Klumpenrisiko.
Wer sich dieses Wort ausgedacht hat, sollte einen Preis …

… für die Schönheit unattraktiver bildlicher Sprache bekommen.
Es ist zwar ein Begriff aus der Finanzbranche, trifft aber das Schicksal vieler Agenturen gerade sehr gut.

Denn die meisten Agenturen sind sehr spezialisiert und hängen dementsprechend je nach Ausrichtung gerade zwischen halbwegs glücklich bis sehr unglücklich in ihrem Klumpen.

Auch uns hat der wirtschaftliche Teil der Corona-Krise teilweise hart erwischt. Teilweise. Und dieses Wörtchen „teilweise“ ist für uns wohl gerade eine Lebensversicherung: wir bieten Leistungen an für Events, Layout, Corporate Publishing, Vermarktung, Beratung, Kampagnen und Podcasting. Viele einzelne Klümpchen, die sich in guten Zeiten gegenseitig befruchten und für zusätzliche Umsätze sorgen. In schlechten Zeiten sind sie vielmehr eine Art Schutzwall, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, sich kollegial gegenseitig zu stützen und durch interdisziplinäre Produktentwicklungen neue Aufträge zu generieren.

Manche unserer Arbeitsbereiche befinden sich gerade in schwerer See. Gleichzeitig produzieren wir aber seit Wochen deutlich mehr Podcasts als in den Vormonaten, beraten und trainieren unsere Kunden und entwickeln neue Kommunikationsformate, die von persönlicher Präsenz unabhängig sind, aber doch einen besseren Austausch ermöglichen als eine herkömmliche Videoschalte allein.

Dass Großevents nun bis zum 31.8. untersagt sind und mit jedem weiteren Tag des partiellen Shutdowns die Wirtschaftsprognosen schlechter werden, ist ökonomisch kurzfristig keine gute Aussicht für uns. Aber alle Kolleginnen und Kollegen bei ASK.Berlin sind gesund. Und ihre Familien auch. Alle ziehen an einem Strang und sind in den vergangenen vier Wochen ein noch besseres Team geworden, als wir es ohnehin vorher schon waren. Wir sitzen weit entfernt und rücken doch zusammen.

Wir haben neben dem verminderten Klumpenrisiko einige Wettbewerbsvorteile, die sich meiner Überzeugung nach in Zukunft noch viel stärker rentieren werden. Wir sind die einzige Kommunikationsagentur in Deutschland mit einem Tarifvertrag. Wir gehen in der Krise anständig mit unseren Leuten um. Und auch unsere Kunden werden nicht durch listige Vertragskonstruktionen und vermeintlich unabwendbare Nachkalkulationen übervorteilt.

Dieses interdependente und langfristig orientierte Modell der Zusammenarbeit mit KundInnen und MitarbeiterInnen – bei gleichzeitigem vermindertem Klumpenrisiko – wird in Zukunft noch mehr honoriert werden als bislang. Weil die Zeit dafür gekommen ist, sich seine Geschäftspartner genauer anzusehen, als es in einer Stunde einer Pitchpräsentation möglich ist. „Nett“ und „günstig“ können doch bei engen Geschäftspartnerschaften nicht die einzig entscheidenden Maßstäbe sein, wie wir es leider schon mehrfach staunend erleben mussten. Neben unerlässlicher erwiesener Kompetenz geht es eben auch darum, wie man seine Mitmenschen behandelt.

Und deshalb verlassen wir diesen Weg auch nicht, wenn er mal etwas steiniger wird. Ganz im Gegenteil: Nicht nur den Mutigen gehört in Zukunft die Welt, sondern auch den Anständigen.

von Thomas Mühlnickel

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