie Fischer vorher oder Trittin oder wer da noch alles zwischendurch rumlief, sondern der hatte einfach eine andere Wirkung. Ich finde, als Typ, über Politik kann man immer trefflich streiten, aber als Typ fand ich den für die Politik, für die Bundespolitik super spannend.

Simon Schütter: So, genau. Ich fand die Art und Weise spannend und aber auch in dem Sinne inhaltlich zu sagen, ich will diese, was ist eine linksliberale Bewegung, die sehr stark in die Mitte wirkt, entwickeln. Das ist das, was mich kickt und wo ich mich auch politisch immer gesehen habe. Immer nicht, aber wo ich mich in den letzten Jahren politisch gesehen habe. Auch ich war mal ein sehr linker Student. Darum war ich auch so ein Ampelfreund, weil ich mich da irgendwie in allen wiedergefunden habe. Weil ich mir denke, irgendwie bin ich ein Ökosozialliberaler. Und das habe ich einfach an Robert Habeck da auch gesehen, da einfach vieles zusammenzuführen. Darum habe ich viel Hoffnung in die Ampel gesetzt. Sie lange verteidigt. Ja, jetzt nicht mehr.

Thomas Mühlnickel: Lustig. Ich fand die Ampel-Idee auch saugut. Und wir hatten eben schon ganz kurz Christian Lindner gestriffen. Ich habe den zwei, drei Jahre vorher mal auf einer Veranstaltung total zufällig getroffen. Wir standen an einem Tisch und haben gesprochen. Ich bin von dieser Veranstaltung gegangen und dachte, verdammte Axt, mein Lebensbild ist kaputt. Ich habe Christian Lindner vorher halt einfach für ein liberales Arschloch gehalten. Und der war unfassbar nett. Unfassbar nett. Und ich dachte, ich muss mein Bild von Christian Lindner revidieren. Und als dann die Ampel kam, dachte ich, okay, das wird alles funktionieren. Habeck und Baerbock sind cool, Lindner ist cool, Scholz ist Scholz, aber irgendwie, wenn man tiefer reinguckt, ist der auch cool, das wird schon klappen. Naja, und dann hat Lindner sich dann doch anders rausgestellt. Ich fand das Ende auch mit der ganzen Kriegsrhetorik, die sie da hatten. Die Falschrumpyramide. Ja, ihre Falschrumpyramide, ihre ganzen Ideen, wie man jetzt die Koalition sprengen kann und so, das fand ich schon auch Schülertheater.

Simon Schütter: Ich finde, das war ein total interessanter Moment, wo sich zeigt, wie zynisch denken wir eigentlich über Politik. Weil mein erster Moment war, klar, das wundert mich jetzt nicht. Und dann habe ich mit meiner Frau darüber gesprochen und die, glaube ich, häufig politisch zynischer ist als ich, die war eher erschütterter in dem Moment. Da habe ich echt nochmal gedacht, krass, das ist echt abgefuckt, was die da machen. Und wir dürfen echt nicht dahin kommen zu sagen, ist doch klar. Und das passt übrigens auch zu eurem Podcast. Also ich finde auch zu diesem ganzen Thema nicht nur meckern, sondern wir dürfen echt nicht zynisch werden in diesem Business.

Thomas Mühlnickel: Wir müssen auch zulassen, dass Leute andere Meinungen haben. Und wir müssen auch zulassen, dass Leute sich einfach Fehler machen können. Ganz simpel. Auch Politiker machen Fehler. Und das, was ich immer wieder sehe in diesem Job, das sind auch alles nur Menschen. Und das spricht man denen leider viel zu oft ab, dass sie einfach nur menschlich sind und auch Fehler machen und einfach mal ihrem Glauben unterliegen. Und die sind nicht anders als wir alle. Also ich kann das wirklich, also ich kann ja mal eine Anekdote erzählen, ich kann das wirklich beglaubigen, dass es so ist, weil ich auf dem Vorstandsflur des SPD-Parteivorstands mir die Toilette mit allen Vorsitzenden der SPD damals geteilt habe. Und ich kann euch sagen, aus allen Dingen, die ich da erlebt habe, das sind auch nur Menschen.

Simon Schütter: Ich hake da mal nicht nach.

Thomas Mühlnickel: Keine Details. Ich möchte jetzt nicht über Sigmar Gabriel reden. Ja, spektakulär. So, ich gehe jetzt mal vom Thema ab. Magst du mir auf fünf Sätze vervollständigen? Bevor jetzt bei allen diese Bilder im Kopf nicht mehr weggehen, die ich jetzt...

Simon Schütter: Sehr gerne, sehr gerne.

Thomas Mühlnickel: In der Öffentlichkeit beeindruckt mich derzeit.

Simon Schütter: Kritische Selbstreflexion. Wolltest du eine Person haben?

Thomas Mühlnickel: Nee, frei. Du kannst machen, was du willst. Über Deutschland denke ich.

Simon Schütter: Ist besser, als wir uns selber eingestehen.

Thomas Mühlnickel: Wir sollten mehr Wert legen auf.

Simon Schütter: Zuhören.

Thomas Mühlnickel: Der nachfolgenden Generation rate ich.

Simon Schütter: Macht Fehler und steht zu ihnen.

Thomas Mühlnickel: Morgen wird besser als heute, weil...

Simon Schütter: ...wir übermorgen auch noch da sein wollen.

Thomas Mühlnickel: Danke. Übermorgen ist ein gutes Stichwort, ne? Wir diskutieren hier in diesem Podcast ständig diese ganzen Krisen der letzten Jahre und all die Wege daraus. Und am Ende kommt immer wieder ein Punkt raus, egal aus welcher Sichtweise meine Gäste hier kommen, es gibt immer am Ende eine große Debatte über Nachhaltigkeit, Klima, weil es sich dann doch am Ende aller Krisen immer wieder herausstellt, eigentlich die existenziellste Krise, auch wenn wir sie in der täglichen Debatte kaum noch mehr so wahrnehmen. Und das ist ja eigentlich das Übermorgen. Warum haben die Grünen das verkackt? Dass das nicht ihr Thema ist und dass sie es nicht, habe ich jetzt verkackt gesagt? Ja, verkackt gesagt.

Simon Schütter: Ich glaube, ich habe schon viele ähnliche Begriffe gesagt, in der letzten Dreiviertelstunde. Das ist in Ordnung und du bist auch mal dran.

Thomas Mühlnickel: Dass sie damit nicht in eine Meinungsführerschaft gekommen sind und eigentlich sogar ein Stück weit mit dadurch auch die Koalition verloren haben am Ende.

Klimaschutz und Parteien

Simon Schütter: Ich glaube, also, ich weiß, in diesem Berliner Betrieb bin ich jetzt nicht so eng getaktet. Aber was ich für eine Grundwahrnehmung wahrnehme, ist unsere größte Schwäche. Ich sage jetzt aber bewusst uns, weil ich finde, wenn man über die Grünen redet, ist dieses mangelnde Verständnis ein großes Problem. Dass die anderen uns nicht immer blind folgen, weil wir recht haben. Also es gibt diesen Satz bei den Grünen: Natürlich sind wir Besserwisser, weil wir wissen es ja besser. Das steht jetzt nicht exemplarisch für alle Grünen. Aber wir sind eine Wissenschaftspartei, das ist doch richtig. Warum folgen sie uns nicht? Ich glaube, dieses Verständnis fehlt einfach ganz häufig.

Dann haben sie versucht, es irgendwann zu drehen, indem sie gesagt haben, wir gehen jetzt auf Transformation der Wirtschaft und wir erzählen eine Wachstumsgeschichte. Damit gibst du aber auf zu sagen, wir wollen Klimaschutz, weil wir ihn brauchen. Du hast eine Wachstumsgeschichte erzählt und die ist halt zerbrochen. Die ist dann halt in der Regierung zerbrochen und du hast die Leute ja nie dahin gebracht zu sagen, wir brauchen Klimaschutz, übrigens neben Klimaschutz auch Arten- und Naturschutz. Diese Geschichte hast du bei den Grünen ja seit 30, 40 Jahren nicht vernünftig erzählt. Und sie haben es versucht, komplett zu drehen, um zu sagen, wir machen einen wirtschaftlichen Aufbruch. Der hat nicht funktioniert. Und dann ist es echt ein Kartenhaus, das zusammengebrochen ist.

Und ich frage mich da manchmal, wenn ich zum Beispiel auf eine Stadt wie Paris gucke. Ich glaube, eine sozialdemokratische Bürgermeisterin, die einfach diese Stadt begrünt.

Und ich stelle mal eine philosophische Frage: Im Endeffekt haben die Grünen, glaube ich, unfassbar viel erreicht in den letzten 40 Jahren, häufig sogar in der Opposition, weil sie ein Thema vorangebracht haben. Ich glaube, sie sind aber manchmal in diesem Thema so stark behaftet, weil es ihr Thema ist, und da wird automatisch Ideologie unterstellt. Ich merke das ja selber im Alltag.

Thomas Mühlnickel: Ja, das sagst du als Grüner.

Simon Schütter: Schlimmster Satz, den ich nicht hören kann. Ich bin ja mehr als ein Grüner. Und dann ist ja manchmal wirklich die Frage, ob die Grünen als Partei, ich stelle es nochmal, im öffentlichen Diskurs quasi zuträglich sind für solche Positionen oder ob es nicht eigentlich viel stärker wäre, wenn eine CDU oder eine SPD auch mal solche Positionen bringen würde, weil denen würdest du es gar nicht unterstellen. Ach, die sagen das um der Position willen. Du hörst mich gerade laut denken, klingt vielleicht ein bisschen wild.

Thomas Mühlnickel: Ich höre dabei gern zu.

Simon Schütter: Ich höre dabei gern zu, ja. Ja, und so, das ist irgendwie so der Diskussionsstand und es macht mir schon noch ein bisschen Sorgen, weil bei allem Respekt vor der aktuellen Bundesregierung, die auch gerade ihre schwierigen Situationen hat, ich habe aber schon das Gefühl, gerade bei Lars Klingbeil und Friedrich Merz, da ist ein Hauruck-Moment. Also finde ich methodisch nachvollziehbar. Aber inhaltlich ist für mich Richtung Klima und Naturschutz die schwächste Bundesregierung seit Ewigkeiten, inhaltlich. Und dann eine grüne Partei, die null durchdringt, die für viele Bürgerinnen und Bürger ein rotes Tuch ist, weil sie ihnen Ideologie vorwerfen, das macht mir dann schon Sorgen.

Und darum ist einfach meine große Hoffnung wirklich, dass andere Parteien auch aus ihrer Denke heraus das so annehmen. Also wirklich zu sagen, dass eine konservative, eine christliche Partei sagt, wir wollen die Schöpfung erhalten. Das ist doch Bedingung. Wie kann Klimaschutz irgendwie ein linkes Thema geworden sein?

Thomas Mühlnickel: Ja, es ist ja eigentlich ein urkonservatives Thema. Also was ist konservativer, als zu sagen, wir wollen die Lebensräume, wie sie sind, erhalten? Das ist absurd. Auch wie Friedrich Merz seine Meinung einfach mal innerhalb von Wochen ändert. Es gibt ja diese zwei Zitate von ihm, die nahezu wörtlich sind, bis auf eine kleine Unterscheidung, dass er vor ein paar Monaten im Bundestag mal sagte: Wir sind ein Prozent der Weltbevölkerung und wir machen zwei Prozent des Problems aus. Dann haben wir hier ein Problem, wenn wir mehr prozentuales Problem ausmachen, also müssen wir da ran.

Wochen später sagt er: Wir sind ein Prozent der Weltbevölkerung, wir machen zwei Prozent des Problems aus, aber was hilft es denn, wenn wir jetzt was tun? Ändert das ganze Problem ja gar nicht. Das ist gefährlich.

Simon Schütter: Das ist gefährlich. Und gleichzeitig, und das ist meine Hoffnung immer noch, es ist für viele ein total abstraktes Problem. Und gleichzeitig gibt es ja auch total klare Lösungen. Oder irgendwann werden auch alle merken, jetzt müssen wir was machen. Bei manchen Sachen geht es ja auch gar nicht anders.

Wir sprechen jetzt viel über technische Sachen, aber das ist mal so etwas ganz Banales: Wir werden in Deutschland bis 2030 Moore renaturieren müssen. Das ist ein Riesenthema, auch vor allen Dingen für Niedersachsen und für die Landwirtschaft. Natürlich ist das schwierig. Aber das kannst du an zig Sachen sehen, das Thema Wald, das Thema Energiewende. Also darum ist viel angestoßen und die Relevanz wird ja immer drängender.

Das heißt, das ist quasi meine Hoffnung, dass am Ende alle in dem Sinne, traurigerweise, pragmatisch genug sagen: Okay, wir müssen es anpacken.

Thomas Mühlnickel: Ja.

Thomas Mühlnickel: Ja, die zwei Prozent stehen quasi schon vor der Tür. Wir sehen das einfach von Monat zu Monat und es bleibt uns nicht mehr viel Zeit, da herumzumachen. Ich glaube auch, die Frage ist, wie gehen wir das an und wie kommunizieren wir das? Und ist die Letzte Generation eine Option? Ich glaube, nein. Aber dass es angepackt werden muss, im Kern wissen das ja alle. Aber da ist eine Prioritätenverschiebung in den Köpfen der Leute, zu sagen, mir ist gerade jetzt etwas anderes wichtiger und deshalb möchte ich mich damit gerade bitte nicht befassen.

Simon Schütter: Stattdessen streiten wir darüber: Ach, guck mal, es regnet jetzt eine Woche im Sommer, ihr wollt mir etwas vom Klimawandel erzählen. Und andersrum sagen die Leute: So dreimal in Folge 38 Grad, das ist halt keine Debatte. Das ist einfach plump.

Thomas Mühlnickel: Ja, das stimmt. Andere Frage: Als wir uns kennengelernt haben, habe ich mich gefragt, was hat dich bewogen, diesen Podcast zu machen, und was bringt er dir in deinem Job als Kommunikationsberater eigentlich?

Gespräche jenseits der Talkshow

Simon Schütter: Was hat mich bewogen? Wir wollten mal Gespräche jenseits der Talkshow führen. Das, was wir am Anfang auch hatten. Sich mit einem Gast zusammensetzen, ein bisschen hinter die Fassade schauen. Wie bist du da hingekommen? Die Person ausreden lassen. Einfach mal ein entspanntes Gespräch führen.

Mein Traum war quasi immer so wie wir. Man sitzt so am Tisch gemeinsam. Vielleicht raucht dein Gast noch eine Zigarre. Du trinkst noch einen Whisky dabei. Du hast wirklich diese Atmosphäre. Einfach eine Stunde lang.

Thomas Mühlnickel: Nur Wasser hier.

Simon Schütter: Oder ist es Korn? Man weiß ja nicht.

Thomas Mühlnickel: Mal gucken, wie lustig es vielleicht wäre.

Simon Schütter: Aber diese Atmosphäre zu schaffen und dann mal wirklich wegzukommen von, ich habe es schon angesprochen, dem Sprechzettel, diesem parteipolitischen Blabla, sondern wirklich mal zu sagen: Hey, das treibt mich an, darum habe ich das gemacht. Und so klar war der Weg alles gar nicht. Und auch ich hinterfrage mich manchmal, meine Partei manchmal.

Das war der Wunsch. Das bleibt auch weiterhin der Wunsch. Ich sage manchmal, wir wollen quasi ein hochpolitischer Hotel-Matze-Podcast sein. Wird sicherlich vielen Hörerinnen und Hörern bekannt sein. So, das ist der Punkt.

Und gleichzeitig muss ich mal auch sagen: Wir haben ja auch vor der Aufnahme gesprochen, wir werden jetzt gleich nochmal sprechen. Das ist auch immer total wertvoll. Also im Endeffekt hast du am Ende anderthalb Stunden mit einer politischen Persönlichkeit, und ich kann, glaube ich, sagen, aus jedem Gespräch habe ich etwas für mich persönlich rausgenommen. Also mitgenommen, das ist fantastisch.

Thomas Mühlnickel: Das ist ja wirklich unser Privileg an der Stelle. Das ist bei uns auch jedes Mal so. Mit vielen Gästen sprechen wir schon 20, 30 Minuten vor dem Podcast irgendwie und sitzen hier. Und wie bei uns beiden ehrlicherweise eben ja auch: Wir hatten schon die Kopfhörer auf und fingen irgendwie an zu plaudern und haben auch Sachen gesagt, die man lieber nicht veröffentlichen dürfte.

Aber das ist schon total spannend und das Gespräch ist immer bereichernd. Auch für mich. Jedes Mal gehe ich da raus mit neuen Ideen, mit neuen Sichtweisen, und es ist immer bereichernd. Wirklich im besten Sinne ist es bereichernd.

Und danach gibt es meistens nochmal genau so diese 20, 30 Minuten, wenn die Gäste die Zeit haben. Und meistens nehmen sie sich die. Und da entstehen auch ganz persönlich sehr spannende Kontakte immer wieder draus, wo man auch im Austausch bleibt. Und man merkt: Okay, wir haben uns gegenseitig Sachen zu erzählen, die interessant sind. Und wir können uns da auch in unseren jeweiligen Jobs miteinander auch befruchten. Und da entstehen jetzt wirklich auch tolle, tolle Sachen. Und ich freue mich, also ohne Quatsch, ich freue mich auf jede Folge riesig.

Simon Schütter: Ja, das ist doch die Hauptsache.

Thomas Mühlnickel: So ein Wochenhighlight.

Abschlussfragen

Simon Schütter: Ich weiß gerade gar nicht, wie weit wir bei der Folge sind, aber ich habe zumindest immer drei Abschlussübergänge. Und ich kann sie auch mittendrin einfach fragen, aber dann würde ich sie dir auf jeden Fall einmal stellen.

Thomas Mühlnickel: Jetzt bist du gespannt.

Simon Schütter: Jetzt bin ich sehr gespannt. Ich sage unseren Gästen immer, es sind drei schnelle Fragen. Ob es drei schnelle Antworten sind, das liegt an dir, auch irgendwie an mir, weil ich, das ist echt schwierig, weil du da doch immer wieder nachhaken möchtest. Aber ich fange mal an.

Wann bist du das erste Mal für eine Sache öffentlich eingetreten beziehungsweise aufgetreten? Und wir sagen gerne: Öffentlich heißt, mindestens fünf Personen waren dabei.

Thomas Mühlnickel: 2018. Das war die kurze Antwort. Möchtest du eine längere?

Simon Schütter: Stimmt. Du bist der Erste, der es jetzt sehr wörtlich nimmt. Du darfst auch gerne erzählen, was dabei passiert ist. Was ein Klugscheißer. Das ist der Kommunikationsberater hier wieder.

Thomas Mühlnickel: Frage falsch gestellt. Das war 2018. Ich bin seit dem Jahr, oder Ende 2017, ich weiß nicht mehr genau, in einem Vereinsvorstand gewesen. Der heißt Checkpoint Demokratie. Wurde gegründet von der Schauspielerin Renan Demirkan und hatte wirklich viele spannende Leute. Zum Beispiel Christoph Sieber, der ja auch bei uns in der zweiten Folge hier zu Gast war.

Und wir hatten dann die Idee, wir machen gemeinsam ein Buch. Das nennt sich, jetzt ist es ein paar Jahre her, „Wenn ich mir was wünschen dürfte: Ideen für die Demokratie der Moderne“, in etwa so. Und wir haben 50 spannende Leute zusammengebracht, die kurze Beiträge geschrieben haben: Wie könnte sich die Demokratie hier in Deutschland weiterentwickeln? Wir waren gerade so in der Phase der ersten Trump-Wahl, des Brexits. Das war irgendwie alles total doof.

Und dann hatten wir im Vorstand die Idee: Komm, wir machen so ein Buch. Und da hatten wir Leute drin wie Philipp Lahm, Guido Maria Kretschmer, Michel Friedman.

Das war einfach eine Gruppe in diesem Buch, die einfach spektakulär gut war. Aber ich habe da bis heute auch einige gute Kontakte mit drin, immer noch, mit denen ich mal im Austausch bin. Und wir hatten dann, ich durfte selber einen Beitrag schreiben. Und das war für mich, glaube ich, das erste Mal, dass ich wirklich öffentlich auch sehr klar Meinung bezogen habe, Stellung bezogen habe. Und einfach das Gesicht auch in so einem Buch hingehalten habe. Und da kommst du ja nicht mehr da zurück dann an der Stelle. Ich glaube, das war so das erste Mal.

Und zur Buchveröffentlichung hatte Thomas Oppermann damals ermöglicht, dass wir im Bundestag eine Veranstaltung machen durften. Und ich habe die moderiert. Das war schon spektakulär aufregend, im Bundestag eine Veranstaltung zu moderieren. Und neben dir steht Guido Maria Kretschmer und du stellst ihm irgendwie Fragen. Und er steht selber da als Profi neben dir und sagt: Ich bin total aufgeregt, ich war noch nie im Bundestag. Ich habe meinen Vater angerufen und gesagt: Papa, ich bin im Bundestag.

Simon Schütter: Herrlich. Frage zwei: Wen sollte ich mal in meinen Podcast einladen?

Thomas Mühlnickel: Michel Friedman. Michel Friedman ist auch mein ewiger Wunschgast hier. Ich habe auch schon mit ihm darüber gesprochen. Noch ziert er sich, aber er wird irgendwann kommen. Er kann nicht ewig meinem Charme widerstehen.

Simon Schütter: Hindert er sich aus zeitlichen Gründen oder ist er kein Podcast-Fan?

Thomas Mühlnickel: Das ist eine Zeitfrage. Er geht auch im Podcast und kennt sich durch dieses Buch auch schon viele Jahre, und wir sind regelmäßig im Austausch und mögen uns auch irgendwie total, obwohl wir sehr unterschiedliche Typen sind.

Und Michel Friedman ist der, ich möchte jetzt niemandem zu nahe treten, dem ich jemals unter die Augen getreten bin, aber Michel Friedman ist der intelligenteste Mensch, der mir in meinem Leben begegnet ist. Und der hat immer noch einen Schritt mehr und einen Blick tiefer, als ich ihn habe. Und ich finde es immer sehr, sehr bereichernd, Gespräche mit ihm zu machen.

Das Einzige, was mal mein Problem ist: Wenn ich mit ihm rede, bin ich danach unfassbar müde, weil ich merke, der überanstrengt mein Hirn. Mehr geht nicht, als wenn der mich vollballert mit seinen Gedanken.

Simon Schütter: In Dosen dann nur.

Thomas Mühlnickel: Genau. Das ist ein unfassbar spannender Mensch. Superinteressante Geschichten und Sichtweisen. Deshalb würde ich immer raten: Lad dir Michel Friedman ein.

Simon Schütter: Spannend. Weißt du, wie ich Michel Friedman kennengelernt habe?

Michel Friedman war für mich jahrelang einfach der Mann von Bärbel Schäfer. Also wirklich, so habe ich ihn kennengelernt. Ich kannte halt Bärbel Schäfer. Als Kind, als Jugendlicher, in dem Sinne, habe ich ja erzählt, nicht so mit Politik beschäftigt. So, heute denke ich natürlich anders, das ist natürlich völlig klar, aber ich musste Michel Friedman quasi ein zweites Mal kennenlernen.

Thomas Mühlnickel: Ich sage das mal von außen betrachtet: Das ist auch erstmal immer gefühlt so ein Non-Fit. Also weil Bärbel Schäfer aus der Talkshow von RTL noch aus den 90ern ist und Michel Friedman zwar auch so ein bisschen schwieriger Talkshow-Moderator, fand ich damals in der ARD, aber eben auch einer der intellektuellsten Menschen, die wir in Deutschland haben.

Ich war mal, er hatte mich mal eingeladen zu einer Buchpremiere ins Berliner Ensemble. Da stand ich auch danach da und dann sah ich zum ersten Mal in meinem Leben Bärbel Schäfer persönlich. Und sie lief an mir vorbei, ging zu ihm, gab ihm einen Kuss, und ich dachte wirklich: Das ist tatsächlich ein total schräges Bild, weil irgendwie sind zwei einzelne Persönlichkeiten für mich, die für mich nie bislang zusammengepasst haben. Aber sie sind auch seit über 20 Jahren schon verheiratet und haben Kinder und sind glücklich. Und ich wünsche den beiden alles Glück der Welt.

Simon Schütter: Das tue ich auch. Meine letzte Frage, zum Beispiel in diesem Dreierkosmos: Warum wird alles gut?

Thomas Mühlnickel: Das ist ähnlich wie meine Frage.

Simon Schütter: Ja, ich weiß, ich habe ja meine Regeln. Ich muss jetzt einfach zurückgehen.

Thomas Mühlnickel: Ich musste die noch nie selber beantworten, um Gottes Willen. Ich glaube, es wird am Ende alles gut, weil es genügend Menschen gibt, die es gut mit diesem Land, dieser Gesellschaft und dieser Welt meinen. Und ich glaube, sie müssen nur verstehen, mehr zu kooperieren, sich mehr zu vernetzen und mehr in Gemeinschaft zu denken. Und wenn uns das gelingt, dass die, die es gut meinen, nicht nur individualisiert darüber nachdenken, sondern auch gemeinsam handeln, dann kann da wirklich was funktionieren. Und dann wird es gut.

Simon Schütter: Das würde ich auf jeden Fall mit unterschreiben. Aber es passt ja, dass wir teilweise ähnliche Rubriken, ähnliche Fragen haben.

Thomas Mühlnickel: Wir sind uns tatsächlich in manchen Dingen recht ähnlich. Das ist ganz lustig. Das ist zwar aus unterschiedlichen Regionen, aus unterschiedlichen Zeitpunkten auch gestartet, trotzdem am Ende mit einer sehr ähnlichen Intention reingehen, die natürlich sehr gut ist.

Simon Schütter: Genau. Obwohl wir uns so ähnlich sind, kooperieren wir trotzdem.

Thomas Mühlnickel: Einfach mal eine Stunde gegenseitig.

Simon Schütter: Hört bitte die Folge nur auf unserem Kanal.

Thomas Mühlnickel: Ja, aber wer das auch als Video sehen will.

Simon Schütter: Okay, Foulspiel.

Thomas Mühlnickel: Kann das natürlich auch, auf dem Damit-die-Guten-gewinnen-Kanal auf YouTube. Oder auch bei Spotify kann man neuerdings ja auch Videos sehen.

Simon Schütter: Stimmt.

Thomas Mühlnickel: Dann sieht man dich auch mal. Sonst hat man immer nur eine Stimme von dir.

Simon Schütter: Das war übrigens ein toller Moment mal. Ich muss sagen, ich war in Düsseldorf, aber ich kannte die Person vorher nicht. Da hat mich tatsächlich eine Person gefragt, nachdem sie meine Stimme gehört hat, ob ich der Typ von Machtpolitik bin. Das ist ein geiler Moment. Also muss ich sagen, das ist mir halt, wie gesagt, war am Ende irgendwie ein Bekannter über einen Bekannten eines Bekannten. Das muss man schon weitererzählen. Aber ich fand es cool.

Mut und Zusammenarbeit

Thomas Mühlnickel: Das ist schon schräg. Ich habe ja noch einen zweiten Podcast, In Vino Veritas, einen Wein-Podcast, der auch schon sehr viel länger läuft und recht erfolgreich ist. Und da ist es uns passiert: Wir hatten einen Sternekoch da, Christian Lohse, und der schüttelte in einer Folge einfach so aus dem Nichts auf einmal an seinem Glas herum, damit der Wein besser zu riechen und zu schmecken ist. Er hält mir das unter die Hand und ich reagiere auch ein bisschen komisch. Und dieses Video davon, diese kurzen paar Sekunden, die haben Millionen Leute mittlerweile gesehen, zweieinhalb Millionen, glaube ich, mittlerweile.

Und als dieses Video seine Hochphase auf TikTok und Instagram und so hatte, wo es wirklich jeden Tag Zehntausende gesehen haben, wurde ich tatsächlich im Restaurant mal angesprochen: „Sagen Sie mal, sind Sie der aus diesem Schüttelvideo?“

Simon Schütter: Mach nichts anderes.

Thomas Mühlnickel: Das ist mein Beruf. Man muss auch wissen, worauf man sich einlässt.

Simon Schütter: Das eine Video kann alles verändern.

Thomas Mühlnickel: Simon, ich habe auch eine Abschlussfrage, oder eigentlich zwei. Die sind noch drin, die Zeit haben wir noch. Was macht dir Mut?

Simon Schütter: Mir macht Mut, dass am Ende Leute wie wir beide, die sich vorher gar nicht kannten, aber trotzdem zusammenfinden, um irgendwie etwas Gutes zu machen. Und dann sind es am Ende wieder, wie gesagt, die Menschen, die Bock haben, etwas zu verändern, etwas zu verbessern.

Denn am Ende, das hat auch Felix Banaszak in meiner Folge gesagt: Ja, wir unterliegen auch Naturgesetzen, aber ganz viel ist so, weil wir Menschen es so gemacht haben, und dann können wir Menschen es auch verändern. Und das macht mir Mut.

Thomas Mühlnickel: Wir haben eine echte Message. Was ich dir nicht erzählt habe: Ich habe dir alles von diesem Studio erzählt. Was ich nicht erzählt hatte, war: Es ist in Wahrheit eine Zeitmaschine. Und diese Zeitmaschine fliegt jetzt zum Brandenburger Tor im Jahr 2050. Wir steigen wieder aus dieser Tür aus. Was für ein Land sehen wir?

Simon Schütter: Ist die Zeitmaschine von Dorothee Bär gefördert auch? Ich bin davon überzeugt.

Thomas Mühlnickel: Nein, nein, nein, das haben wir alleine gemacht.

Simon Schütter: Das haben wir alleine gemacht, sehr gut.

Vision für 2050

Simon Schütter: Wir sehen ein Land mit Menschen, die viel draußen sind. Menschen, die miteinander streiten und sich danach in den Arm nehmen. Wir sind ein grünes Land, und ich meine nicht die Partei, sondern ich meine wirklich: Wir leben wieder mehr im Einklang mit der Natur, mehr im Einklang mit uns.

Denn am Ende, 2050 hast du gesagt, 2050 ist ja häufig so, hat ja so dieses Apokalyptische und 2050 ist alles anders. Ich glaube, wir sind 2050 einfach an einem Stand, wo wir miteinander echt uns angucken und sagen: Krass, wir haben es einfach geschafft. Es ist nicht alles bescheiden. Und zwar, weil wir kooperiert haben, weil wir miteinander um die besten Lösungen gerungen haben und uns dabei geschätzt haben.

Und im Endeffekt haben wir dadurch eine gute Welt, eine gute Erde und haben uns selber einfach weiterentwickelt und sind noch keine KI-basierten Menschen geworden, das vor allen Dingen. Wir sind Menschen geblieben und haben die Welt ein Stück weit besser gemacht.

Thomas Mühlnickel: Das ist auch ein supergutes Bild. Ich finde, so kann 2050 kommen.

Simon Schütter: Ich würde es auch unterschreiben.

Thomas Mühlnickel: Herzlich willkommen, wenn es so käme. Das war ein sehr, sehr spannendes Mash-up unserer beiden Podcasts heute. Ich fand das superinteressant, einfach mal zusammenzuwerfen und zu gucken, was passiert, weil wir wirklich beide relativ unvorbereitet am Freitagnachmittag gesagt haben, wir lassen uns mal gegenseitig überraschen, wie es ist, wenn zwei Moderatoren gegenseitig auch Gäste sind.

Simon Schütter: Gut, dass du es am Ende sagst, dass wir unvorbereitet waren. Hat mir großen Spaß gemacht. Vielen, vielen Dank für die Einladung, muss ich auch sagen. Ich bin ja immer mal wieder punktuell in Berlin. Jetzt haben wir diesen Termin schön gefunden. Ihr habt ein super Studio, super Kino. Du bist ein guter Typ, gute Leute drumherum. Gerne, gerne wieder. Vielen, vielen Dank.

Thomas Mühlnickel: Das hat mich auch sehr gefreut. Hat mich sehr gefreut, heute zu Gast zu sein bei Machtpolitik und dich zu Gast zu haben bei Damit die Guten gewinnen. Und es war eine große Freude und ich hoffe, wir sehen uns bald wieder. Danke dir.

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