Was bewegt eine der erfolgreichsten Paralympionikinnen, die große Bühne gegen Sozialpolitik zu tauschen? Verena Bentele – fünffache Goldmedaillengewinnerin und VdK-Präsidentin – erzählt, warum ihr Motto „Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser" auch für unseren Sozialstaat gilt, und spricht über Empathie, Leistungsgerechtigkeit und Olympische Spiele in Deutschland.
„Wer sind die Guten?" – Verenas Definition von Gewinnern jenseits des Sports
Thomas Mühlnickel: Verena Bentele, schön, dass du da bist. Herzlich willkommen.
Verena Bentele: Hallo, danke für die Einladung.
Thomas Mühlnickel: Verena, unser Podcast heißt ja, damit die Guten gewinnen. Wer sind denn für dich die Guten?
Verena Bentele: Also wenn du mich gefragt hättest, was bedeutet für dich gewinnen, wäre es einfacher als Sportlerin, aber wer sind die Guten? Die Guten sind für mich Menschen, die sich positiv einsetzen, dass die Gesellschaft sich entwickelt, dass wir uns als Menschen entwickeln, die nicht nur auf sich achten, sondern auch darauf, was bedeutet Veränderung eigentlich für andere Menschen, um die Menschen zu gewinnen. Die Guten sind Menschen, die ein Stück weit weiterdenken und Entwicklung und Veränderung als beispielsweise das gute Nutzen von Ressourcen, das Erlernen neuer Fähigkeiten sehen und nicht nur das Thema Gewinnmaximierung als was Gutes sehen. Das ist für mich so ganz grob gesprochen politisch das Gute. Gesellschaftlich kann man auch noch sagen, alle Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, Menschen, die sich einsetzen für andere, für beispielsweise Bildung, für Kinder und Jugendliche, die sich im Sport engagieren, die sich als Übungsleiterinnen und Trainerinnen an den Spielfeldrand stehen und das zwei bis vier Mal in der Woche. All das sind Menschen, die für mich für das Gute stehen.
Thomas Mühlnickel: Jetzt hast du mir ja schon eine Vorlage gegeben. Und was bedeutet für dich Gewinn?
Verena Bentele: Gewinn bedeutet für mich natürlich sich durchsetzen, im Sport eine Goldmedaille mit heimnehmen und sein Bestes zu geben. Und das ist natürlich alles ein bisschen schwieriger im politischen Bereich, wo ich heute arbeite. Da kriege ich selten bis nie eine Goldmedaille, anders als im Sport, da habe ich ein paar gewonnen. Aber im politischen Umfeld ist jetzt die Sache mit der Goldmedaille ja so ein bisschen schwierig, weil es immer ein Kompromiss ist im demokratischen Aushandlungsprozess und nie darum geht, alles durchzusetzen, alles umzusetzen, was man selber will, sondern es geht immer darum, einen guten Weg für viele Menschen zu finden. Und deswegen ist Gewinnen im politischen Bereich in meinen Augen eher, wenn eine Veränderung nachvollziehbar ist, wenn sie vielen Menschen was Gutes bringt, wenn die Menschen sie mitgehen und mitnehmen, sich mitgenommen fühlen, das ist dann eher im politischen Bereich das Gewinnen.
Thomas Mühlnickel: Jetzt hast du das mit der Goldmedaille so En passant gerade erzählt, als wenn jeder mal eine Goldmedaille gewinnen würde. Ich habe es kaum zu einer Siegerurkunde geschafft damals. Erzähl doch mal, wie ist denn das, so eine Goldmedaille zu kriegen?
Verena Bentele: Also ich war irgendwann ja mal eine Sportlerin, die sehr viel Sport gemacht hat und war Skilangläuferin, Biathletin und war bei vier Paralympics und wenn man da eine Goldmedaille gewinnt bei Paralympischen Spielen oder Weltmeisterschaften, das ist schon ziemlich schön, weil man in dem Moment weiß, ich habe heute den besten Wettkampf von allen gemacht. Ich war am schnellsten, habe am besten geschossen oder in meinem Fall, ich habe vielleicht nicht am besten geschossen, aber ich war am schnellsten durch die Strafrunde und habe die Strecke schnell hinter mich gebracht und war technisch gut drauf, hatte gute Kondition, gute Kraft, war mental auf dem Punkt da und das ist schon ein schönes Gefühl, ganz oben zu stehen, weil es für den Moment zumindest das Maximale ist, was man erreichen kann.
Thomas Mühlnickel: Man bereitet sich darauf ja jahrelang vor.
Verena Bentele: Ja, auf jeden Fall.
Thomas Mühlnickel: Das ist ja wirklich so ein Höhepunkt dann wahrscheinlich. Wie ist die Aufregung dann?
Verena Bentele: Also die Aufregung ist schon groß und auch das Fokussiertsein. Und das Highlight ist natürlich, wenn man die Aufregung dann in Fokussierung, in Tempo, in Technik, in Ruhe umwandeln kann und beim Startschuss eben wirklich die Aufregung abschüttelt und sie in Kraft verwandelt. Aber klar, es ist natürlich auch eine spannende Geschichte, weil diese Goldmedaille ist immer die Momentaufnahme, die man dann auch im Fernsehen und auf Fotos sieht und mitkriegt. Aber was davor kommt, sind ja wirklich jahrelanges Training. Es sind auch viele Trainingseinheiten, wo es einem nicht nur gut geht, wo man eben auch mal leidet, wo man merkt, heute geht es aber schwer, heute tut es weh, heute ist der Berg hoch anstrengend. Das ist eigentlich alles davor und auch natürlich ganz viele Stunden, wo man einfach trainiert, wo das Routine ist, wo man den Sport, das Training schön findet, wo es Spaß macht. Eigentlich schon vergleichbar ein bisschen mit dem Arbeitsleben, wo ja auch die Menschen ein Stück glücklicher sind, die einfach gerne in die Arbeit gehen und nicht nur, wie es uns immer wieder in Radioprogrammen suggeriert wird, juhu, endlich Wochenende. Als wäre das ganze Leben nur darauf fokussiert, dass endlich Freitag ist, was ja auch für nicht alle Menschen in ihren Jobs so Realität ist. Es gibt ja auch genug Menschen, die beispielsweise in der Pflege arbeiten, für die jetzt das Wochenende auch bedeutet, dass sie Wochenenddienste haben. Aber für viele andere wird immer so suggeriert, das Allerschönste, was wir haben können, ist endlich dieser Freitag, wo der Stift fallen gelassen wird oder die Computermaus stehen gelassen wird. Und da denke ich immer, dass wenn ich so leben würde und arbeiten würde, würde mich das recht unglücklich machen. Also ich bin genau wie im Sport, der mir Spaß gemacht hat, froh, dass ich auch einen Job habe, den ich gerne mache und wo ich gerne hingehe.
Thomas Mühlnickel: Du bist ja am Bodensee auf einem Bauernhof aufgewachsen.
Verena Bentele: Jetzt ist es raus. Ich bin als Schwabe in Berlin. Jetzt hast du es gesagt.
Thomas Mühlnickel: Jetzt ist es endlich bekannt, was ich auf Wikipedia nachlesen konnte.
Verena Bentele: Ja, was jeder andere auch lesen kann. Genau.
Thomas Mühlnickel: Du bist von Geburt an blind und hattest aber auf diesem Bauernhof die Möglichkeit, total stinknormal aufzuwachsen, alle möglichen Aktivitäten zu machen. Hat dich das auch so in den Sport angebracht, dass du da einfach in dieser riesigen Freiheit auf dem Bauernhof aufgewachsen bist?
Verena Bentele: Ich würde mal sagen, die Freiheit auf dem Bauernhof bei meinen Eltern zu Hause war schon eine gute Grundvoraussetzung, weil ich dadurch wenig Angst entwickeln konnte. Bei uns zu Hause gab es viel Platz in unserem Haus, wo wir aufgewachsen sind, auf dem Hof. Ich konnte Fahrrad fahren, Rollschuh fahren, mit den Ponys draußen Zeit verbringen, die ich hatte. Und das hat mir sehr, sehr viele Möglichkeiten gegeben, mich auszuprobieren, auch mal wo dagegen zu laufen, ohne dass direkt jemand daneben stand und gesagt hat, Vorsicht, da ist was, lauf nicht dagegen. Ich durfte auch mal wo dagegen laufen, was ich als positiv empfinde, weil es mir auch ein gutes Gefühl für meine Grenzen, aber vor allem für meine Möglichkeiten gebracht hat und das ist schon extrem wertvoll.
Der schwere Unfall 2009 und das Comeback mit fünf Goldmedaillen in Vancouver
Thomas Mühlnickel: Es gibt die Geschichte von dir, dass du 2009 bei den Deutschen Meisterschaften einen super schweren Unfall hattest, sehr schwer verletzt warst, in ein getrocknetes, ausgetrocknetes Flussbett bist du gefallen. Und ein Jahr später gab es dann die, wie hießen sie, die Bentelympics.
Verena Bentele: Genau.
Thomas Mühlnickel: Als du quasi alles abgeräumt hast in Vancouver.
Verena Bentele: Mhm.
Thomas Mühlnickel: Wie krass muss man eigentlich drauf sein, aus so einer schweren Verletzung innerhalb von einem Jahr so zurückzukommen, dass man den absoluten Zenit seiner Karriere erleben kann?
Verena Bentele: Also vielleicht für die Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn ich beim Langlaufen bin oder auch heute, wenn ich beim Sport bin, habe ich immer Begleitläuferinnen und Begleitläufer dabei. Beim Langlaufen sind die mit mir nicht per Seil oder wie auf einem Tandem auf einem Fahrrad verbunden, sondern eben nur per Stimme. Und der Begleitläufer damals hat die Richtung falsch angesagt. Der hatte mir gesagt, ich müsse nach links, ich hätte eigentlich nach rechts gemusst. Und ich bin links gefahren, wirklich nur ein bisschen. Und dann ging es eben neben der Strecke ein paar Meter runter. Und dieser Sturz war vermutlich auch deswegen so verheerend, weil eben in dem Winter wenig Schnee lag, weil ich nicht damit gerechnet hatte. Und ja, dann war ich eben wirklich ein paar Wochen extrem ausgeknockt. Ich konnte erst mal mich nur auf die Heilung konzentrieren und gar nicht aufs Weiter trainieren. Und hatte aber danach schon so für mich irgendwann im Kopf entschieden, ich will meine Sportkarriere nicht mit einem Abflug beenden, sondern ich möchte etwas Positives in meinem Kopf speichern und ich will wieder so trainieren, dass ich am Ende nochmal zu den Paralympics nach Vancouver fahren kann. Und klar, dass ich dann fünf Goldmedaillen gewinne, das war so nicht vorhersehbar, aber ich wusste schon, ich will nochmal unbedingt ein positives Erlebnis in meinem Kopf und auch in meinem Körper, in meinen Zellen speichern. Und dann habe ich wirklich richtig gut und viel trainiert, habe mich extrem auf den Sport konzentriert, habe an der Uni nichts gemacht in dem Jahr oder sehr wenig.
Verena Bentele: Damit ich eben wirklich viel Zeit hatte, wieder fit zu werden, Kraft zu trainieren, Ausdauer zu trainieren und natürlich auch meine Hemmungen vor schnellen Abfahrten loszuwerden. Das hat mich schon den Sommer über gekostet an Zeit und Kraft, aber es hat sich extrem gelohnt und ich war dann wirklich am Ende, würde ich sagen, vor allem extrem darauf konzentriert, was es bedeutet, an den eigenen Erfolg zu glauben und daran zu glauben, dass man ganz oben stehen kann. Und das war echt für mich eine ganz, ganz tolle und positive Erfahrung, die ich da hatte, die eben auch bedeutet hat, ja, dass ich mich sehr mit dem dann neuen Begleitläufer gut und konzentriert vorbereitet habe und ich war schon sehr überzeugt davon, dass ich nochmal was Positives schaffen kann. Und das finde ich auch immer noch das Erstaunliche an uns Menschen, wenn jemand sagt, ich habe das Vertrauen verloren für immer, denke ich immer, naja, das ist ja auch ein Stück weit eine Entscheidungssache, ob ich wieder vertrauen möchte, ob ich nochmal was erreichen will, ob ich mich nochmal auf was einlassen will. Das ist schon auch ganz viel eigene Entscheidung und natürlich auch die Frage, inwieweit lasse ich mir von anderen Unterstützung geben. Auch das ist für uns Menschen generell, glaube ich, eine Frage, die wir irgendwann einfach entscheiden müssen. Also nicht einfach, die wir irgendwann entscheiden müssen. Wollen wir Unterstützung annehmen? Wollen wir mit anderen Menschen gemeinsame Sache machen? Wollen wir in meinem Fall jemanden haben, der uns die Augen ersetzt, auf den wir uns auch wieder verlassen? Oder wollen wir eben in der Vorsicht, in den Bedenken und in der Angst hängen bleiben?
„Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser" – ein Lebensmotto für Sport und Gesellschaft
Thomas Mühlnickel: Ich meine, das ganze Leben besteht ja aus Vertrauen, ohne dass wir es merken. Also wenn ich mich in ein Flugzeug setze, muss ich vertrauen. Wenn ich über die Straße gehe, muss ich vertrauen, dass ein Auto auch nicht einfach mit 120 durch die Stadt fährt. Da gibt es ja so viele Punkte von. Ich habe mal gelesen, dein Lebensmotto sei, Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser.
Verena Bentele: Genau, das ist schon ein Motto für mich, weil ich der Meinung bin, natürlich braucht es auch Kontrolle, es braucht die Möglichkeiten, die wir haben, um auch gute Sicherheiten zu haben. Deswegen habe ich ja einen Begleitläufer oder fahre. Wie letztes Jahr bin ich um die Mecklenburger Seenplatte gefahren. Die Mecklenburger Seenrunde ist so ein 300 Kilometer Rennen. Natürlich fahre ich das schon auf einem Tandem und jetzt nicht allein. Aber ich muss auch darauf vertrauen, dass der Pilot, der vor mir auf dem Tandem sitzt, auch weiß, was er tut. Der will ja auch selber sicher ans Ziel kommen und ich gebe hinten alles, genau wie der vorne und dann schaffen wir das auch gemeinsam. Also es ist immer ein Stück weit eine Entscheidung, die maximal gute Rahmenbedingungen braucht, aber dann eben auch am Ende dieses letzte bisschen Vertrauen, ohne dass wir alle überhaupt nicht klarkommen.
Thomas Mühlnickel: Was ja auch mit deinem heutigen Job zu tun hat.
Verena Bentele: Genau, was mit meinem Job zu tun hat und wo ich auch einfach sehr dafür kämpfe, jetzt als Präsidentin des Sozialverbands VdK, dass Menschen sich zum Beispiel auf den funktionierenden und zugänglichen Sozialstaat verlassen können, dass sie wissen, wenn ich hier in Deutschland meine Sozialversicherungsbeiträge bezahle, bekomme ich dafür eine gute Gesundheitsversorgung, bekomme dafür eben auch den Arzttermin, den ich brauche. Ich kann, wenn ich arbeiten gehe, darauf vertrauen, auch eine gute Rente zu haben, von der ich leben kann. All das sind eben auch große Vertrauenspunkte, die im Moment, wo wir sehr negativ oft über den Sozialstaat sprechen oder in der politischen und medialen Landschaft oft da sehr negativ drüber gesprochen wird, ist das für mich auch ein spannender Punkt. Wie können wir eigentlich das Vertrauen der Menschen stärken, dass sie das eben nicht nur als Belastung und als Schwierigkeit sehen, sondern als eine große Vertrauensbasis, auf die wir uns eben auch stützen und verlassen können.
Thomas Mühlnickel: Du hättest, glaube ich, einen anderen Weg nach deiner Sportkarriere einschlagen können, weil du gehörst zu den sehr bekannten Paralympioniken. Das ist ja so typische Olympioniken und Paralympioniken. Einige davon sind so die Superstars und andere sind so ein bisschen bekannt und andere auch gar nicht. Du gehörst in deinem Bereich eher zu den Superstars. Wahrscheinlich hättest du nach der Karriere auch regelmäßig im ZDF Dinge kommentieren können, hättest bei Let's Dance mittanzen können, hättest als Speakerin selber als Trainerin arbeiten können.
Thomas Mühlnickel: Wahrscheinlich hätte sich in diesem Bereich sehr viel aufgetan. Du hast dich aber für einen sehr politischen Werdegang danach entschieden. Was hat dich dazu bewegt, das zu machen?
Verena Bentele: Tanzen kann ich nicht.
Thomas Mühlnickel: Das lernt man da ja.
Verena Bentele: Das lernt man da ja. Aber jetzt mal ernsthaft. Also für mich gab es und gibt es immer viele und verschiedene Möglichkeiten, die wir alle haben und die zu nutzen ist was, was mich einfach immer schon interessiert hat. Und gerade Vorträge halten als Bikerin arbeiten, habe ich direkt nach der Sportkarriere viel gemacht, mache ich heute noch manchmal. Aber was mich wirklich interessiert, ist, wie wir Gesellschaft zusammenleben gestalten können, wie wir uns entwickeln und verändern können. Und das habe ich schon, als ich Sportlerin war, im Sportbereich ein Stück weit versucht und habe mich sehr mit anderen dafür eingesetzt, dass paralympische Athletinnen und Athleten bessere Trainings- und Wettkampfbedingungen haben und war eben für unseren Sport aktiv. Und danach hatte ich dann eben die Möglichkeit, mich für andere politische Ziele und Ideen und Themen einzusetzen, die so an der Schnittstelle Sport und Politik waren, wie zum Beispiel die Bewerbung Münchens für die Olympischen und Paralympischen Spiele, die für mich damals auch ein spannender Einstieg waren, wo ich Sportpolitik gut kennengelernt hatte. Und dann habe ich eben angefangen, mich politisch dafür einzusetzen, wie das Thema Inklusion und Teilhabe verbessert werden können, wie aber auch Sport in unserer Gesellschaft als Thema einen guten Stellenwert hat und einen Platz einnimmt, beispielsweise in der Bildungspolitik. Das waren so meine Einstiegsmöglichkeiten. Ja, und dann kam irgendwann Andrea Nahles, die mich gefragt hatte, ob ich mir vorstellen könne, nach Berlin zu kommen. Und sie meinte auch, du hast auch schon drei Tage Zeit, dir darüber Gedanken zu machen, ob du das tun willst oder nicht. Und ich fand jetzt drei Tage nicht sehr üppig, aber am Ende habe ich die drei Tage gut genutzt, habe mit Freunden und Familie darüber gesprochen und hatte mich dann dafür entschieden und dagegen mein Leben als Speakerin weiterzumachen und mich für Politik entschieden mit allen Konsequenzen, wo ich auch noch nicht ganz klar damals wusste.
Verena Bentele: Was das eigentlich bedeutet, aber ich habe es ehrlich gesagt nie bereut. Ich fand es immer eine super Entscheidung, mich gegen das Leben als Ex-Sportlerin, die viele schöne Dinge macht, für ein Leben mit vielen anderen schönen Dingen zu entscheiden. Das fand ich damals einen guten Schritt. Und ich muss auch ehrlich sagen, ich habe in der Zeit natürlich dann auch super viel gelernt an Möglichkeiten, die man so hat. Und ja, wie man sich in Gesetzgebung einbringt, wie man Gesetze liest, wie man Verbündete sucht für ein Thema, um es umzusetzen. Da habe ich einfach wahnsinnig viele tolle Sachen lernen dürfen. Und das war schon für mich auch eine gute Gelegenheit, mich auch wieder zu entwickeln. Und das treibt ja ein Wettkampfsportler auch an, auch selber neue Dinge zu lernen. Das ist ja was, was man als Wettkampfathletin, Athlet immer wieder tun muss.
Thomas Mühlnickel: Das finde ich sehr spannend, diese Entscheidung zu treffen. Ich verlasse diesen einen Weg ein Stück weit und werde jetzt nicht nur meine Marke Verena Bentele quasi immer weiter ausquetschen und gucken, was ich daraus noch machen kann nach diesem riesigen sportlichen Erfolg, sondern ich gehe einen ganz neuen Weg in ein Terrain, wo ich mich eigentlich wenig bis kaum auskenne, versuche da aber nochmal wirklich was für die Gesellschaft zu bewegen und nicht nur für mich selber. Ich finde das beeindruckend.
Thomas Mühlnickel: Ja, also ich habe sicherlich auch gute Vorbilder in meiner Familie. Mein Papa war im Pfarrgemeinderat, im Roten Kreuz, meine Mutter im Sportverein und bei den Landfrauen und so weiter. Also ich komme aus einer Familie, wo Engagement so ein bisschen dazugehört. Das hat sicherlich auch einen Einfluss gehabt, dass ich so familiär gut geprägt war. Und wie gesagt, die Frage, die ich auch immer spannend finde, woran kann ich noch wachsen? Und das finde ich immer erstaunlich, dass das manche Menschen so gar nicht interessiert und andere wirklich immer wieder auch es gut finden, ganz andere Dinge zu machen. Und ich gehöre sicherlich zur zweiten Gruppe. Also ich wäre jetzt auch nicht so der Typ dafür, ein und dieselbe Sache zu machen. 40 Jahre zu machen. Ich glaube, also man kann auch in einer und derselben Sache sich immer weiterentwickeln. Das ist auch gar nichts Schlechtes, wer jetzt 40 Jahre im gleichen Betrieb ist und einen gleichen Job macht, kann auch da ja immer neue Dinge einbringen, Neues lernen und sich entwickeln. Klar, aber für mich ist es immer wieder auch ganz schön, wirklich was anderes zu machen, weil ich einfach merke, wie mich das fordert.
„Ich möchte die Grenzen der Empathie verschieben" – der Kampf um den Sozialstaat
Thomas Mühlnickel: Ich habe von dir den Satz gelesen, ich möchte immer wieder meine Grenzen verschieben. Welche Grenzen verschiebst du denn aktuell?
Verena Bentele: Im Moment versuche ich die Grenzen zu verschieben, wie wir über unseren Sozialstaat sprechen und denken und wie wir ihn gestalten können. Wir hören im Moment jeden Tag neue Kürzungsvorschläge und mehr Rufe nach Selbstverantwortung. Und da muss ich natürlich als Präsidentin des größten Sozialverbandes schon gut gegenhalten, weil für viele Menschen das Thema noch mehr Verantwortung zu übernehmen, ehrlich gesagt nicht ihr Thema ist. Viele Menschen erziehen Kinder, pflegen Angehörige, haben einen Teilzeit- oder vielleicht sogar Vollzeitjob, kommen kaum über die Runden, weil die Mieten steigen, haben aber auch keine Möglichkeit, eine Betriebsrente in Anspruch zu nehmen, weil es ihr Betrieb gar nicht ermöglicht. Also von daher ist dieser Ruf nach immer mehr Selbstverantwortung, finde ich, ein sehr schwieriger. Sage ich als Mensch, der selber sehr gerne Verantwortung übernimmt, aber muss das auch immer so ein bisschen realistisch sehen. Was bedeutet das eigentlich für die Menschen, wenn sie noch mehr Verantwortung übernehmen, wenn sie erfahren, aha, das Krankengeld soll vielleicht noch mehr gekürzt werden, das kommt mal wieder als Vorschlag in die Medien oder das Renteneintrittsalter soll erhöht werden. Das mag für viele von uns eine Vorstellung sein, wo wir sagen, ja, warum eigentlich nicht? Ich als VdK-Präsidentin sitze meistens in einem warmen Büro und wäre auch gerne fit, bis ich 90 bin.
Verena Bentele: Aber für viele Mitglieder, die wir vertreten, ist es eben nicht die Realität. Und da versuche ich ein Stück weit die Grenze zu verschieben. Vielleicht die Grenze der Empathie, die Grenze dessen, was eigentlich gesagt werden und erwartet werden darf, hin zu eben was Positiven. Also Empathie eben für die Lebensrealität sehr unterschiedlicher Menschen, die eben nicht alle im Bundestag sitzen und vielleicht ein Studium der Rechtswissenschaften hinter sich haben. Das ist mal ein bisschen Klischee, aber ich meine, es gibt halt auch viele andere Lebensrealitäten und ich würde gerne die Grenzen der Empathie verschieben und die Grenzen dessen, wie wir halt auch diesen Sozialstaat als was Positives sehen und als das große Vermögen, das uns allen gehört, für das wir aber auch alle gemeinsam verantwortlich sind.
Thomas Mühlnickel: Jetzt muss ich einmal ganz kurz, glaube ich, die Begriffsklärung machen. Überspräsidentin des VdK, mittlerweile seit 2018, also schon ein paar Jahre dabei, haben wir wahrscheinlich ein paar Hörerinnen und Hörer, die sagen, VdK habe ich schon mal gehört, aber was machen die eigentlich ganz genau? Was macht der VdK?
Verena Bentele: Also der VdK ist mit fast 2,4 Millionen Mitgliedern der größte Sozialverband, der auf der einen Seite den Mitgliedern Rechtsberatung gibt, wenn jemand beispielsweise nicht mehr arbeiten kann und eine Erwerbsminderungsrente beantragen muss wegen einer chronischen Erkrankung oder einer Schwerbehinderung, helfen wir den Menschen. Wir helfen ihnen, dass sie Nachteilsausgleiche bekommen, dass sie einen Zugang zu Reha bekommen oder zu Hilfsmitteln. Wir helfen und unterstützen die Mitglieder aber auch vor Ort, indem wir Veranstaltungen machen zur Information über politische Themen oder eben auch Veranstaltungen, die den Menschen einfach so ein Vereinsleben vor Ort bieten und sie damit so ein Stück weit aus der Einsamkeit holen. Und da machen dann unsere Orts- und Kreisverbände vor Ort ihre Weihnachtsfaschings- und Sommerfeste. Wir machen aber natürlich, und das ist so vor allem mein Job als Präsidentin, politische Arbeit. Nehmen Stellung zur Gesetzgebung, führen politische Gespräche mit den Ministerinnen und Ministern, mit Abgeordneten, mit anderen Verbänden, gründen Bündnisse, wo wir mit anderen Organisationen gemeinsame Sache machen. Wir machen viel Medienarbeit, auch das gehört zu meinem Job und versuchen uns zu Themen zu äußern, die politisch aktuell sind oder auch selber Themen zu setzen, wo wir glauben, die müssten mal mehr in die Medien. Auch das ist ein wichtiges Thema und wir sind eben auch ein Verband, der dafür steht, dass gesellschaftliche Werte weiterhin einen wichtigen Stellenwert haben. Also, dass wir in einer guten, stabilen Demokratie leben, dass Solidarität bedeutet, alle unterstützen eben auch die Gemeinschaft und zahlen beispielsweise in die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung ein und stabilisieren damit eben auch ein System, in dem zum Beispiel Kinder mitversichert sind und achten eben nicht nur auf sich selbst. Das ist auch für uns ein ganz wesentliches Thema.
Thomas Mühlnickel: Jetzt seid ihr. Ich baue mal eine Kausalität. Also seit du dabei bist, seid ihr extrem gewachsen. 2,4 Millionen Mitglieder ist schon eine Menge. Das ist größer als Verdi, meines Wissens.
Thomas Mühlnickel: Was machst du denn richtig im Vergleich zur Kirche und zu den Parteien?
Verena Bentele: Also es sind viele bei uns, die vieles richtig machen. Das bin gar nicht ich alleine, sondern es sind ganz, ganz viele. Und ich bin sicher, es ist eine Mischung aus unterschiedlichem. Wir machen natürlich viele Themen für unsere Mitglieder sichtbar durch unsere Pressearbeit, durch unsere politische Arbeit. Aber wir haben vor allem wirklich vor Ort, gerade in Bayern, wo ich herkomme, haben wir in ganz Bayern 69 Kreisverbände. In anderen Bundesländern gibt es eben auch die Kreis- und Ortsverbände vor Ort, die eben den Mitgliedern Beratung geben, die Veranstaltungen machen. Wir haben eine gute Kommunikationsarbeit, die den Mitgliedern eben auch immer eine Zeitung nach Hause schickt, damit die auch wissen, wofür steht eigentlich der VdK, was macht der VdK für mich und was treibt eigentlich die Bentele den ganzen Tag. Und ich glaube, dass das schon eine ganz wichtige Arbeit ist und wir versuchen eben wirklich auch intensiv durch die vielen Gespräche mit Mitgliedern, durch die Briefe, die wir bekommen oder E-Mails oder Anrufe, eben intensiv eher auf die Bedürfnisse und die Themen der Mitglieder einzugehen und die eben nach vorne zu treiben und nicht die Themen, von denen ich jetzt denke, die werden mal wichtig, sondern wir äußern uns wirklich zu dem, wie zum Beispiel Pflege, wo wir einfach wissen, unsere Mitglieder sind oft die, die zu Hause ihre Angehörigen betreuen.
Verena Bentele: Und die dafür eben auch gute Rahmenbedingungen brauchen. Also kümmern wir uns in einer Kampagne, wie wir es vor ein paar Jahren getan haben, um die nächsten Pflege, haben wir es genannt, also um die Pflege von Angehörigen, ihre Angehörigen zu Hause, wo eben über 80 Prozent der Menschen versorgt werden und gar nicht im Pflegeheim, wie man durch Medienberichte gerne denkt, sondern die allermeisten Pflegebedürftigen sind wirklich zu Hause und deren Stimme sind wir dann eben auch.
Thomas Mühlnickel: Wir zeichnen, ich muss das kurz sagen, wir zeichnen am 13. April auf. Die Sendung ist relativ frisch, wenn sie rauskommt, aber trotzdem, man weiß ja heutzutage nie, wann die nächste Reform angekündigt wird. Gerade in diesen Wochen nicht.
Verena Bentele: Das ist echt unübersichtlich, das stimmt.
Thomas Mühlnickel: Friedrich Merz hat ja vor einem Jahr schon den Herbst der Reform angekündigt, der kam dann so nicht. Jetzt wird gerade sehr viel über Reformen debattiert. Lars Klingbeil hat vor kurzem eine sehr beachtete Rede gehalten, wo er auch ankündigt ist, muss ich viel mehr im Land verändern und tun. Das ist wahrscheinlich für euch jetzt auch so eine Großkampfzeit fast, wo ihr wirklich viel schauen müsst, was passiert, viele Gespräche führen müsst im Hintergrund. Wie schätzt du denn diese Debatte gerade ein? Weil es geht ja immer sehr viel um Reformen am Gesundheitssystem, am Rentensystem, also an all dem, was den Sozialstaat in Deutschland auch ausmacht. Wie schätzt du es gerade ein?
Verena Bentele: Eben die Zuckersteuer mir bringen, fürs Gesundheitssystem? Auf der einen Seite damit eben auch präventiv, weil zuckerhaltige Getränke teurer sind, aber auf der anderen Seite, indem ich eben auch mehr Geld generiere für dieses Gesundheitssystem, auf das wir alle eben auch angewiesen sind. Und für mich ist deswegen im Moment eigentlich die Frage, wie konstruktiv führen wir die Debatte? Schreit immer sofort jemand, nein, das geht nicht? Oder auch wir als Sozialverband, aber eben auch die Leistungserbringer, die Versicherten, privat und gesetzlich Versicherten, setzen sich eben auch wirklich gemeinsam hin und diskutieren konstruktiv über Reformen, ohne dass immer gleich eine Seite schreit, das geht für mich nicht. Das ist, glaube ich, im Moment wirklich der jetzt gravierende Punkt, wo wir natürlich alle immer wieder stecken und hängen bleiben. Sobald ein Vorschlag kommt, geht von irgendeiner Seite der Ruf los, das geht auf gar keinen Fall. Und es ist halt immer eine Seite, die davon vielleicht ein Stück weit Nachteile befürchtet. Und ich glaube, dass da im Moment viel Potenzial drinsteckt. Wenn wir wirklich konstruktive Reformen wollen, funktioniert es eben nicht, indem immer wieder zum Beispiel Streichdebatten geführt werden wie, lasst uns mal den Zahnersatz aus der gesetzlichen Krankenversicherung rausnehmen. Da kannst du dir ja vorstellen, was bei uns passiert. Dann klingeln dem VdK die Telefone und die E-Mail-Postfächer überlaufen, weil uns Menschen fragen, wie sollen wir das denn machen mit einem kleinen Einkommen oder als Rentnerin, wenn mir der Zahnarztbesuch nicht mehr bezahlt wird. Am Ende war das ja nur ein Vorschlag. Aber klar, solche Vorschläge bringen sofort bei vielen Menschen sehr viele Ängste zutage. Und deswegen sollten da meines Erachtens wirklich die Vorschläge konstruktiv und in einer vernünftigen Form diskutiert werden, ohne einseitig beispielsweise nur die Versicherten zu belasten.
Thomas Mühlnickel: Ja, ich glaube, das Forum Romanum, wo einfach alle stehen konnten und ihre Meinung kundtun konnten, das ging vielleicht in einem Stadtstaat wie Rom. Ich glaube, das funktioniert nicht bei 83 Millionen Menschen im Land, dass man einfach jeden Vorschlag lauthals und hin und her debattiert, statt dir vielleicht erstmal zu überlegen, ob er Sinn macht oder nicht, bevor es schon laut durch die Medien geht. Wie nimmst du das denn wahr, dieses Thema Aufmerksamkeitsökonomie? Und je lauter du brüllst, umso mehr tauchst du auf und umso mehr kannst du vielleicht was anderes verhindern. Das ist ja ein sehr, ich finde immer sehr ermüdendes Wesen mittlerweile in Deutschland.
Verena Bentele: Es ist super ermüdend. Das Problem ist sicherlich ein Stück weit, dass natürlich alle irgendwie auch mitmachen. Klammer auf müssen, Klammer zu. Weil man anders ja gar nicht mehr durchdringt eigentlich so mit seinen Themen. Und das macht es, finde ich, schon relativ schwierig, auch natürlich für uns. Ich versuche auch immer in den Pressemitteilungen schon genau hinzugucken und zu überlegen, wie können wir das gut formulieren, ohne dass jetzt direkt es zu reißerisch ist, weil ich das eigentlich auch nicht mitmachen will. Ich glaube, es geht tatsächlich nur, indem wir uns da alle so ein bisschen mäßigen und zum Beispiel Vorschläge, die gemacht werden, dann auch wirklich mal in einer vertraulichen Runde gemacht werden und die nicht irgendjemand liegt oder rausplappert, bevor sie nicht durchdacht sind und bevor nicht die Konsequenzen, was das für den Einzelnen oder die Einzelne bedeuten kann, eben mitbedacht wurden. Und wir sehen das heute wirklich, dass eben auch jedes Jahr wieder neue Vorschläge gemacht werden, die wir letztes Jahr schon mal hatten und das Ganze passiert im Wochenrhythmus. Also jedes Wochenende fordert irgendjemand Streichungen im Gesundheitswesen, die Erhöhung des Renteneintrittsalters. Dass irgendjemand wird garantiert wieder sagen, der Sozialstaat ist zu teuer und ist eigentlich mehr ein Problem, denn Teil der Lösung. Und vielleicht müssen wir uns da wirklich oder nicht vielleicht, sicher müssen wir uns da alle immer wieder hinterfragen, wie wir dem eben auch so ein bisschen entgegenwirken können durch mehr konstruktive Vorschläge, durch etwas mehr Bedachtsamkeit, und vielleicht auch die Frage, wie gesagt, was sind die Konsequenzen auch für unterschiedliche Menschen? Weil einfach nur zu sagen, brauchen wir nicht, wollen wir nicht, muss gestrichen werden. Naja, es wird halt am Ende immer irgendwen treffen.
Soziale Marktwirtschaft und Leistungsgerechtigkeit: Was echte Leistung bedeutet
Thomas Mühlnickel: Wir hatten ja, wir haben in Deutschland die soziale Marktwirtschaft und ich finde, das ist eine deutsche Errungenschaft, die ist wirklich etwas sehr Besonderes in der Welt. Man erinnert sich aber gar nicht so recht, wie war das eigentlich früher bei Helmut Kohl, das ist jetzt auch schon bald 30 Jahre her, aber bei Helmut Kohl gab es noch eine Vermögensteuer und es gab auch noch einen Spitzensteuersatz von 52 Prozent. Damals wurde auch Kapitalerträge nicht so versteuert wie heute mit 25 Prozent, worauf wir ja schon sehen, dass wer viel Vermögen hat und auf der hohen Kante Geld liegen hat oder in Aktien liegen hat, deutlich mehr hochrechnen kann als jemand, der dafür arbeiten gehen muss und einfach mehr Steuern darauf zahlt und mehr Sozialabgaben. Warum kommen wir in dieser Debatte nicht mehr zurück zu dem Punkt, dass wir es früher schon deutlich fairer hatten und diese Fairness ein Stück weit verloren gegangen ist?
Verena Bentele: Das ist eine sehr gute Frage. Also für mich ist ein Schlüsselelement des Ganzen, dass wir heute immer wieder dieses Narrativ mitnehmen. Vorgekaut kriegen oder erzählt bekommen von der Leistungsgesellschaft. Und das ist für mich als jemand, der jetzt wirklich Leistung auch schön findet. Ich war ja mal Leistungssportlerin, also ich fand das mal richtig toll, im Sport die Beste zu sein. Ich finde es auch heute in der Arbeit noch gut, wenn ich meine Sache gut mache. Aber es ist tatsächlich ein bisschen eine verquere Vorstellung zu sagen, wir versteuern Kapitalerträge geringer als Arbeitseinkommen. Das ist für mich jetzt ehrlicherweise nicht ein Leistungsprinzip, das ich so richtig nachvollziehen kann. Also was wir als Gesellschaft sicherlich brauchen, ist mal ein anderes Verständnis davon, wie wir eigentlich Leistung einschätzen, was bei uns alles Leistung ist, dass zum Beispiel Sorgearbeit auch eine Form von Leistung ist und nicht einfach, was wir als Sozialstaat als gegeben ansehen oder als Gesellschaft. Das wäre für mich eigentlich so ein ganz wichtiges und spannendes Thema, dass wir uns diesem Begriff der Leistungsgerechtigkeit wieder nähern und das bedeutet aber auch, dass wir dann eben nicht von manchen in Deutschland gerne geführten Unterbietungswettbewerbstellen, wenn es wieder mal um die Vermögens- oder Erbschaftsbesteuerung geht, dass dann sofort gewisse Ministerpräsidenten aus dem Südosten rufen. Also bei mir wird es dann am niedrigsten sein. Kommt alle ins schöne Bayern, da wird das auf jeden Fall attraktiver sein als in anderen Bundesländern, so wenn wir uns dem Thema nicht mehr positiv nähern. Und wie du sagst, das war früher auch schon mal anders und war jetzt nicht eine Idee von sehr wilden Linken, wie das heute gerne dargestellt wird von manchen, sondern war ja früher wirklich auch nach dem Zweiten Weltkrieg, wo wir mal eine Vermögensabgabe hatten. Also es gab ja immer wieder schon Phasen in unserer Geschichte in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, wo eben die Menschen, die mehr Vermögen und Möglichkeiten hatten, eben auch herangezogen werden. Und das finde ich schon für uns eigentlich eine spannende Debatte, die wir führen müssen, wenn wir wieder mehr Gerechtigkeit haben wollen, die auch für alle Gerechtigkeit bedeutet und nicht nur für einige wenige.
Thomas Mühlnickel: Wir haben ja Zeit hier im Podcast. Lass uns doch das Thema Leistungsgesellschaft nochmal zusammen betrachten, weil ich nehme es auch oft so wahr, Leistungsgesellschaft ist ein Titel im Job, es ist ein Porsche, es ist Urlaub auf Sylt, whatever, dass sehr viel Leistung mit Prestige und Image einfach verwechselt wird und eben auch teilweise sogar nicht verdienten Vermögen. Das kann jeder von mir aus haben. Ich habe da nichts dagegen. Aber deshalb bist du für mich noch kein Leistungsträger in der Gesellschaft, nur weil du Geld geerbt hast. Man geriert sich aber oft so. Wie kriegen wir es denn hin, dass die breite Masse von Leuten, die so still sind, die nicht laut auftauchen, dass die auch als Leistungsträger in der Diskussion wieder wahrgenommen werden.
Verena Bentele: Das ist, finde ich, echt die spannende Frage oder spannendste unserer Zeit, weil wir uns das als Sozialverband in unserem Verband, aber auch in dem Bündnis, das wir gerade haben, für einen gerechten Sozialstaat immer wieder und immer mehr fragen, wie kriegen wir die Stimme der Menschen mit viel Power auch ins Ohr der politisch Verantwortlichen. Und das ist wirklich eine Herausforderung, weil wir als Sozialverband fordern das natürlich, wir versuchen den Menschen eine Stimme zu geben, aber am Ende ist es glaube ich schon nötig und wichtig, dass viele Menschen sich eben auch trauen, entsprechend laut zu werden und entsprechend das eben auch einzufordern. Und ich kann es auch nicht ganz klar beantworten. Ein Thema ist sicherlich, dass die Deutungshoheit einfach heute oft bei denen liegt, die sich gut ausdrücken können, die vielleicht auch Zugang zu Medien haben, sei es zu den etablierten Medien oder sozialen Medien, die dort eben die Deutungshoheit haben, die auch mit sehr viel Selbstbewusstsein vortragen, was alles ein Leistungsträger ist und wer das ist und welche gut ausgebildeten Menschen hier die Leistungsträger sind, die vielleicht mittelständische Firmen erben.
Verena Bentele: Was ja ich auch nicht abstreiten würde, natürlich gehören die auch zu den Leistungsträgern, aber ein Leistungsträger leistet auch dann viel, wenn er eben der Gesellschaft viel gibt, wenn er ihr in dem Fall, wenn wir jetzt vom mittelständischen Unternehmen ausgehen, natürlich auch Arbeitsplätze gibt und Strukturen und Innovationen, aber sich natürlich auch beteiligt an der Finanzierung genau dieser Gesellschaft. Und das würde dann ja ganz einfach gehen, wenn man eben auch sieht, ich profitiere davon, dass viele Menschen an meinem Unternehmen, an meinem Gewinn, an meiner Innovation, an meinem Fortbestand, an meiner Entwicklung mitarbeiten. Spätestens dann ist es ja auch kein abwegiger Gedanke mehr zu sagen, ich profitiere von dieser Gesellschaft und von der Leistungsfähigkeit vieler anderer. Und bei uns wird das oft sehr dogmatisch diskutiert. Wir fordern eine Besteuerung sehr großer Erbschaften oder Vermögen und dann kommt danach der Brief der Familienunternehmer, die sagen, wieso, wir haben doch schon unseren Beitrag geleistet und jetzt hört man auf mit dieser Neiddebatte. Also so rum ist immer eine Neiddebatte, aber eben bei Sozialleistungen geht es immer schnell darum, dass da Menschen das System eben ausnutzen. Also auch da ist die Welt sehr verquer, weil die Menschen, die Sozialleistungen benötigen, eben nicht so eine Stimme haben, nicht so einen Zugang zu politischen Möglichkeiten und nicht so einen Zugang haben zu Medien. Und deswegen sehe ich schon auch den Job der Sozialverbände, der Gewerkschaften, vieler anderer darin, genau diese Zugänge eben auch für andere Perspektiven und Meinungen zu schaffen.
Thomas Mühlnickel: Ich habe mir gerade währenddessen eine Idee gemacht, einen Vorschlag. Wir könnten ja den Erfolg, den Leistungsgedanken, wie viel Leistung trägst du für die Gesellschaft, ja auch mal wirklich als Leistung für die Gesellschaft betrachten, statt als individuellen Erfolg. Weil wir sehr viel Erfolg mittlerweile, wir ticken irgendwie so, immer sehr personalisieren, statt zu berechnen oder einfach mal darzustellen, wie viel trägst du eigentlich bei, damit diese Gesellschaft hier funktioniert. Und vielleicht ist das genau dieser Switch im Narrativ und dieser Switch in dem Fokus, in der Betrachtung, um wieder zu dem Punkt rüber zu kommen, was tust du für uns alle, statt nur was tust du für dich, damit du erfolgreich bist.
Verena Bentele: Fände ich total spannend, wie wir das eben auch bewerten oder wie wir das einbinden. Die Diskussion haben wir immer wieder zum Beispiel, was bedeutet eigentlich, sich ehrenamtlich zu engagieren? Kriege ich dafür eine Freistellung für Weiterbildung? Kriege ich dafür einen gratis Eintritt ins Schwimmbad? Oder kriege ich dafür andere Möglichkeiten? Oder auch natürlich eher das ein Thema, aber auch wie bewerten wir Arbeit. Das ist ja auch spannend und wenn man sich da mal ehrlich macht, ist es ja auch sehr künstlich gemacht. Also wir haben uns irgendwann dafür entschieden, dass bestimmte Berufsgruppen mehr verdienen als andere. Das war irgendwann eine Entscheidung, die von Menschen gemacht wurde. Es ist ja nicht gegeben, dass jetzt zum Beispiel die Pflegekraft oder die Kassiererin weniger verdienen als andere Berufsgruppen, als der Ingenieur zum Beispiel, der in der Autoindustrie arbeitet, dem ich sein Gehalt auch gönne. Aber wir haben uns irgendwann ja auch mal dafür entschieden, dass die Gehälter unterschiedlich bewertet werden und das mal zu hinterfragen und zu überlegen und zu gucken, was ist uns eigentlich wichtige gesellschaftliche Arbeit wert, wie die Erziehung, Betreuung von Kindern und Jugendlichen und die Bildung. Was ist uns wert, dass Menschen gut und würdig gepflegt werden? Was ist uns wert, dass jemand schaut, dass unser tägliches Leben läuft und die ganze Infrastruktur erhalten ist? Das ist schon, finde ich, eine spannende Frage, die wir nicht aus dem Blick verlieren dürfen.
Thomas Mühlnickel: Und das ja auch nicht gleich heißt, dass es sozialistisch, kommunistisch alles gleich gemacht werden soll, sondern nur die Frage ist, was ist es uns wert?
Verena Bentele: Genau, was ist uns wert und was haben wir für ein Bewusstsein dafür? Also mir geht es auch gar nicht um Gleichmacherei oder wie gesagt, dass ich dem Ingenieur beim Daimler oder bei BMW nicht sein Gehalt gönne, sondern mir geht es um Bewusstsein dafür, was sind uns andere Tätigkeiten in und für die Gesellschaft wert und ist es uns zum Beispiel wert, dass auch eine Familie in einer Stadt wie Berlin sich weiterhin eine Wohnung leisten kann? Und dafür muss ich dann aber eben auch Rahmenbedingungen schaffen, wenn ich eben sage, ich überlasse den Wohnungsmarkt, die Mieten nicht allein den Kräften des freien Marktes und setze darauf, dass schon irgendwer sich das noch leisten können wird und die anderen müssen halt weiter rausziehen, sondern ich sage, okay, ich möchte vielleicht auch, dass jemand, der ein normales Einkommen hat, auch mit seinen Kindern noch in Berlin oder Frankfurt, München oder Hamburg leben kann.
Thomas Mühlnickel: Wenn man jetzt sagt, das, was dir Verena erzählt, klingt alles gut und sinnvoll und das ist eine gute Arbeit, die der VdK macht. Wie kann man euch unterstützen?
Verena Bentele: Also man kann Mitglied werden bei uns, ganz einfach. Geht übers Internet oder über eine Geschäftsstelle vor Ort. Man kann uns natürlich unterstützen, wenn man Mitglied ist, sich auch bei uns engagiert in unseren Gremien. Da sind wir strukturiert wie viele andere Organisationen, dass wir unsere Gremien haben, unsere Vorstände, dann das Präsidium auf Bundesebene, da kann man sich gut engagieren. Man kann unsere Themen und Forderungen unterstützen, auch das geht. Man kann aber natürlich auch in anderen mit uns gemeinsam arbeiten oder befreundete Organisationen, in denen kann man uns unterstützen. Aber wie gesagt, bei uns kann jeder Mitglied werden und sich bei uns einbringen, engagieren und ich freue mich über alle, die das tun.
Thomas Mühlnickel: Verena, magst du mir kurz fünf Sätze vervollständigen?
Verena Bentele: Auf jeden Fall.
Thomas Mühlnickel: In der Öffentlichkeit beeindruckt mich derzeit.
Verena Bentele: Wenn jemand erst nachdenkt, dann spricht.
Thomas Mühlnickel: Das gibt's?
Verena Bentele: Hoffe ich mal. Du wolltest jetzt eigentlich eine Person, aber den Gefallen konnte ich dir gerade nicht tun. Sorry.
Thomas Mühlnickel: Über Deutschland denke ich.
Verena Bentele: Dass wir so viele Möglichkeiten und Potenziale haben, wir sollten sie positiv nutzen.
Thomas Mühlnickel: Wir sollten mehr Wert legen auf.
Verena Bentele: Gemeinschaft, Zusammenhalt und Leistungsfähigkeit, die nicht nur dem Einzelnen, sondern allen dient.
Thomas Mühlnickel: Ist jetzt gemein, du bist Jahrgang 82, trotzdem frage ich es. Der nachfolgenden Generation rate ich.
Verena Bentele: Achtet aufeinander, geht schonend mit Ressourcen um und freut euch daran, wenn ihr in einer Umgebung leben dürft, wo wir Frieden und Demokratie haben. Das ist nicht selbstverständlich.
Thomas Mühlnickel: Morgen wird besser als heute, weil?
Verena Bentele: Es Menschen gibt, die sich für das Positive und Gute einsetzen und die daran glauben, dass diese Welt ein guter Ort ist und die nicht resignieren.
Thomas Mühlnickel: Vielen Dank dafür.
Verena Bentele: Bitte.
Ehrenamt als Staatsziel – warum es ins Grundgesetz gehört
Thomas Mühlnickel: Du hattest eben schon mal ganz kurz das Thema Ehrenamt geschnitten. Ich habe von dir gelesen, du hättest gesagt, das soll man bitte ins Grundgesetz aufnehmen, dass das Ehrenamt sowas wie ein Staatsziel sogar werden sollte. Wie hast du das gemeint?
Verena Bentele: Also ich finde einfach wichtig und gut, dass das Ehrenamt einen hohen Stellenwert hat und auch behält und wir uns bewusst sind, dass das Ehrenamt auf der einen Seite wirklich wertvoll ist und eben auch schützend und unterstützenswert auch von staatlicher Seite. Aber es geht ja auch nicht immer nur darum, was der Staat uns für Rahmenbedingungen schafft, sondern es geht ja auch darum, was wir uns für ein Bewusstsein als Gesellschaft geben. Und da ist natürlich das Thema Ehrenamt eins, dass wir uns auch nicht wie ein Rezept vom Arzt verordnen lassen können, sondern wo es schon Menschen dafür braucht, die sagen, ja, ich mache das gerne, ich mache das, weil es mir Spaß macht. Ich mache das, weil ich es sinnvoll finde, weil ich was Gutes darin sehe, mich zu engagieren. Ich finde Ehrenamt entscheidend, weil ich dann eben auch vielleicht in einem ganz anderen Bereich tätig werden kann, wie meinem beruflichen oder meiner Ausbildung entsprechenden. Ich habe auch selber die Möglichkeit, etwas Positives zu geben, aber im Ehrenamt ja auch zu erhalten an Input, an Bereicherung, an Leidenschaft, an neuen Erfahrungen. Und deswegen finde ich dieses Verankern des Ehrenamts als ein wichtiges Staatsziel wichtig auf der einen Seite für gute politische Rahmenbedingungen. Heißt also beispielsweise, dass es Bildungszeitgesetze gibt und Menschen, die sich ehrenamtlich betätigen, eben auch eine Möglichkeit haben, sich freistellen zu lassen, um Weiterbildungsmöglichkeiten fürs Ehrenamt zu nutzen, auf der einen Seite. Aber auf der anderen Seite finde ich, ist es ja auch wirklich was, was uns als Gesellschaft ausmacht, wenn wir klar dazu stehen, Ehrenamt heißt eben, dass es auch nicht nur um eine oder eben gar nicht um eine Berechnung geht, ich investiere Folgendes an Leistung und kriege was zurück, sondern dass das eben eine sehr offene und ja, positive Möglichkeit ist, sich eben einzubringen für andere, für die Gesellschaft, für unsere Veränderung, Entwicklung, für unser Wachstum.
Thomas Mühlnickel: Das ist ja in Zeiten, wo wir debattieren, was macht die KI eigentlich mit unserer Arbeit? Wo wird die Robotik gemeinsam mit KI am Ende mit unserer Arbeit hingehen? Haben wir alle noch Arbeit? Wie funktioniert das in Zukunft? Ist das ja sogar eine sehr spannende Frage zu schauen, ob gesellschaftliche Arbeit, ehrenamtliche Arbeit am Ende eben auch ein Teil von dem sein wird, wie wir uns zukünftig den Tag vertreiben.
Verena Bentele: Ich finde das auch, wie du sagst, eine spannende Frage, was Ehrenamt zukünftig bedeutet, was es auch für ehrenamtliches Engagement braucht, das eben auch nicht einfach mal durch die KI übernommen wird. Das ist ein Teil der ganzen Frage und ein anderer natürlich schon dann auch, wie bewerten wir Engagement für die Gesellschaft zukünftig? Wie besteuern wir beispielsweise Unternehmen, die durch KI Gewinne generieren? Auch das wird uns schon alle fordern, weil es wird zweifelsohne eine Veränderung des Arbeitsmarkts geben. Es werden Jobs wegfallen, werden auch einige neue entstehen, aber es werden auch viele wegfallen. Und umso wichtiger wird dann, dass die Menschen, die sich engagieren, die sich ehrenamtlich einbringen, auch unterstützt werden, dass die Menschen leben können, dass sie ihren Alltag bestreiten können. Also wird uns auch das auf jeden Fall fordern, wie sich Ehrenamt eben auch einfügt in eine Gesellschaft von morgen, in der die Arbeitswelt eben auch eine andere sein wird. Und wo ja der eine oder andere vielleicht auch mehr Zeit haben wird, indem eben die eine oder andere Tätigkeit auch durch die KI ermöglicht.
Verena Bentele: Übernommen wird, gibt es mehr Zeit und die muss ich ja nicht nur zu Hause auf meiner Couch verbringen, sondern die kann ich ja auch im Ehrenamt verbringen, aber dann kommt wie gesagt die nächste Debatte, wie finanziere ich dann meinen Alltag und da haben wir im Moment in Deutschland ja schon eine sehr definierte Form, also die ist natürlich auch vielfältig, ich kann, wie es manche Menschen tun, erben, ich kann, wie ich es mache oder viele andere arbeiten gehen, ich kann in Aktien investieren. Aber es gibt eben auch Menschen, die nicht erben, die dann eben vielleicht nicht mehr ihren Job haben und sich erst weiterentwickeln müssen, um einen anderen Job zu finden, die sich dann vielleicht ehrenamtlich engagieren. Und für die müssen wir uns als Gesellschaft auch Gedanken machen, wie werden wir uns weiterhin als Gesellschaft so aufstellen, dass wir eben nicht ganz, ganz viele Verlierer haben durch beispielsweise mehr Robotik, mehr KI, mehr andere Systeme.
Thomas Mühlnickel: Ja, und wir sind ja soziale Wesen. Wir brauchen die Umgebung von Menschen. Alleine sein ist für die allermeisten von uns sehr schwierig. Und wir brauchen auch Feedbacks. Und viele, viele Menschen erzählen aus dem Ehrenamt, dass sie genau das da bekommen. Dass sie da dieses Feedback kriegen, ich habe was für jemanden getan, es hat mich jemand danach angelächelt und jemand hat sich gefreut. Das ist ja genau das, worum es im Ehrenamt ein Stück weit ja auch geht, in der Gemeinschaft zu sein und aus der Gemeinschaft für sich auch wieder was mitnehmen zu können.
Verena Bentele: Absolut. Und es geht auch darum, eben, wie du sagst, soziales Feedback zu kriegen, die Freude mitzukriegen, die Begeisterung, die neue Erfahrung auch mitzukriegen, dadurch vielleicht auch einen neuen Blickwinkel zu bekommen. Das, was uns Wenn Beratungsfirmen im Job mühsam versuchen, wechsel mal deine Perspektive, kann ich auch im Ehrenamt kriegen, indem ich wirklich was ganz anderes mache, was mit meiner Arbeit eben nichts zu tun hat. Deswegen ist für mich zum Beispiel mein Ehrenamt im Sport auch immer noch toll, weil ich da die Möglichkeit habe, eben auch mit den Menschen zu sprechen und zu kommunizieren, zu interagieren, die eben dann wirklich beim Kindertouren stehen oder beim Ballett oder beim Fußball oder wo auch immer bei der Leichtathletik und da den Kindern, Jugendlichen, Senioren, wem auch immer einfach was beibringen, mit denen auf Wettkämpfe fahren, deren Freude sehen, wenn ein Spiel gewonnen ist oder deren gemeinsame Enttäuschung, wenn man eben abgestiegen ist. Das ist wirklich für die Menschen, die das machen, ja eine riesige Bereicherung, die ihnen auch für alle anderen Bereiche ihres Lebens, Arbeit, Privatleben extrem viel nutzt.
DOSB, Olympia und warum Deutschland die Spiele braucht
Thomas Mühlnickel: Jetzt wo du gerade das mit dem Sport angesprochen hast, du bist ja auch nebenbei noch Vizepräsidentin vom DOSB. Also du machst das nur mit diesen großen Organisationen. Keine kleinen Sachen.
Verena Bentele: Genau, aber das ist jetzt auch genau, ich könnte mir genauso vorstellen, dass auch irgendwann in einem kleineren Rahmen, zumal im Moment bin ich beim Deutschen Olympischen Sportbund, bei der Dachorganisation des deutschen Sports als Vizepräsidentin aktiv und das ist natürlich für mich als Sportlerin auch eine Herzenssache, das als mein Ehrenamt zu haben, weil ich da die Möglichkeit habe, über viele Dinge zu diskutieren. Zum Beispiel neulich ging es darum, wie wichtig Frauen auch in Führungspositionen im Sport sind oder überhaupt in Positionen als Trainerin, Übungsleiterin, als aber auch Verbandspräsidentin, wo auch im Sport wir das gleiche erleben wie in der Gesellschaft, dass zwar sehr viele Frauen Sport machen, aber in den Positionen, wo es um die Entscheidung geht, immer noch zu wenige Frauen sind. Da konnte ich neulich in der Veranstaltung mitwirken. Das ist für mich dann einfach auch eine ganz, ganz große Herzenssache und für mich ein wunderschönes Ehrenamt, das ich da durchführen darf.
Thomas Mühlnickel: Im Herbst steht ja in Deutschland die Entscheidung an, mit welcher Bewerbung man sich bewerben möchte. Ich glaube Hamburg, München, Berlin und Rhein-Ruhr sind immer im Rennen. Ich als in Hamburg Lebender habe da eine ganz klare Meinung, wer es sein sollte. Es gibt ja eigentlich an allen vier Standorten gerade die gleiche Debatte. Die einen, die sagen, auch total cool, lass das bloß werden, wie es in Paris war und es werden Megaspiele und wir wollen die unbedingt hier haben.
Verena Bentele: Und dann gibt es immer auch die anderen, die sind auch vollkommen legitim, die sagen, das ist alles riesig teuer, das ist Gigantonomie, wer weiß, wo dann irgendwo am Ende beim IOC die Gelder versickern. Da stehen sich so zwei Lager gegenüber. Ich ahne jetzt zwar, wie deine Sicht darauf ist oder wie du das einschätzt, aber was sagst du den Leuten, die so superkritisch gegen olympische Spiele stehen?
Thomas Mühlnickel: Ich sage Ihnen erstmal, wir haben in Deutschland und ich muss mich jetzt als in München Lebende hier neutral verhalten, weil ich am 26.09. bei der Sitzung sein werde des Deutschen Olympischen Sportbundes, wo entschieden wird, welche Stadt es am Ende wird. Und im Moment sind wir ja noch in einer spannenden Vorphase. Deswegen habe ich hier natürlich noch keine Meinung. Aber ich werde den Kritikern immer sagen, in Deutschland an allen Standorten haben wir die große Chance, absolut nachhaltige, schöne Spiele auszurichten auf und in Anlagen, die schon da sind oder die temporär gebaut oder dann nachgenutzt werden. In allen vier Städten, Schrägstrich Regionen brauchen wir Infrastrukturprojekte, wir brauchen Wohnraum und der kann natürlich mit den Olympischen und Paralympischen Spielen entstehen. Und jetzt muss eben wirklich das Ziel sein, genau eben nicht mehr alles noch größer.
Verena Bentele: Gigantischer und mehr zu machen, sondern eben nachhaltig mit der ganzen Gesellschaft, mit dem Leben der Sportlerinnen, Sportlern vor Ort, mit den Menschen, die in einem Land leben, die eben wirklich einzubinden. Das muss heute das Ziel sein. Also ich würde den Kritikerinnen und Kritikern immer sagen, wir müssen über das Ziel sprechen, das wir mit den Spielen verbinden. Und dann wird auch spannend, ob wir international mit diesem Ziel eben durchsetzungsfähig sind. Ich glaube daran, dass auch das IOC das sehen wird, dass wir mit Spielen, die zu unserem Land passen, die zu unseren Gegebenheiten passen, die eben bedeuten, wir wollen nachhaltig sein, dass wir damit eben auch Erfolg haben können. Und das sollte unser Ziel sein, von dem wir uns nicht abbringen lassen.
Thomas Mühlnickel: Die WM 2006 in Deutschland hat mit diesem Land ja damals was gemacht. Deutschland fand sich plötzlich selber cool. Irgendwie war das Land plötzlich in sich selbst verliebt und wurde auch weltweit als sehr guter Gastgeber wahrgenommen. Das ist sehr unbestritten, dass das dem Land in Summe einfach gut getan hat, die WM zu haben. Ich fand, die Europameisterschaft ist gerade so ein bisschen eher vorbeigelaufen. 2024 würde uns auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und fürs Wir-Gefühl so eine Olympia-Paralympia-Ausrichtung mal guttun.
Verena Bentele: Ich bin schon der Überzeugung, dass uns olympische, paralympische Spiele richtig gut tun würden, um einfach auch den Zusammenhalt zu erleben, um Erfolge und einfach schöne Momente gemeinsam zu erleben, die man teilen kann, um eben auch was wirklich zu tun und zu entwickeln, was vielen Menschen am Ende nützt. Das sehe ich schon als was super Positives. Auch da, klar, wird es im Vorfeld viele Diskussionen geben. Die hatten wir noch vor jeden Olympischen und Paralympischen Spielen. Was da alles nicht klappt und was schiefläuft und welche Bobbahn nicht fertig wird und was weiß ich. Die Diskussionen kennen wir alle. Aber für mich wäre wirklich die große Chance wie 2006, wo wir alle den halben Sommer in irgendwelchen Public Viewings, weil nicht im Stadion, weil Tickets weg oder zu teuer oder wie auch immer. Ich habe damals studiert und hing einfach jeden Abend in irgendeinem Public Viewing mit Leuten rum. Das war super. Das war ein richtig schöner Sommer. Und unser Olympiapark damals war sehr belebt durch die Fußball-WM-Videos.
Verena Bentele: Es waren super viele Menschen in der Stadt. Also ich habe das wie viele Menschen in einer absolut positiven Erinnerung. Und das zu generieren mit Spielen in Deutschland, fände ich im Moment eine große Chance, wo wir einfach auch dringend positive Erlebnisse, eine positive Berichterstattung und Positives, worauf wir uns freuen können, dringend brauchen im Moment. Und ja, wo wir einfach weltweit, wenn wir die Nachrichten anmachen, von so vielen Krisen, Kriegen und schwierigen Situationen hören, ist ja auch genau was Positives mal wichtig, um sich einfach auch wieder auf was freuen zu können.
Thomas Mühlnickel: In deinem Buch, Wir denken neu, hast du beschrieben, dass Deutschland sich spaltet. Das meintest du nicht so rein materiell mit Klassenunterschieden, sondern das meintest du eher auch im Denken und Fühlen.
Thomas Mühlnickel: Was meinst du damit? Was spaltet sich da?
Verena Bentele: Also ich meine beides, materiell auch, aber auch im Denken und Fühlen. Es gibt einfach heute viele Menschen, die die Probleme anderer nicht mehr zu ihren machen wollen und die eben auch der Meinung sind, jeder muss mal so ein bisschen selber gucken. Aber so funktioniert unsere Gesellschaft in meinen Augen eben nicht, sondern sie funktioniert nur, wenn wir vieles eben wirklich gemeinsam anpacken, Herausforderungen gemeinsam lösen, wenn wir daran interessiert sind, eben auch als Gesellschaft positive Wege gemeinsam zu gehen. Das ist für mich schon eine wichtige Voraussetzung. Bedeutet also, um es mal nicht so abstrakt zu machen, dass wir uns auch alle dazu bekennen, dass Sozialversicherungssysteme, in die alle einzahlen, eben auch was Positives sind. Und wenn ich jetzt in meine gesetzliche Krankenversicherung einzahle, dann unterstütze ich damit eben auch die Menschen, die beispielsweise Kinder haben oder wo eben vielleicht ein Elternteil nicht arbeiten kann, weil die Kinderbetreuung gar nicht da ist und das Elternteil muss eben zu Hause bleiben und es ist aber mitversichert. Das unterstütze ich mit meinem Beitrag und ich sehe das als etwas Positives und sehe das nicht als etwas, was mir weggenommen wird. Das ist unter anderem so ein Denken und Fühlen, das ich mir wünsche für viele Menschen. Dass sie die Probleme, die sie gerade selber nicht haben, nicht als so abstrakt sehen. Und wir sehen das zum Beispiel im Moment, geht es viel darum.
Verena Bentele: Und ich hätte immer gerne, dass wir so ein bisschen mehr uns einfach da auch reinversetzen können in Themen, die vielleicht nicht gerade unsere nur sind.
Thomas Mühlnickel: Ich springe noch einmal ein Thema weiter, das ich gerne noch besprechen möchte. Du hast mal gesagt, mehr Sozialabbau führt zu mehr Extremismus. Der Extremismus ist in Deutschland ja, vor allem der Rechte, seit zehn Jahren deutlich auf dem Vormarsch.
Thomas Mühlnickel: Wie hängt Sozialabbau und Extremismus zusammen in deiner Sicht?
Verena Bentele: Also wir sehen eben in den Regionen, wo es schlechtere Anwendungen gibt mit öffentlichen Personalverkehrsmitteln, wo es weniger Arbeitsplätze gibt, wo mehr Menschen sich eben auch nicht eingebunden fühlen, ist eben auch das Wahlverhalten hin zu extremistischen Parteien größer. Und deswegen ist für mich immer ein ganz wichtiges Element, wie wir Menschen mitnehmen und ihnen aber auch die Möglichkeiten geben und das Gefühl geben, du kannst hier selber auch was positiv verändern. Das ist für mich auch immer ein ganz wichtiges Thema von politischem Engagement oder Sozialverbandsengagement, dass wir nicht alles als so abstrakt sehen, die da oben und wir da unten. Ich sehe das tatsächlich nicht so, weil Politik und Staat sind wir alle. Wir alle sind der Sozialstaat. Wir unterstützen diesen und finanzieren diesen Sozialstaat mit unseren Sozialversicherungsabgaben, mit unseren Steuern und die Erkenntnis wieder mehr zu den Menschen bringen.
Verena Bentele: Muss einfach auch ein wichtiges Thema sein. Und das bedeutet aber auch, ihnen zu sagen, Mensch, du hast die Möglichkeit, eben zum Beispiel auch in der Grundsicherung an der Qualifikation teilzunehmen, dass du dann eben einen Job finden kannst danach und eben nicht von Sozialleistungen lebst, sondern wieder von deiner Arbeit. Und genau dieses Gefühl, Menschen zu geben, du hast eine Option, du kannst da selber was dafür tun, aber der Sozialstaat ist auch für dich da und unterstützt dich. Das ist für mich eine wirklich wichtige Voraussetzung, die wir als Gesellschaft eben schaffen sollten und wo wir nicht den Extremisten die Versprechungen machen, die am Ende nicht eingehalten werden können, wo wir die Menschen eben nicht denen überlassen, die sagen, wenn nur weniger Menschen zuziehen würden, wäre hier alles besser. Wir wissen alle, dass es so nicht stimmt, sondern wenn wir keine Menschen mehr hätten, die woanders herkommen, dann wäre in vielen Bereichen wie der Pflege oder vielen anderen Bereichen, ja, würde unser System gar nicht mehr funktionieren.
Thomas Mühlnickel: Rutscht ihr dann nicht auch in so einen leichten Widerspruch mit dem Teil eurer Mitgliedschaft? Weil man sieht ja die Gewerkschaften zum Beispiel, die SPD-Bereich. Organisationen, die vom Wertesystem ähnlich sind wie der VdK oder die Linkspartei übrigens auch, haben sehr viele Wähler oder auch Unterstützer an die AfD verloren. Ich kann mir jetzt vorstellen, bei 2,4 Mitgliedern werden auch eine Menge davon bei euch auch mittlerweile AfD wählen, die der Meinung sind, nur so eine extreme Partei kann mich noch retten oder kann mir noch helfen. Und das widerspricht ja andererseits total den Grundüberzeugungen, die du auch gerade hier als Präsidentin vertrittst. Wie gehst du damit um, dass ihr diesen Widerspruch da drin haben werdet?
Verena Bentele: Also wir haben den Widerspruch sicherlich wie alle Organisationen. Wir versuchen den wirklich immer durch Argumente aufzulösen. Aber wir sagen schon auch klar, extremistische Parteien entsprechen nicht den Werten, die wir in unserer Satzung verankert haben. Wir sind dafür, dass allen Menschen, die hier in Deutschland leben, die hier in Deutschland arbeiten, die sich hier einbringen, deswegen steht beispielsweise unser Sozialstaat zu und die sind für diesen Sozialstaat mitverantwortlich, aber können eben auch diesen Sozialstaat nutzen. Und das unterscheidet uns schon intensiv von denen, die sagen, der Sozialstaat ist nur für einige Menschen da und eben nicht für alle, nur für Menschen, die zum Beispiel hier geboren sind. Das sehen wir nicht so. Wenn jemand hierher kommt und hier eben auch berufstätig ist, dann hat die Person genauso einen Anspruch eben auch auf die soziale Sicherung hier und deswegen versuchen wir es über das Argument, aber natürlich auch darüber, den Menschen klarzumachen, wie sie von einem Sozialstaat, der von und für alle da ist, eben auch profitieren können. Aber klar, die Diskussion führen wir, genau wie alle Organisationen, auch wir, wenn wir vor Wahlen die Wahlprüfsteine eben extremistischen Parteien und populistischen nicht zuschicken, kriegen wir auch Kritik von Mitgliedern und das müssen wir dann auch aushalten und eben auch immer wieder erklären, warum wir das tun und warum wir so handeln, warum wir die Beschlüsse haben, unsere Gremien zu tun. Mit Parteien, die auch im Bundestag vertreten sind oder einer Partei, trotzdem keine politischen Beziehungen zu pflegen.
Thomas Mühlnickel: Das heißt, dieses rauere gesellschaftliche Klima, das schlägt sich bei euch auch ein Stück weit nieder.
Verena Bentele: Also wir sind einfach auch ein Teil der Gesellschaft und deswegen erleben wir das auch. Und auch wenn wir uns zu manchen Sozialleistungen äußern, wissen wir schon, dass danach dann auch kritische Stimmen kommen. Also wenn ich zum Beispiel, was alle Studien belegen, sage, Sanktionen in der Grundsicherung bringen Menschen nicht in Arbeit, sondern Qualifikation und Bildung bringen Menschen in Arbeit, dann kriegen wir danach auch Briefe von Menschen, die sagen, die Sanktionen sind dringend nötig, weil die sollen doch endlich mal lernen, dass sie sich beteiligen. Wo wir einfach wissen, dass die allermeisten Menschen, die zum Beispiel einen Termin nicht einhalten, haben beispielsweise psychische Beeinträchtigungen und die werde ich auch nicht dadurch kriegen, in Anführungsstrichen, wenn ich sie sanktioniere, sondern die werde ich kriegen durch gute Reha-Möglichkeiten, durch Therapien, durch Qualifikation und Weiterbildung. Dadurch werde ich Menschen eben langfristig in Arbeit kriegen.
Zielgerade: Bester Rat, was macht Mut und die Zeitkapsel 2050
Thomas Mühlnickel: Verena, wir biegen jetzt ein auf die Zielgerade, die kennst du ja ganz gut.
Thomas Mühlnickel: Drei Fragen habe ich da aber noch. Was war der beste Rat, den du jemals bekommen hast?
Verena Bentele: Hm. Vielleicht war es ein Rat damals von meinem ersten Begleitläufer, mit dem ich länger gelaufen bin, der mir den guten Rat gegeben hat, wenn du wirklich was erreichen willst, dann trainier dafür, so hat er es damals im Sport ausgedrückt und setz dich dafür ein und den Rat kann ich aber genauso übertragen auch auf meine jetzt berufliche Laufbahn, das ist ein guter Rat. Und ein anderer guter Rat, den habe ich sicherlich von zu Hause von meinen Eltern mitbekommen, der da hieß, wenn du was wirklich verändern willst, dann engagiere dich eben auch dafür und jammer nicht nur. Das finde ich auch einen guten Rat.
Thomas Mühlnickel: Was macht dir Mut?
Verena Bentele: Mir macht Mut, dass es doch viele Menschen gibt, die sich Gedanken machen, die sich einsetzen, wie zum Beispiel auch junge Menschen von FiscalFuture, so eine junge Nichtregierungsorganisation, die sich mit dem Thema Steuergerechtigkeit beschäftigen. Das macht mir sehr viel Mut, dass es einfach in jeder Generation Menschen gibt, die an den Gemeinschaft glauben, die an Solidarität und an was Gutes glauben und die für Fortschritt eintreten und das eben auch wirklich mit viel Engagement, viel Herzblut, viel Leidenschaft, das finde ich toll.
Thomas Mühlnickel: Was ich dir vorher nicht gesagt habe, wir sitzen hier in Wahrheit in einer Zeitkapsel. Wir fliegen jetzt los, landen im Jahr 2050 am Brandenburger Tor. In was für einem Land sind wir dann?
Verena Bentele: Wir sind in einem Land, das sich nicht aufgegeben hat und in einem Land, das eben auch für alle Menschen wirklich gute Bedingungen schafft. Eben Bedingungen, die bedeuten, dass Menschen Zugang haben zu Bildung, zu Existenzsicherung, zu Gesundheitsversorgung und eben auch einen guten Zugang haben dazu, was eine starke Gemeinschaft bedeutet und nicht nur ein starkes Individuum.
Thomas Mühlnickel: Ich habe mich sehr lange auf dieses Gespräch gefreut. Jetzt weiß ich auch, warum. Es war wirklich eine sehr spannende Stunde mit dir. Ich habe sehr viel gelernt, sehr viele gute neue Impulse bekommen. Vielen lieben Dank dafür. Danke, dass du gekommen bist und danke für deinen Besuch, Verena Bentele.
Verena Bentele: Danke für die Einladung. Tschüss.
Thomas Mühlnickel: Eine Stunde, eine Minute.
Verena Bentele: Ja, Timing.